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Immobilienwirtschaft auf Sylt : Makler kritisieren Immobilienatlas der LBS

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Veraltete Zahlen führen zu unrealistischer Beurteilung. Seit Jahren fehlen Statistiken der Bodenrichtwerte

von
erstellt am 08.Okt.2015 | 05:30 Uhr

Die Insel wäre zwar noch immer der teuerste Standort im Norden, mittlerweile sei dort jedoch eine Preisstagnation oder teilweise sogar ein Rückgang der Häuser- und Grundstückspreise festzustellen. So lautet eine der Kernaussagen des gestern veröffentlichten Immobilienmarktatlas Schleswig-Holstein 2015 der LBS (wir berichteten).

Diese Einschätzung der Landesbausparkasse stößt jetzt auf scharfe Kritik der Sylter Immobilienmakler. „Es besteht keinerlei Anlass, schlecht über den Immobilienmarkt auf Sylt zu sprechen“, sagt zum Beispiel Ole König. „Die Preise sind definitiv nicht gesunken.“ Vielmehr sei jetzt eine Normalisierung eingetreten – alles habe sich auf einem realistischen Niveau eingepegelt, so der Juniorchef von König Immobilien Sylt. „Schlechte Lagen und schlechte Objekte sind leicht rückgängig, gute Lagen dagegen steigen leicht an. Ich halte das für eine ganz normale Entwicklung. Wir haben nach wie vor einen gesunden Markt hier auf der Insel.“

König kritisiert insbesondere die Herangehensweise bei der Erstellung des LBS-Immobilienmarktatlas: „Ich finde das nicht gut. Da werden offensichtlich nur Angebote aus dem Computer oder aus dem Internet herangezogen“, so der Sylter Immobilienmakler, „es gibt jedoch deutliche Unterschiede zwischen den veröffentlichten Angebotspreisen und den tatsächlichen Abschlusspreisen.“ Den Hauptgrund dafür, dass es keine belastbaren aktuellen Zahlen gebe, sieht Ole König darin, dass die Arbeit des Gutachterausschusses für Nordfriesland seit drei bis vier Jahren „quasi komplett am Boden liegt.“ Früher habe das Bauamt des Kreises alle Kaufverträge der Insel zur Ermittlung der Bodenrichtwerte erhalten. Aus Personalmangel finde diese wichtige Arbeit jedoch nicht mehr statt. „Die Folge: Es wird mit völlig veralteten Zahlen gearbeitet, es gibt überhaupt kein realistisches Bild der Preise, die aktuell für Immobilien auf Sylt gezahlt werden“, so König. „Das ist nicht nur negativ für die Statistiken, es fehlen dadurch auch die Bodenrichtwerte, die zum Beispiel in Erbfällen sehr wichtig sind.“

Auch Peter Peters bestätigt, dass die Immobilienpreise der Insel auf hohem Niveau sehr stabil seien. Vor allem attraktive Lagen an den See- und Wattseiten sowie im Westerländer Innenstadtbereich erfreuten sich nach wie vor großer Nachfrage. Wie sein Kollege Ole König kritisiert der Wenningstedter Immobilienkaufmann die seit Jahren fehlende Datenbasis des Gutachterausschusses: „Wir machen das deshalb selbst und kommen zu ganz anderen, weil realistischeren Ergebnissen.“

Als grundlegend falsch erachtet Peters insbesondere die pauschale Einschätzung von Sylt-Ost, die auf völlig veralteten Zahlen von 2012 beruhen: „Man muss das gerade in Keitum, aber auch in Morsum viel differenzierter betrachten. Nicht nur Ortsteil für Ortsteil beurteilen, sondern sogar Straßenzug für Straßenzug.“ Insgesamt müsse der Sylter Markt kleinteiliger bewertet werden, fordert Makler Peter Peters. „Die Herangehensweise der Macher des Immobilienmarktatlas geht gar nicht. Das ist teilweise schon unsachlich.“

Das von der LBS für List gemeldete Minus von 20 Prozent kann Peter Peters nicht bestätigen. Grundsätzlich müsse man überzogenen Fantasievorstellungen einzelner Verkäufer immer eine Absage erteilen, aber „List befindet sich definitiv nicht auf dem absteigenden Ast. Ganz im Gegenteil: Bauprojekte wie das Medicalspa der Lanserhof GmbH oder die Neugestaltung der Ortsmitte machen den nördlichsten Inselort für Immobilienkäufer deutlich attraktiver. Ähnliches gilt für Wenningstedt durch den Neubau des Hauses am Kliff.“

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