Sylter Bank : Maurus scheitert an Dreiviertelmehrheit

Für 50jährige Mitgliedschaft ehrten Aufsichtsrat Heinz Maurus (2. v. r.) und die Vorstände Michael Pietyra (l.) und Thomas Bender (r.) Ursula Lässig, Erk-Werner Schmitz, Ursula Cappel, Gerhard Ehmke, Jörg Lässig und Ursula Frerkes (von links).
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Für 50jährige Mitgliedschaft ehrten Aufsichtsrat Heinz Maurus (2. v. r.) und die Vorstände Michael Pietyra (l.) und Thomas Bender (r.) Ursula Lässig, Erk-Werner Schmitz, Ursula Cappel, Gerhard Ehmke, Jörg Lässig und Ursula Frerkes (von links). Fotos: Henningsen

Vorschlag des Aufsichtsrats für eine weitere Amtszeit seines Vorsitzenden findet in der Generalversammlung keine ausreichende Mehrheit

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26. August 2018, 20:18 Uhr

Ein ordentlicher Geschäftsbericht, die Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat, freudiger Applaus zur Gewinnausschüttung – die Tagesordnung der Generalversammlung der Sylter Bank ist normalerweise schnell abgehakt, damit der gesellige Teil beginnen kann und die Schnitzel auf den Teller kommen. Doch am Freitag kam alles anders, die Genossen verwehrten Plänen des Aufsichtsrats die Zustimmung. Nach dreistündiger Sitzung stand fest, dass Heinz Maurus (66) seinen Posten im Aufsichtsrat an Martin Jessen (39) abgeben muss.

Maurus gehört dem Kontrollgremium der Genossenschaftsbank seit 23 Jahren an, seit neun Jahren hat er den Vorsitz inne. Nach drei Jahren stand nun sein Sitz im fünfköpfigen Aufsichtsrat zur Wahl. Allerdings begrenzt die Satzung das Alter der Aufsichtsratskandidaten auf 65 Jahre. Der Aufsichtsrat schlug trotzdem schon in der Einladung eine Wiederwahl von Heinz Maurus vor, die möglich sei, wenn der Bewerber eine Dreiviertelmehrheit erreicht. Der Aufsichtsrat sei derzeit nicht in der Lage, einen neuen Vorsitzenden zu stellen, begründete sein Stellvertreter Karl Max Hellner den Vorschlag. „Nach dem Ausscheiden von Dirk Erdmann fanden wir keinen geeigneten Nachfolger.“ Björn Hansen würde den Vorsitz in drei Jahren übernehmen und sollte bis dahin von Maurus eingearbeitet werden.

Im Vorfeld hatte auch schon der Bankbetriebswirt Martin Jessen seine Kandidatur für den Aufsichtsrat angekündigt. Der Wenningstedter war 16 Jahre für die Sylter Bank tätig, bevor er Ende letzten Jahres die Geschäftsführung im elterlichen Bäckereibetrieb übernahm.

Weil aber Maurus 75 Prozent der Stimmen und Jessen eine 50-Prozent-Mehrheit benötigte, wären bei einer Kampfkandidatur vielleicht beide gescheitert. Darum schlug der Aufsichtsrat vor, das Gremium auf sechs Personen zu erweitern.

Ein Schachzug, der nicht bei allen 273 Anwesenden gut ankam, die 411 Stimmen zu vergeben hatten. Es kam zu einer Diskussion, bei der die Vertreter des Genossenschaftsverbandes mehr als einmal eingreifen mussten. Der Antrag eines Genossen auf geheime Wahl, der von 25 Prozent der Versammlung unterstützt werden musste, fand eine deutliche Mehrheit. Auch der Antrag auf sechs Aufsichtsräte wurde durchgewunken. Bei der geheimen Kandidatenwahl erreichte Jessen mit 323 Stimmen eine Mehrheit, Maurus aber scheiterte mit 192 Stimmen an der nötigen Dreiviertelmehrheit. „Das bedaure ich zutiefst“, sagte Hellner zur Niederlage des Vorsitzenden.

Dabei konnte Vorstand Michael Pietyra, der zum Jahresende in den Ruhestand geht und von dem ehemaligen Nospa-Mitarbeiter Dirk Ehlers aus Niebüll abgelöst wird, zuvor positive Geschäftszahlen vermelden. Die Bilanzsumme stieg von 390 auf 419 Millionen Euro. Und die 4000 Mitglieder können sich auf eine Dividende von sechs Prozent freuen.

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