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Reportage : Mal sehen, wo die Miesmuscheln herkommen

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Mit ihrer neuen Muschel-Tour wollen die Adler-Schiffe über Herkunft und Aufzucht der Sylter Miesmuscheln informieren. Die Sylter Rundschau hat die Premieren-Fahrt begleitet.

shz.de von
erstellt am 22.Sep.2013 | 18:43 Uhr

Mit einem großen Korb voller Miesmuscheln gehen die Muschelfischer Adrian Leuschel und André de Leeuw an Bord der „Adler VI“. Damit ist die Hauptattraktion eingetroffen und das Schiff kann ablegen. Die Meeresfrüchte stehen im Mittelpunkt der neuen Miesmuschel-Tour der Adler-Reederei. „Wir wollten das Informative mit dem Kulinarischen verbinden“, erklärt Pressesprecherin Juliane Peter, während das Ausflugsschiff den Hörnumer Hafen verlässt. „Deshalb vermitteln wir nicht nur Fakten, sondern bieten die Muscheln auch zur Verkostung an.“

Offenbar sind viele Leute daran interessiert, wo die Muscheln auf dem Teller eigentlich her kommen. Mit 73 Gästen an Bord ist die Tour ausgebucht. Die meisten sitzen auf dem oberen Deck und genießen die Sonne, die sich rechtzeitig zum Tourbeginn hinter den Wolken hervorgewagt hat. Dort stellt auch Ute Pausch ihr Wasserbassin ab. Sie ist für den informativen Teil der Tour zuständig und hat dafür extra einige Seesterne, Krabben und junge Muscheln mitgebracht.

Schon bald sind auf dem Wasser lange, schwarze Rohre zu erkennen, die mit gelben Bojen an Ort und Stelle gehalten werden. „Das sind die Smartfarms, die dazu dienen, Saatmuscheln zu gewinnen“, erklärt Ute Pausch den Gästen. Unsichtbar unter der Wasseroberfläche hängen 121 Meter lang und 113 Meter breit Netze im Wattenmeer. Die jungen Muschellarven sollen sich hier im Frühsommer festsetzen und innerhalb weniger Monate zu Muscheln heranreifen. „Am Anfang sieht man noch nichts – die Larven sehen aus wie Schlick“, erklärt Muschelfischer Adrian Leuschel. „Aber jetzt, im September, sind die Netze schon so schwer mit Muscheln behängt, dass die Rohre von dem Gewicht fast nach unten gezogen werden.“

Nun ist der richtige Zeitpunkt, um die Muscheln mit großen Bürsten, die unter den Schiffen der Muschelfischer befestigt sind, von den Netzen abzunehmen und auf die künstlich angelegten Muschelbänke zu bringen. Dort reifen sie weitere zwei Jahre, bis sie abgeerntet werden können. Der große Vorteil der Smartfarms: Dort sind die jungen Muschellarven sicher vor Fressfeinden. „Wenn sich die Larven am Boden festsetzen, werden 99,9 Prozent von Seesternen und Strandkrabben gefressen“, erzählt Ute Pausch. Ideal wäre es natürlich, wenn die Muscheln ihr ganzes Leben lang auf den Smartfarms bleiben könnten, „aber das würde zu lange dauern.“ Denn: Muscheln brauchen zum Wachsen eine gute Planktonversorgung, die in der Regel dort gegeben ist, wo viel Strömung ist. Smartfarms aber können nur dort angelegt werden, wo es wenig Strömung gibt.

Interessiert verfolgt wurde der Vortrag zum Thema Muschelanbau nicht nur von den Gästen, sondern auch von den Muschelfischern selber. „Wir haben von der Tour erfahren und wollten mal hören, ob die Informationen sachlich vorgetragen werden, oder ideologisch gefärbt sind“, sagt Peter Ewaldsen, Vorsitzender der Muschel-Erzeugerorganisation in Schleswig-Holstein. Schon seit Jahren gibt es Streit zwischen Naturschützern und Muschelfischern, bei dem es für die Fischer um ihre Existenz geht. Denn die Naturschützer wollen einen Nationalpark Wattenmeer, in dem eine wirtschaftliche Nutzung komplett verboten wird.

Mit dem Vortrag von Ute Pausch ist Ewaldsen sehr zufrieden. „Sie hat das hervorragend gemacht. Und wir finden es toll, dass den Gästen die Muschelfischerei näher gebracht wird.“ Wirtschaftlich allerdings hat der Insel-Verkauf eine sehr geringe Bedeutung für die Muschel-Fischer. Nur zwei bis drei Tonnen von jährlich rund 10 000 Tonnen Miesmuscheln bleiben auf der Insel. Der Rest geht zu den großen Fischmärkten in den Niederlanden.

Für die Gäste auf der „Adler VI“ allerdings gibt es ganz frisch geerntete Muscheln zum Probieren. Ganz schnell bilden sich lange Schlangen am unteren Deck vor dem elektrischen Kochtopf, in den die Crewmitglieder bereits die erste Ladung Muscheln gegeben haben. Insgesamt 40 Kilogramm der Meeresfrüchte sollen an diesem Tag von den 73 Gästen verspeist werden. Für den Muschelliebhaber Lothar Deutz aus Wuppertal kein Problem – er hat sich schon seine zweite Portion geholt. „Man schmeckt schon, dass die Muscheln ganz frisch sind“, erklärt er, während er mit den Fingern das Fleisch aus der Schale pult. „Ich bin mitgefahren, weil ich einmal sehen wollte, wie die Muscheln gewonnen werden. Als Städter kriegt man das ja normalerweise nicht mit.“ Auch Ursula und Frank Pawlik aus Düsseldorf interessieren sich vor allem für die Muschel-Produktion. „Diese Tour gefällt uns ausgezeichnet“, erzählen sie. „Wenn man Lebensmittel zu sich nimmt, weiß man ja selten, wo sie wirklich herkommen. Jetzt, wo wir das bei den Sylter Miesmuscheln kennen, essen wir sie bewusster und können auch die Arbeit, die dahinter steckt, besser wertschätzen.“

Sven Paulsen, Geschäftsführer der Reederei Adler-Schiffe, und seine Pressesprecherin Juliane Peters sind sehr zufrieden mit der ersten Muscheltour. Wenn alles gut läuft, wollen sie neben den drei bereits geplanten Touren im September noch weitere Touren im Oktober anbieten. „Im März starten wir dann noch einmal eine neue Testreihe und wenn die Miesmuschel-Tour gut angenommen wird, nehmen wir sie fest in unser Programm auf“, so Peters. Das I-Tüpfelchen war für die beiden dann noch eine großzügige Geste der Muschelfischer. „Wir werden Ihnen die Muscheln für die Touren schenken“, versprach Adrian Leuschel. „Wir sind sehr überzeugt vom Konzept dieser Tour, das wollen wir unterstützen.“

 

Die eineinhalbstündige Miesmuscheltour findet mittwochs – am 25. September, 2. Oktober und 9. Oktober – statt, Start ist um 12 Uhr vom Hörnumer Hafen aus, die Teilnahme kostet 17 Euro für Erwachsene und 13,50 Euro für Kinder (eine Portion Miesmuscheln pro Person inklusive).

 

Karten gibt es unter Tel. 0 18 05/12 33 44 oder www.adler-schiffe.de.

 

 

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