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Debatte um Sylter Seehundjäger : Medienrummel am Sylter Strand

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Die Berichte und Artikel über Sylts Seehundjäger häufen sich. Nicht immer werden alle Fakten korrekt dargestellt.

shz.de von
erstellt am 18.Feb.2014 | 06:00 Uhr

Ob Fernsehen oder Zeitung – der Einstieg ist immer ähnlich: Bei RTL rekelt sich ein knuddeliges Kegelrobbenbaby am Strand – dann wird der Hintergrundton bedrohlich, über dem Bild der Kegelrobbe erscheint ein Fadenkreuz und eine Männerstimme sagt: „Wer zu schwach und krank ist, wird erschossen. Jäger auf Sylt nehmen Seehunde ins Visier – und drücken ab.“ Auch die Bild-Zeitung beginnt ihren gestern erschienenen Artikel ähnlich: Hier blickt ein blutverschmierter Seehund „ängstlich“ , nachdem „Robbenjäger Thomas D.“ ihn „eingefangen“ hat: „In wenigen Minuten wird er das Robbenbaby erschießen ...“

Die Liste der Medien, die in den vergangenen Wochen über die Seehundjäger auf Sylt berichtet haben, ist lang. Auslöser war ein Artikel der Sylter Rundschau, in dem es über die hohe Zahl der kranken Seehund-Jungtiere ging, die momentan an Sylter Ständen gefunden werden und häufig von den drei ehrenamtlichen Seehundjägern geschossen werden müssen. Diedrichsen erklärte in diesem Artikel, warum das Schießen zwar für Strandbesucher erschreckend wirken kann, den todkranken Tieren aber weiteres Leiden erspare.

Was folgte, war neben einer emotional aufgeheizten Diskussion über die vermeintliche Grausamkeit des Schießens kranker Tiere eine Flut von Fernseh- und Zeitungsberichten über die Seehundjäger – von denen viele vor allem auf einen Aspekt der Arbeit der Seehundjäger fokussierten: Dem Schießen. „Von dem Artikel in der Bild-Zeitung bin ich enttäuscht. Da wird das Erschießen aufgebauscht ohne einen Zusammenhang zu unserer restlichen Arbeit herzustellen“, erklärt Thomas Diedrichsen, einer der drei Sylter Seehundjäger. Der „schöne“ Teil ihrer Aufgabe werde geflissentlich ignoriert – das Auflesen verlassener Seehundbabys, die nach Friedrichskoog gebracht werden, beispielsweise.

Vergangenen Freitag wurde Diedrichsen zum Strandabschnitt Oase im Süden Westerlands gerufen. Der Bild-Reporter war schon dort. „Er hat mir erzählt, dass er schon seit drei Tagen die Insel von Nord nach Süd ablaufe, auf der Suche nach einem Seehund.“ Diedrichsen sprach mit dem Mann, nahm die Tiere in Augenschein, die äußerlich keine Anzeichen von Verletzungen oder Krankheiten zeigten: „Doch als ich sie angefasst habe, wollten sie sich aus dem Griff rauswinden. Dabei mussten sie sich anstrengen – und schon spuckten sie Blut.“ Der Reporter der Bild-Zeitung habe sich überrascht gezeigt, dass Seehunde so bluten können. In der Bild liest sich das Ergebnis des Gesprächs dann so: „Seit 2006 hat er die Lizenz zum Robben-Töten – ausgestellt vom Umweltministerium in Kiel. Er kassiert 45 Euro Kopfgeld, egal ob er die Robbe tötet oder in eine Auffangstation bringt.“

Thomas Diedrichsen steht nicht gern im Rampenlicht – nach diesem Erlebnis vielleicht noch weniger. Mit den Medien redet er weiterhin: „Wir müssen und wollen versuchen, aufzuklären.“ So sieht das auch sein Mitstreiter Florian Kröger. „Klar sprechen wir weiter mit den Medien. Aber es geht echt nicht, dass wir denen richtige Daten und Fakten liefern und im Bericht wird alles verdreht und bewusst falsch dargestellt.“ Zum Beispiel seien sie Seehund- und keine Robbenjäger. Auch werden keine Heuler geschossen, sondern Jungtiere, die mehrere Monate alt sind – und todkrank. Und eines ist ihm vor allem wichtig: „Wir fahren nicht an den Strand und schießen los!“ Sein Ehrenamt, erklärt Kröger, sei ein zeitaufwendiges: „Wir geben alles für die Tiere. An manchen Wochenenden habe ich keinerlei Freizeit, weil ich ständig für die Seehunde raus fahre.“ Beklagen wolle er sich nicht. Damit sich die Tiere nicht quälen, übe er sein Ehrenamt gern aus – und kläre die Öffentlichkeit auch gern auf: „Es kann aber nicht angehen, dass wir am Ende als die Bösen dargestellt werden.“

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