Hörnumer Seifenoper : Man könnte heulen

Michael Stitz
Michael Stitz

Ein Kommentar von Michael Stitz, Chefredakteur der Sylter Rundschau

shz.de von
02. Februar 2017, 10:41 Uhr

„Wie soll ich darüber bloß seriös berichten?“, fragte mich ein Kollege nach der Gemeindevertretersitzung vergangenen Dienstagabend in Hörnum. Da lagen gut 70 Minuten hinter uns, die wie eine Gerichtsshow im Nachmittagsprogramm eines Privatsenders rüberkamen. Bar jeder Bereitschaft zur Verständigung, ohne die Fähigkeit zum Dialog, dafür aggressiv und enthemmt. Hier ging es nicht um Politik oder gar um gemeinsame Ziele, um die notwendige Weiterentwicklung eines attraktiven Inseldorfes. Hier ging es um Schlagabtausch und Rechthaberei. Scheußlich, giftig, lähmend.

Manchem scheinen solche Kämpfe und Konflikte zu gefallen. So wie dem NDR, der offensichtlich von einigen Hörnumern ins Dorf geholt wurde, um die hiesigen Streitereien als unterhaltsames Sendefutter unters Fernsehvolk zu bringen. Toll!

Nur nicht für Hörnum und schon gar nicht für Sylt. Aber für den Sender, denn der hatte bereitwillige Akteure, die sich zwar wenig vorteilhaft, aber emotional bewegt vor der Kamera über die miesen, ja angeblich korrupten Verhältnisse rund um den Bürgermeister, seine Familie und seine Verwaltung äußern durften. Beste Werbung für einen Ort, der vom Tourismus lebt und für eine Insel, die viel dafür tut, dass Gäste glauben dürfen, hier herrsche Anstand, Niveau und Eintracht.

Wahrscheinlich werden Marketingexperten bald empfehlen, Hörnum als nicht zu Sylt gehörig zu bezeichnen – bis man im Inselsüden erkannt hat, dass man sich nicht lieben, ja nicht mal einer Meinung sein muss, um miteinander friedvoll auszukommen. Es braucht nur Respekt vor einander. Denn Starrsinn, Verdächtigungen und Beschimpfungen produzieren das Gift, das in alle Ritzen kriecht und über Jahre seine tödliche Wirkung entfaltet.

Damit stirbt dann jedes ehrenamtliche Engagement, jede Vision, ja sogar die schlichte Freude an der spektakulären Schönheit, die ein Inseldorf wie Hörnum zu dem macht, was es ist: Ein Gottesgeschenk! Jeder, der dafür Verantwortung trägt, muss sich fragen, was er mit seiner Rede, seinem Tun und seinen Absichten anrichtet. Denn wer richtet, entscheidet über mehr als nur über die eigene Befindlichkeit.

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