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Extremsport in der Nordsee : „Meerwert“ – die Inselschwimmer

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Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Kraulen von Pellworm über Hooge und Langeneß bis nach Föhr und Sylt – geht das? Unser Autor Martin Tschepe will es zumindest versuchen

shz.de von
erstellt am 31.Mai.2017 | 05:48 Uhr

Das Begleitboot für die ersten beiden Schwimm-Etappen am Sonntag, 2. Juli, haben wir schon. Wir wollen von Pellworm nach Hallig Hooge und weiter nach Hallig Langeneß schwimmen. Eine Schnapsidee? Ja, vielleicht. Das Wetter muss mit machen, die Arme dürfen nicht schlapp machen. Schon klar ...

Dierk Jensen ist auf Pellworm aufgewachsen – er ist Journalist und lebt im Hamburg. Ich bin in Hörnum auf Sylt zur Schule gegangen, bin Journalist in Stuttgart. Dierk und ich, wir haben uns im Spätsommer 2016 kennengelernt, beim Saarschwimmen in Mettlach. Schnell stand der Plan: Wir schwimmen von Pellworm nach Hooge. „Das will ich schon seit Jahren mal machen“, sagt Dierk, der auf Pellworm den Triathlon organisiert. Ob ich dabei bin, wollte er im September von mir wissen. Klar, hab ich gesagt, und dann erklärt: Aber wir schwimmen ein bisschen weiter. Mindestens bis nach Langeneß. Dierk ist dabei – zumindest im Begleitboot, das er organisiert hat.

Wer auf Sylt groß geworden ist und auch nach dem Umzug nach Schwaben immer noch so oft wie möglich auf der Insel ist, auch zum Schwimmen, der will freilich nicht bloß bis nach Langeneß kraulen. Zumindest der Versuch muss erlaubt sein: Weiterschwimmen bis nach Föhr am 3. Juli und dann am 4. Juli bis nach Sylt. Noch indes fehlen Begleitboote für diese Etappen sowie eine Unterkunft auf Langeneß.

Ein paar Helfer haben sich schon gefunden, via Facebook. Aber wir suchen weiteren Support, wünschen uns Menschen, die mitmachen wollen, im Wasser oder auch an Land. Dierk wird nach der Etappe bis Langeneß vermutlich nicht mehr dabei sein können, er muss zurück – den Pellwormer „Trifun“, einen Sprint-Triathlon, vorbereiten, der am 8. Juli stattfindet.

Dierk sagt, er wäre kein so super guter Schwimmer. Deshalb seien für ihn die geschätzt drei bis vier Kilometer bis nach Hooge wohl genug. Aber vielleicht kann ich ihn ja spontan motivieren, doch bis Langeneß zu krauen. Abwarten. Ich kann weit schwimmen, richtig weit. Bin schon mal an einem Tag von Hörnum bis nach List gekrault, knapp 30 Kilometer weit. Hab’ im Sommer 2016 die zehn größten Seen der Republik gequert, bin mit einem anderen Schwimm-Kumpan den ganzen Neckar geschwommen – 300 Kilometer weit, täglich bis zu 37 Kilometer. Aber das offene Meer zwischen den Inseln ist eine ganz andere Sache – ja, ich weiß. Hab ich anno dazumal in der Grundschule in Hörnum gelernt. Deshalb bin ich für jeden Tipp dankbar. Notfalls würde ich halt teilweise Kanu fahren, die Sicherheit geht vor. Wir schwimmen mit Neoprenanzug, Bojen und vermutlich mit permanenter Verbindung zum Begleitboot mittels einer elastischen Strippe. Es kann also eigentlich nichts passieren.

Mit unserem Schwimmprojekt – mitten im Nationalpark Wattenmeer – versuchen Dierk und ich, auch Spenden für das Behinderten-Schwimmen in Ludwigsburg einzusammeln. Mein Club bietet Menschen mit Behinderung seit gut eineinhalb Jahren die Möglichkeit, sich ans Wasser zu gewöhnen und wer will, kann an inklusiven Wettkämpfen teilnehmen. Auch deswegen haben wir unser Insel-Hallig-Schwimm-Projekt auf den Namen „Meerwert“ getauft. Darüber hinaus steht der Name aber auch für den Reichtum, den die Nordsee bietet und den es zu mehr denn je zu bewahren gilt.


Unser Autor ist Redakteur bei der Stuttgarter Zeitung und schreibt gelegentlich auch für die Sylter Rundschau.


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