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Sylter Fußball-Verein : Mannschafts-Aus für Team Sylt I

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Weil sich nicht mehr genug Spieler fanden, wurde die erste Herrenmannschaft vom Fußball-Verein Team Sylt aufgelöst.

shz.de von
erstellt am 24.Okt.2017 | 05:20 Uhr

„Wir stehen jetzt vor dem Scherbenhaufen“, sagt Ralf Westphal bedrückt. „Über die Saison kriegen wir einfach keine Mannschaft mehr an den Start.“ Der Vereinsvorsitzende vom Team Sylt sah daher keine andere Möglichkeit, als die erste Herrenmannschaft vom Spielbetrieb abzumelden. Aus einem einfachen Grund: Es gibt nicht genug Spieler.

In den vergangenen Jahren habe sich dieser Schritt bereits immer mal wieder abgezeichnet, erklärt Westphal. 2014 war der Kader noch 26 Mann stark – in der aktuellen Spielsaison der Kreisliga Nordwest, die seit August läuft, sind es nur noch 16. „Wir haben bisher acht Spiele gespielt, mussten aber zwischendrin zwei Spiele absagen, weil wir nicht genug Leute hatten“, berichtet Westphal. Zu einigen der Matches sei die Mannschaft mit genau elf Fußballern angetreten. Der zwölfte Mann, also der einzige Einwechselspieler, war dann Trainer Siggi Engel, der bereits 49 Jahre alt ist. „Und das ist keine Basis“, klagt Ralf Westphal, „man braucht für einen ordentlichen Spielbetrieb einen Kader von 22 bis 25 Leuten. Auf Sylt sind an einem Wochenende in der Hochsaison ja schon ruck zuck zehn Leute belegt.“

Die Gründe für das Mannschafts-Aus seien vielschichtig, sagt er. Zum einen sei da der demografische Wandel auf Sylt. „Die Insel überaltert immer mehr und die jungen Leute gehen in Scharen weg.“ Westphal schätzt, dass etwa 70 Prozent aller Sylter Schüler ihr Abitur machen. „Danach suchen sie ihre beruflichen Perspektiven erstmal woanders und nicht auf der Insel.“ Und das treffe enorm die Vereine: „Viele junge Leute, die wir mit unserer guten Jugendarbeit heranziehen, gehen uns verloren, weil sie die Insel verlassen. Aber das kann ihnen natürlich auch niemand verübeln“, betont Westphal und erklärt das Vereins-Dilemma: „Wir können jede Jugend-Spielklasse mit mindestens einer Mannschaft besetzen. Trotzdem waren wir vor zwei Jahren nicht in der Lage, aus der B-Mädchen-Mannschaft eine Frauenmannschaft zu bilden, weil nach dem Abitur fünf Mädchen gleichzeitig zum Studium aufs Festland gezogen sind.“ Ähnlich sei das bei den Männern: „Wir können keine Jungs aus der A-Jugend in den Männerbereich bringen, weil auch die in der großen Anzahl von der Insel gehen.“ Das werde in den nächsten Jahren sicherlich nicht besser, glaubt Westphal, „und diesen Umständen muss man Folge leisten.“

Neben dem Wegzug von der Insel habe auch die berufliche Belastung der Spieler zum Mannschafts-Aus geführt. „Wir haben viele Leute im Dienstleistungsgewerbe, die sind an den Wochenenden in der Hochsaison, wenn die Spiele sind, oft nicht abkömmlich“, weiß Westphal. Zudem sei die erste Herrenmannschaft in diesem Jahr vom Verletzungspech verfolgt: Als das Team im vergangenen Sommer die Mannschaft für den Spielbetrieb angemeldet hat, waren die Sylter noch voller Hoffnung, dass sie dieses Jahr eine erste und eine zweite Mannschaft gut durch die Spiele kriegen. „Am ersten Spieltag haben sich dann innerhalb der ersten halben Stunde drei Spieler schwer verletzt. Ein Muskelbündelriss und zwei Knieverletzungen. Die sind bis heute nicht wieder da“, sagt Westphal.

Viele der Fußballer der ersten Herrenmannschaft seien außerdem bereits über 30 Jahre alt. „Im Fußball ist zwischen 30 und 34 meistens Schluss. Zumal die 30-Jährigen bei uns auch andere Prioritäten setzen, als den Sport“, sagt er. In den vergangenen fünf Jahren hätten mehrere Spieler geheiratet und in fünf Familien gab es Nachwuchs. „Bei denen liegt der Fokus natürlich jetzt woanders“, so Westphal. Außerdem sei der Spaßfaktor nur noch gering, wenn beim Training, das zwei Mal in der Woche stattfand, nur acht bis neun Mann sind. „So kann man nur schlecht trainieren und am Wochenende gibt es keine ordentlich trainierte Mannschaft, die ein gutes Spiel abliefern kann.“

Auch wenn Ralf Westphal davon ausgeht, dass es nicht nur dem Team Sylt, sondern auch anderen Fußball-Vereinen so geht – ihm ist keine Mannschaft in der Kreisliga Nordwest bekannt, in der die Probleme so massiv sind, wie bei den Syltern. Dennoch: Der Trend sei überall gleich. „Es gibt so viele Möglichkeiten der Freizeitgestaltung. Viele gehen einfach lieber ins Fitnessstudio – dort können sie kommen und gehen wann sie wollen und haben keine Verantwortung zu tragen“, sagt Westphal. Außerdem bringe es die Individualisierung mit sich, dass nicht mehr so viele Menschen in sozialen Gemeinschaften sein wollen, glaubt er.

Die Entscheidung, die Mannschaft aufzulösen, sei ihm und seinen Vereinskollegen nicht leicht gefallen. „Wir haben aber keine andere Chance mehr gesehen.“ Die Spieler seien in den Beschluss mit einbezogen gewesen und der harte Kern der Mannschaft möchte sich auch weiterhin einmal die Woche zum Training treffen. Außerdem stünden sie auch immer für die zweite Herrenmannschaft bereit, die in der niedrigsten Kreisklasse spielt. Und genau hier liegt womöglich sogar die letzte Chance für die Spieler der ersten Mannschaft, glaubt Westphal: „Vielleicht können wir im nächsten Jahr gemeinsam aus erster und zweiter Mannschaft eine Herrenmannschaft bilden – in welcher Klasse auch immer. Aber mehr wird in Zukunft nicht drin sein.“

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