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Hausgeburt auf Sylt : Mats – geboren im Badezimmer

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Seit Anfang des Jahres ist die Geburtenstation auf Sylt geschlossen – eine Hausgeburt heizt die Diskussion um eine zukünftige Lösung neu an.

Am Freitag passierte auf Sylt das, wovor sich Schwangere auf der Insel seit der Schließung der Geburtenstation der Asklepios Nordseeklinik vor 14 Tagen fürchten: Weil sie es nicht rechtzeitig aufs Festland schaffte, bekam Steffi Jansen ihr Kind unfreiwillig im heimischen Badezimmer in Morsum.

Ohne Gynäkologen, ohne Hebamme kam der kleine Mats wie anno dazumal auf die Welt – im friesischen Bauernhof der Familie war auch schon sein Großvater geboren. Zumindest, sagte Steffi Jansen, entstand so eine Familientradition.

Geplant war alles natürlich ganz anders: Stichtag für Mats wäre der kommende Donnerstag gewesen, eigentlich wollte Steffi Jansen sich gestern im Boarding-Haus der Diako-Frauenklinik in Flensburg einquartieren. „Früher wollte ich wegen meiner anderen beiden Kinder nicht von der Insel runter“, erklärt die Pferdepflegerin. Doch schon am Freitagvormittag setzten leichte Wehen ein. „Deshalb wollten wir eigentlich gegen 15 Uhr mit dem Zug nach Niebüll fahren“, erzählt Jansens Freund, Boy-Henning Hoffmann. Doch dann ging auf einmal alles ganz schnell. So schnell, dass auch Hebamme Anke Bertram nicht rechtzeitig zur Stelle war: Gegen 15 Uhr bekam Steffi Jansen Presswehen, um 15.13 Uhr war Mats da – und sah als erstes keinen Kreißsaal, sondern das lila geflieste Bad der Jansens. „Ich dachte, ich wäre bei der Geburt nur Beobachter“, erzählt Hoffmann, „und dann habe ich auf einmal Hebamme gespielt.“ Panisch sei er dabei trotz mangelnder Erfahrung nicht geworden – „in so einem Moment denkst du gar nicht viel nach“. Normalerweise wäre das Paar bei den ersten Wehen Richtung Westerland in die Asklepios Nordseeklinik gefahren. „Jetzt hatten wir die Wahl, das Kind zu Hause oder am Westerländer Bahnhof zu bekommen.“

Solche ungeplanten Hausgeburten sind auf Sylt in den vergangenen Jahren eher selten vorgekommen, erzählt Hebamme Anke Bertram, die mit einem Notarzt kurz nach Mats Geburt vor Ort war. Sie freut sich darüber, dass die Hausgeburt bei Steffi Jansen so entspannt abgelaufen ist, kritisiert aber gleichzeitig die Klinikleitung der Nordseeklinik: „Es gibt keinen Notfallplan für Sylt, der mit uns Hebammen abgesprochen ist.“ Das heißt: Sollte es bei einer Spontan-Geburt auf der Insel Komplikationen geben, und die Schwangere als Notfall in die Nordseeklinik gebracht werden, wisse sie nicht, ob sie als Hebamme befugt sei, dort zu arbeiten. Auch was genau mit den Gynäkologen der Insel abgesprochen sei, sei unklar.

Zum offenbar gestörten Verhältnis zwischen Insel-Hebammen und Klinik-Leitung sagte Petra Reiber, Bürgermeisterin der Gemeinde Sylt, dass sie versuchen wolle, dies wieder zu verbessern. Am Donnerstag will sich außerdem der Sozialausschuss des Landtags mit der Geburtshilfe auf Sylt befassen. Politiker aller Sylter Fraktionen wollen dort für eine Lösung demonstrieren.

Der Verein „Insel-Liste zukunft.sylt“ hat in der Geburtshilfe-Frage Anfang Januar das Verwaltungsgericht Schleswig angerufen. Das Gesundheitsministerium solle sicherstellen, dass auf Sylt eine Geburtshilfe-Station weiterhin betrieben wird. Das Ministerium hat die Ablehnung beantragt. Aus Sicht des Ministeriums gebe es rechtlich „keinen allgemeinen Anspruch auf Vollziehung staatlicher oder kommunaler Planungen“. Zudem seien die Antragsteller ohne entsprechende Befugnis. Ähnlich argumentiert auch Asklepios. Nach Angaben eines Sprechers wird das Gericht in dieser Woche entscheiden, ob der Verein antragsberechtigt ist.

 

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erstellt am 14.Jan.2014 | 07:00 Uhr

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