Bauernhofkindergarten : „Marmelade wächst nicht im Glas“

Wie  Merle und Frieda haben auch die anderen Kindergartenkinder täglich den direkten Kontakt zu Tieren und Pflanzen.
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Wie Merle und Frieda haben auch die anderen Kindergartenkinder täglich den direkten Kontakt zu Tieren und Pflanzen.

Die Kinder des Bauernhofkindergartens in Braderup lernen mit der Natur zu leben. Ein Stall und weitere Tiere kommen erst im nächsten Jahr.

shz.de von
10. November 2013, 19:18 Uhr

Kaum haben Pepe, Fleckchen und die anderen drei Schafe entdeckt, dass Menschen auf ihrer Koppel sind, kommen sie sofort angelaufen. Die Tiere wissen, dass es dann Streicheleinheiten und Futter gibt. Schließlich leben sie auf dem Gelände des Burrenstair Kindergartens in Braderup und sind täglich von Kindern umgeben. „Die Tiere hier sind alle ganz zahm – sogar die Hühner“, erzählt Heike Müller-Jörgensen.

Die Gemeindevertreterin aus Wenningstedt-Braderup sitzt im Kindergartenbeirat und hat den Aufbau des Bauernhofkindergartens auf dem M.t. Buchholzhof von Anfang an begleitet. Noch ist nicht alles umgesetzt, was vor dem Umzug des ADS Kindergartens in den M.t. Buchholzstich im Jahr 2011 geplant war. Es sollte neben dem Kindergarten einen richtigen Bauernhof im Mini-Format, mit Stall, mehreren Tieren und Feldern geben.

Bis heute leben es allerdings nur fünf Schafe auf dem Hof, außerdem acht Hühner, die in einem zum Hühnerstall umgebauten Bauwagen leben. „Unsere anfängliche Euphorie wurde etwas gebremst, als wir feststellten, wie viele Vorschriften der Gesetzgeber für die Haltung von Tieren macht“, erzählt Müller-Jörgensen, „da haben wir die Notbremse gezogen. Schließlich mussten wir erst einmal Erfahrungen sammeln, was zu schaffen ist und in Ruhe alles besprechen. Es ist uns sehr wichtig, dass unsere Tiere artgerecht gehalten werden.“

So sei es zwar eine schöne Vorstellung gewesen, Esel und Ponys auf der Koppel zu halten, aber diese Tiere müssten regelmäßig bewegt und auch am Wochenende versorgt werden. „Das muss alles für die Erzieherinnen und den Hausmeister leistbar bleiben.“ Bei vergleichbaren Projekten gab es immer zuerst den Bauernhof mit dem dazugehörigen Know-how und dann erst den Kindergarten. In Braderup ist es umgekehrt, deshalb mussten die Erzieher erst einmal Erfahrungen sammeln und an Fortbildungen teilnehmen.

Außerdem gab es bald noch andere, dringendere Bauprojekte, um die sich Erzieherinnen und Eltern kümmern mussten. So wurde ein Raum für die Kinderkrippe angebaut, der Spielplatz renoviert, Zäune und Hochbeete gebaut. „In diese Aktionen wurden immer die Eltern stark eingebunden, von denen viele Handwerker sind. Aber gerade in der Hochsaison haben natürlich viele keine Zeit und so hat sich das relativ lange hingezogen“, sagt die stellvertretende Kindergartenleiterin Nadine Jahrmarkt. Seit Ende Oktober sind jetzt aber alle Projekte abgeschlossen und die Erzieher und Eltern können sich verstärkt auf die Planung des Stalls konzentrieren. Erste Pläne gibt es und der Bauantrag ist beim Kreis bereits gestellt. „Ich denke nächstes Jahr wird das was“, erklärt Gerhard Hausen, Vorsitzender des Wenningstedter Bauausschusses. „Deshalb haben wir jetzt den Winter, um in Ruhe zu planen, welche und wie viele Tiere wir bekommen werden“, sagt Müller-Jörgensen. „Kühe und Laufenten wären zum Beispiel schön.“

Geschlachtet werden soll auf dem Bauernhof-Kindergarten allerdings vorerst nicht. „Dafür haben wir noch zu wenige Tiere – das können wir den Kindern nicht erklären“, sagt sie. „Unsere Kinder erzählen den Schafen Geschichten, kennen sie alle beim Namen, füttern sie und holen die Hühnereier aus dem Bauwagen.“

Momentan nimmt die Feldarbeit einen größeren Raum im Kindergartenalltag ein als die Tierpflege. Die Kinder pflanzen Gemüse, Kartoffeln und Salat an, pflegen die Beete und ernten schließlich ihre Schätze. „Daraus macht unser Koch dann das Mittagessen“, erzählt Jahrmarkt. „Wenn sie die Bohnen selber geerntet haben, kriegt man sogar Kinder dazu, Eintopf zu essen.“

Grundkonzept des Bauernhofkindergartens ist es, dass die Kinder in der Natur und mit Tieren aufwachsen, die Natur schätzen lernen und erfahren, woher die Lebensmittel kommen. „Das klappt auch. Die Kinder können Getreide-Sorten auseinander halten und wissen, dass Marmelade nicht im Glas wächst“, so Jahrmarkt.

Auch neben dem Stall-Projekt gibt es bereits viele Ideen für die Zukunft. So soll jede Gruppe ihr eigenes Gemüsefeld betreuen, die Felder sollen weiter an den Kindergarten heran gesetzt werden, um sie besser in den Alltag integrieren zu können und auf dem dann frei gewordenen Platz soll ein Maislabyrinth entstehen.

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