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Abschied von Sylt : „Macht was draus! Es ist Euer Ding“

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Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Gestern verabschiedeten bei Weitem nicht nur die Morsumer ihren Pastor Ekkehard Schulz.

„Der Chef muss doch ein Morsumer sein!“ Mit diesem seiner Kirchengemeinde wohl vertrauten Satz begann Pastor Ekkehard Schulz seinen Abschiedsgottesdienst im Rahmen des Stiftungsfestes, das gestern bei strahlendem Sonnenschein im Morsumer Pastoratsgarten stattfand.

Dass der beachtliche Ausmaße hat, war dringend notwendig, denn hunderte von Menschen wollten ihrem „Ekki“ und seiner Familie Aufwiedersehen sagen. Nach 21 Jahren ziehen die Schulz von Sylt nach Flensburg, um dort in Fruerlund ein neues Zuhause, eine neue Aufgabe und damit eine neue Gemeinde zu finden.

Die Umarmungen schienen kein Ende zu nehmen. Hunderte Gäste waren gekommen, um sich von Pastor Schulz nach 21 Jahren zu verabschieden.
Die Umarmungen schienen kein Ende zu nehmen. Hunderte Gäste waren gekommen, um sich von Pastor Schulz nach 21 Jahren zu verabschieden. Foto: Wiebke Stitz (3)

Wie sehr „Ekki“ in seiner Zeit auf Sylt nicht nur vom Berufsanfänger zum gestandenen Seelsorger, sondern auch zum echten Morsumer geworden ist, zeigten vor allem die immer wieder von ihm spontan eingebauten Anekdoten während seiner Predigt, bei der er das ein oder andere seiner Schäfchen zum Amüsement der Zuhörer direkt mit Namen ansprach und so immer wieder für einen Lacher sorgte.

Viele brauchten genau dieses Lachen, denn in zahlreichen Gesichtern waren rotgeränderte Augen zu sehen und verstohlen wurden immer wieder Taschentücher gezückt. Auch Pastor Schulz musste das ein oder andere Mail tief durchatmen, bevor er mit seinem Gottesdienst fortfahren konnte. Vor allem die große Gästeschar rührte den Pastor sichtlich: „Ich hätte jetzt gerne eine Schulterkamera, um Euch zu zeigen, was ich sehe“, sagte er von seiner Gartenkanzel aus und meinte dabei nicht nur die vielen Morsumer, sondern auch zahlreiche Insulaner aus anderen Orten.

Seine Abschiedsworte nutze der stets engagierte und manchmal auch streitbare Pastor Schulz für ein großes Dankeschön an seine Gemeinde. Besonders am Herzen lag ihm dabei deutlich zu machen, was die Morsumer sich durch ihren Zusammenhalt im Dorf und das aktive Gemeindeleben selbst erarbeitet hätten. Unabhängig von ihm müsse und solle das Leben in dieser Gemeinschaft unbedingt weitergehen: „Macht ´ was draus! Es ist nie eine Einzeltat - es ist euer Ding, euer Leben, euer Dorf, das ihr hier gemeinsam gestaltet“ gab er den Morsumern eindringlich mit auf den Weg.

Post für den Pastor: Wer nicht selbst mit „Ekki“ sprechen konnte, durfte ihm einen Brief schreiben.
Post für den Pastor: Wer nicht selbst mit „Ekki“ sprechen konnte, durfte ihm einen Brief schreiben.

Der Beweis für die Vielfältigkeit des Morsumer Dorflebens folgte dann auch quasi auf dem Fusse. Eine bunte Schar von Gratulanten präsentierten sich: Die Martinskinder sangen zusammen mit allen Besuchern, dann dankte der Ortsbeirat und der Zusammenschluss der Vereine „13 in einem Boot“. Für den ergriff Maren Ehmke als Vorsitzende der Morsumer Kulturfreude das Wort. Danach wurde es weihnachtlich, denn die Gruppe des „Lebendigen Adventskalenders“ ließ es sich auch im Hochsommer nicht nehmen, „Lasst uns froh und munter sein“ anzustimmen.

Und wie wird es jetzt in Morsum ohne Pastor Schulz weitergehen? Der Umzugswagen steht bereits am Donnerstag bereit. Das Pastorat wird allerdings nicht lange leerstehen, denn am 1. September zieht Probst Kammholz aus Eckernförde hier ein, um bis zur endgültigen Neubesetzung der Stelle in Morsum die Schäfchen beisammen zu halten. Wann die Stelle endgültig neu besetzt sein wird, ist noch offen. Das erste Ausschreibungsverfahren hat zu keiner Bewerbung geführt. „Die wissen nicht, wie gut es hier ist, wie viel Potential diese Gemeinschaft hier bildet.“ kommentiert das Pastor Schulz. Sollten auch die nachfolgenden Ausschreibungen Bewerberlos bleiben, schaltet sich der Bischof ein.

„Oder dann kommt der Alte wieder!“ regte einer der Gäste zur allgemeinen Freude an. Das wird ganz sicher nicht der Fall sein, auch, wenn seine Gemeinde Pastor Schulz mit ausdauernden Standing Ovations verabschiedete.

 

 

 

 

 

 

 

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erstellt am 14.Aug.2017 | 04:43 Uhr

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