Fünf Jahre Sylt1 : „Lokales TV mit nationaler Bedeutung“

Fernsehmacher: Axel Link
Fernsehmacher: Axel Link

Vor fünf Jahren ging der erste Sylter Fernsehsender, Sylt1, an den Start. Wie er sich entwickelt hat, erzählt Gründer und Eigner Axel Link im Interview.

shz.de von
29. Juni 2018, 05:50 Uhr

Herr Link, Sylt scheint voller Bilder und Geschichten zu sein. Ist es ein Leichtes, auf Sylt Fernsehen zu machen?

Ja und Nein. Einerseits sind die Wege sehr kurz und es gibt eine Menge Motive die schöne Bilder  – und Fernsehen lebt von prallen Bildern  –  möglich machen. Im Grunde können wir die Erwartungshaltung vieler Zuschauer manchmal schon damit erfüllen, dass wir die unvergleichliche Landschaft zeigen, und Meeresrauschen und Möwengeschrei einspielen. Das ist für viele Syltfans schon das pure Glück. Das alleine trägt aber noch keinen TV-Sender. Im Vergleich zu anderen Gemeinden gleicher Größenordnung passiert auf Sylt auch schon eine ganze Menge, im Vergleich zu Hamburg aber wiederum sehr wenig.

Welches sind denn die größten Herausforderungen für einen Fernsehmacher auf Sylt?

Die Kunst ist es die richtige Balance zu finden. Wir senden sowohl für Syltliebhaber aus ganz Deutschland, als auch für „echte“ Sylter. Und beide Zielgruppen wollen wir zufrieden stellen. Die einen wollen pralle Bilder und Prominentengeflüster und die anderen stöhnen innerlich auf, wenn die touristischen Standards bedient werden. Auf der einen Seite Provinz auf der anderen Seite „große, weite Welt“. Wir sind eben der einzige Lokalsender Deutschlands mit einer nationalen Bedeutung. Manchmal Fluch und Segen zugleich. Aber für uns sicher mehr „Segen“.

Sylt1kann man fast bundesweit über Kabel empfangen. In welchen Städten und Bundesländern wird es besonders viel gesehen?

Wir haben Zuschauer aus der ganzen Welt, weil Sylt1ja auch via Livestream zu sehen ist. Stolz sind wir auch auf unsere starke Präsenz in den sozialen Medien. Immerhin Folgen uns über Facebook zum Beispiel rund 85000 Freunde, die begierig wissen wollen, was auf ihrer Lieblingsinsel passiert. Da sind wir, im Vergleich zu anderen Regionalsendern, sehr weit verbreitet.  Hier sind unsere Fans über ganz Deutschland verteilt und der Schwerpunkt kommt tatsächlich aus NRW. Im klassischen Kabelfernsehen sind wir aber nur in Hamburg und Schleswig-Holstein  zu sehen. Hier kommen rund 45 Prozent unserer Zuschauer aus Hamburg und der Rest aus Schleswig-Holstein.

Immer gut drauf: Das Sylt1-Team. „Wir sitzen aber nicht nur am Strand“...
Foto: Sylt1
Immer gut drauf: Das Sylt1-Team. „Wir sitzen aber nicht nur am Strand“...

Als Sie vor fünf Jahren mit Sylt1starteten, wünschten Sie sich, dass Ihr Sender in allen Appartements und Hotelzimmern der Insel automatisch eingestellt sei. Hat meines Wissens nicht ganz geklappt. Schlimm oder egal?

Egal ist uns das natürlich nicht. Wir würden gerne allen Besuchern der Insel auch Sylt1 zur Verfügung stellen. Dafür brauchen wir aber die Vermieter und Hotelliers. Nur die können dafür sorgen, dass unser Programm auch von den Gästen gesehen werden kann. Ein Hürde war und ist für uns, dass Sylt1nur digital und nicht analog im Kabel verbreitet wird. Da spielt uns jetzt der Fortschritt aber in die Hände. Vodafone-Kabel-Deutschland wird bis zum Ende des Jahres komplett digitalisieren und das analoge Kabel abschalten. Dann sind wir zumindest in jedem Kabelhaushalt zu empfangen. Das wird uns noch einmal einen ordentlichen Schub für die Einschaltquote bescheren.

Wie sehr hat sich der Sender denn bei den Syltern und ihren Gästen etabliert? Haben Sie da messbare Zahlen oder sind es eher spontane Reaktionen, die Ihnen zeigen wie beliebt der Sender ist?

Seit gut einem Jahr können wir unsere Einschaltquote über ein sogenanntes Hbbtv-Signal messen.. Über ein zertifiziertes und anonymes Verfahren erhalten wir von Smart-TVs einen Impuls, wenn unser Programm eingeschaltet wird. Dies ist ein neues Verfahren, welches auch alle großen TV-Sender nutzen, vergleichbar etwa mit Google-Analytics. Demnach sehen uns pro Tag etwa 35000 Zuschauer, im Monat etwa  eine Million Menschen. Hinzu kommen die Zuschauer über das Internet und die Kontakte unserer Facebook-Freunde. Insgesamt haben wir da schon eine sehr gute Wahrnehmung. Tendenz stetig steigend.

Hat Sylt eigentlich einen eigenen TV-Sender verdient oder sogar nötig?

Na verdient haben es die Sylter und ihre Gäste allemal. Sylt produziert schöne Momente und die tollen Gastgeber gute Gefühle bei Ihren Gästen. Das lässt sich mit dem Medium Fernsehen sehr gut transportieren. Ob Sylt das nötig hat? Hat Sylt Facebook nötig? Whats App? Twitter? Netflix?  Die Schönheit von Sylt hat Menschen schon weit vor den „neuen Medien“ begeistert. Da nehmen wir uns jetzt nicht so wichtig. Die legendären Geschichten ließen sich bei einem guten Glas Wein auch am Lagerfeuer erzählen. Wird aber immer seltener gemacht. Fernsehen und „bewegtes“ Bild sind eben das moderne Lagerfeuer und wir bieten da gerne Bilder  und Geschichten an, für alle die meinen, dass sie das brauchen. Nötig haben wir Respekt vor anderen Menschen und einen achtsamen Umgang mit uns selbst und anderen. Wenn wir etwas durch schöne Bilder und Geschichten beitragen können, sind wir schon zufrieden.

Wenn Sie fünf Jahre weiter denken – wo steht dann Sylt1? Oder besser, was wünschen Sie, wo es stehen sollte?

In fünf Jahre möchte ich die Einschaltquote gerne mindestens verdoppelt haben. Wir denken darüber nach, unser Sendesignal auch via Satellit zu verbreiten. Rund 45 Prozent  der deutschen Haushalte schaut Fernsehen ja über Satellit. Auch das würde unsere Quote ordentlich pushen. Und natürlich müssen wir auch die allgemeine technische Entwicklung genau beobachten und in moderne Verbreitungswege investieren. In den sozialen Medien sind wir schon sehr stark und das „bewegte“ Bild wird in Zukunft sicher weiter an Akzeptanz gewinnen. Schon heute neigen jüngere Zielgruppen ja dazu nicht mehr zu lesen und nur noch zu schauen. Die Zukunft wird auch sicher Kooperationsmodellen gehören, So arbeiten wir  seit einem Jahr sehr erfolgreich mit dem neuen deutschen Gesundheitssender „health tv“ zusammen. Wir produzieren Content von der Insel also auch für andere Sender und Plattformen. Auch da  sind wir unique. Wir sind nun einmal der einzige TV-Sender auf Deutschlands beliebtester Insel – und das ist auch gut so.

Was müssen Sie und Ihr Team dafür tun und was könnten die Sylter dafür tun, dass Sie Ihre Ziele erreichen?

Wir müssen starke Bilder produzieren und aufmerksam zuhören, was unsere Zielgruppe wirklich sehen will. Von den Syltern wünschen wir uns, dass Sylt1 für jeden Gast zumindest zugänglich gemacht wird. Ob die Gäste das dann auch sehen wollen, liegt ja wiederum an unserer Programmgestaltung.

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