Konferenz auf Sylt : Mediatoren treffen sich zur Jahreskonferenz auf der Insel

„Der weite Himmel auf Sylt passt zur Mediation“: Walter H. Letzel (Vorsitzender Bundesverband Mediation), Kirsten Schroeter (Regionalverband Hamburg) und Holger Bünte (Jugendpfleger Gemeinde Sylt).
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„Der weite Himmel auf Sylt passt zur Mediation“: Walter H. Letzel (Vorsitzender Bundesverband Mediation), Kirsten Schroeter (Regionalverband Hamburg) und Holger Bünte (Jugendpfleger Gemeinde Sylt).

Freier Blick und weite Sicht: Rund 90 „Vermittler" kamen zu Beginn der Woche auf der Insel zusammen. Auch ein Sylter Jugendpfleger, der sich als Mediator im Schulzentrum Westerland engagiert, war mit dabei.

shz.de von
07. Mai 2015, 05:30 Uhr

„Der weite Himmel und die freie Sicht auf Sylt passen zur Mediation“, sagt der zweite Vorsitzende des Bundesverband Mediation, Walter H. Letzel während er über die Lister Dünen schaut: Auch bei einer erfolgreichen Mediation müssen die Gedanken weit sein und der Blick offen in alle Richtungen.

Um sich über ihre Erfahrungen auszutauschen und Neues zu lernen, trafen sich am Montag und Dienstag Mediatoren aus ganz Deutschland zur Jahreskonferenz der Ausbilderinnen und Ausbilder im Bundesverband Mediation. Dass Mediation ganz vielfältig ist, zeigt sich auch beim Blick ins Programmheft. Das Spektrum decke die gesamte Bandbreite der Mediation ab: Darunter Familie, Arbeit, Schule aber auch der öffentliche Bereich wie zum Beispiel Bauprojekte, erzählt Kirsten Schroeter vom Regionalverband Hamburg.

Die rund 85 Gäste sind Juristen, Theologen, Pädagogen und Psychologen, aber auch Ingenieure und Politikwissenschaftler. Sie alle eint die Vermittler-Rolle – sie arbeiten selbstständig oder sind als Berater bei Firmen angestellt. Rund 25 Prozent mehr Gäste seien allein wegen des ungewöhnlichen Tagungs-Ortes auf der Insel angereist, betont Letzel.

Auf Sylt gäbe es bisher noch nicht viele Mediatoren, und wenn, dann sind sie meist Rechtsanwälte, sagt Holger Bünte, Jugendpfleger und Mediator der Gemeinde Sylt. Seit drei Jahren engagiert er sich im Schulzentrum Westerland um eine Konfliktkultur, und bietet gemeinsam mit anderen Mediationskurse für Schüler und Lehrer an. Die Konferenz auf Sylt sei daher sehr inspirierend für ihn und „eine tolle Bereicherung, um neue Trends kennenzulernen sowie neue und alte Verbindungen und Beziehungen zu pflegen“.

Mediation bedeutet, dass die Parteien zusammengebracht werden, um eine Lösung für beide Seiten zu erzielen – eine „Win-win“-Situtation zu schaffen, sagt der Experte. Das Ziel seiner Arbeit? „Dass die Schüler einen kultivierten Umgang mit Konflikten lernen und diese nicht als negativ wahrnehmen.“ Die Prävention schon im Schulalter sei wichtig, denn nur wenn ein Bewusstsein für Konfliktlösung geschaffen werde, seien die Kinder und Jugendlichen auch als Erwachsene gewappnet und wüssten, wo sie sich Hilfe holen können. „Das kann die Welt ein Stück weit verändern“, betont Bünte.

Seine Arbeit am Schulzentrum gliedert sich in drei Säulen: Zum einen gibt es die Schülermediation, bei der Schüler zu Mediatoren ausgebildet werden und in einer „Wiedergutmachungsstelle“ in den Schulpausen Gleichaltrige beraten. Denn Lehrer hätten heute häufig eine Doppelrolle – eine Schlichtungsfunktion gehe daher meist auf Kosten des Unterrichts.

Der sogenannte Tatausgleich bildet eine weitere Säule: Bünte und sein Kollege Gordon Volkmer stehen hier bei einseitig ausgelösten Konflikten dem Geschädigten zur Seite . Ziel des Täter-Opfer Verfahrens sei eine Wiedergutmachung – die vom Geschädigten bestimmt werde. „Mobbing-Intervention“ ist das dritte Thema, mit dem sich am Schulzentrum auseinandergesetzt wird: Dabei werden Unterstützergruppen gebildet die das Mobbing-Opfer schützen.

Um die Streitkultur an den Bildungsstätten zu verbessern, sei es sinnvoll, die Schüler zu beteiligen und die Lehrer weiter „mit ins Boot zu holen“, denn diese müssten die Schüler zur Konfliktlösungs– Stelle schicken. „Ich wünsche mir, dass die Menschen neue Wege in die Mediation finden und auch privat den Mut haben, den Weg dorthin zu suchen“, sagt Bünte und betont dass es ein Lernprozess sei diese neuen Strukturen zu festigen.

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