Südafrikanischer Künstler auf Sylt : Mashilo: „Auf Sylt gibt es keine Mauern“

Setlamorago Mashilo vor seiner Skulptur: 500 Maiskolben liegen auf einer Decke und symbolisieren den ungerechten Kampf um Land in Südafrika...
1 von 2
Setlamorago Mashilo vor seiner Skulptur: 500 Maiskolben liegen auf einer Decke und symbolisieren den ungerechten Kampf um Land in Südafrika...

Ein junger südafrikanischer Künstler ist für zwei Monate auf Sylt und hat seine ganz eigenen Ansichten von der Insel.

von
04. Mai 2015, 06:02 Uhr

„Es ist wirklich ein kleiner Kulturschock“, sagt Setlamorago Mashilo, den alle nur „Mash“ nennen. Der 27-jährige Südafrikaner aus Pretoria ist Künstler und der erste Gewinner des Tasa Preises, den die Stiftung kunst:raum Sylt Quelle zusammen mit der Turbine Hall Art Fair (TAF) in Johannesburg vergibt. Seit einem Monat lebt der Stipendiat nun auf der Insel. In einer Wohnung, die ihm die Stiftung zur Verfügung gestellt hat.

„Es ist wirklich schön hier“, sagt er mit seinem breiten Lächeln, „allerdings bin ich hier auch ein wenig isoliert, was vor allem an der Sprach-Barriere liegt.“ Durch diese Isolation habe er aber viel gelernt, erzählt er. „Ich habe hier auf Sylt viel von dem verstanden, was aus politischer Sicht in Südafrika passiert. Manchmal muss man eben weit weg von Zuhause sein, um das Wesentliche zu begreifen.“

Da sein Deutsch noch schlecht ist, unterhalte er sich mit den Menschen, die auf der Insel um ihn herum sind, nur über das, was wirklich wichtig ist. „Die Kommunikation ist einfach und klar – und das liebe ich“, erzählt er begeistert. „Wenn man nicht alle Worte kennt, um sich zu verständigen, beschränkt man sich auf das, was man wirklich zu sagen hat. Und genau das bedeutet es dann auch.“ Vielleicht sei das auch eines der wesentlichen Probleme in Südafrika, überlegt er, „vielleicht sollten wir einfach mehr das sagen, was wir auch wirklich meinen und nicht immer um den heißen Brei herum reden. Das macht die Kommunikation und die Verständigung einfacher und könnte Probleme vermeiden.“

Das Kunstwerk, mit dem Mashilo die vierköpfige Jury, der auch Indra Wussow von der Stiftung kunst:raum Sylt Quelle angehörte, von sich überzeugen konnte, ist eine Skulptur aus Beton und Stoff. „Mabu a u twitstwe“ nennt er sie: 500 schwarze Maiskolben aus Beton liegen auf einer Decke und symbolisieren den ungerechten Kampf um Land, der auch im neuen Südafrika Subsistenzfarmer bedroht und altes Unrecht einfach durch neues ersetzt. Zugleich ist diese Skulptur eine Hommage an den Großvater Mashilos, der sich zeitlebens gegen diese Enteignung widersetzt hatte.

Noch einen Monat wird der Künstler auf der Insel bleiben. Die Zeit nutzt er um sich inspirieren zu lassen, kleinere Kunst-Arbeiten zu fertigen, zu Fotografieren, aber auch um die Gegend zu erkunden. In den vergangenen vier Wochen war er viel unterwegs. „Ich war in Niebüll, Klanxbüll, Flensburg und Hamburg. Überall, aber besonders in Hamburg, hat es mir sehr gefallen“, sagt er, „in Hamburg war es sogar ein bisschen so wie in Pretoria.“

Die Hauptstadt Südafrikas unterscheide sich aber trotzdem grundsätzlich von der Welt auf Sylt. „Der Unterschied zwischen Pretoria und Sylt ist natürlich auch ein wenig verstörend für mich“, erklärt er. „Hier gibt es keine Mauern und keine Sicherheits-Schranken wie in Südafrika. Dadurch entsteht natürlich eine ganz andere Gesellschaft als bei uns.“

Mit den Menschen auf der Insel hat er bisher viele Gute Erfahrungen machen können. Allerdings fragt er verwundert, warum manche so bedrückt wirken würden, er so wenig lachende Menschen auf der Straße trifft. „Die meisten hier auf der Insel sind doch eigentlich im Urlaub? Viele wirken so unzufrieden.“

Dennoch ist er froh, dass ihn das Stipendium nach Sylt und nicht in eine Großstadt gebracht hat. „Auf eine Insel zu kommen, ganz allein und in einem fremden Land, das tut etwas für dich. Auch wenn sich die Einsamkeit vielleicht erst einmal schlecht anfühlt – am Ende lernt man viel, vor allem über sich selbst.“





zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen