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Privathotels auf Sylt : Literaturwochenende: „Das wird noch richtig Kult“

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Erstes Literaturwochenende der Sylter Privathotels für Autoren und Veranstalter war ein voller Erfolg.

shz.de von
erstellt am 25.Nov.2014 | 10:00 Uhr

Für Elke Heidenreich war „es ein Experiment“, für Rolf Brönnimann „ein riesen Erfolg“. Die Schriftstellerin und der Hoteldirektor des Budersand (einer der Gastgeber des Kulturevents) stehen damit nicht im Widerspruch, sondern im Einklang mit ihrem Resümee für das 1. Literaturwochenende der Privathotels Sylt (Budersand, Landhaus Stricker, Rungholt, Benen-Diken-Hof und Fährhaus Sylt).

Es war ein Experiment, weil niemand wusste, ob es Ende November noch Menschen auf die Insel zieht, selbst wenn man ihnen Lesungen mit einer Riege von ebenso populären wie hochkarätigen Schriftstellern präsentiert, und weil niemand wusste, ob die Literaten ein gemeinsames Sylt-Wochenende ertragen würden. Doch „ich glaube, wir waren glücklich und liebevoll miteinander“, stellte Elke Heidenreich bei der gestrigen abschließenden Podiumsdiskussion des literarischen Wochenendes im Hotel Budersand fest und bekam dafür einhellige Zustimmung von Erika Pluhar, Benjamin Lebert, Alain Claude Sulzer und Hubertus Meyer-Burckhardt.

Die genannten Autorinnen und Autoren hatten im Fährhaus Sylt, im Benen-Diken-Hof und im Budersand vom Donnerstag der vergangenen Woche bis gestern früh Matinees, Lesungen und Diskussionen mit Insulaner und Gästen erlebt, konnten bei Speis und Trank mit ihnen ins Gespräch kommen. Die Nachfrage war „überwältigend, viele Lesungen gerade in Kombination mit Frühstück oder Menü waren schnell ausgebucht“, freut sich Christian Matthiesen von der Marketingabteilung der Privathotels. Erstaunlich und erfreulich fand man dort, „dass auch viele extra aus Österreich, der Schweiz und dem gesamten Bundesgebiet dies Wochenende zum Anlass genommen haben, nach Sylt zu reisen“.

„Wie war es denn für euch, im Hotel zu lesen?“, wollte Elke Heidenreich von Erika Pluhar und ihren männlichen Autorenkollegen wissen. Die Antwort bezog sich dann weniger auf die Situation Hotel, sondern auf den Unterschied, auf einer großen oder kleinen Bühne zu stehen beziehungsweise zu sitzen und zu lesen. „Ich mag es nur dann, wenn ich den Menschen in die Augen schauen kann“, gestand Erika Pluhar, die als ausgebildete Schauspielerin heute nicht mehr auf die Bühne gehen würde, um zu spielen. Authentisch sein zu dürfen, eigene Widersprüche, Verletzungen und Bedürfnisse zu gestehen, das ist es, was die Autoren des Sylter Literaturwochenendes sich von Lesungen und Diskussionen mit Lesern erwarten. Je intimer der Rahmen, desto größer die Chance, dass sich ein Dialog entwickelt, dass man „den Menschen in die Augen schauen kann“.

Wie unterschiedlich und doch gleichermaßen empfindsam die Literaten auf ihre Umwelt reagieren, was ihnen das Schreiben, Vorlesen und der unmittelbare Kontakt zum Leser bedeutet, wollte Elke Heidenreich bei der gestrigen Podiumsdiskussion ihren Schriftstellerkollegen entlocken. Ihre charmante Direktheit in Kombination mit ihrem geradezu lexikalischen Wissen um Bücher und Autoren, ihrem schnellen Witz und ihrer hohen Sensibilität und Klugheit machten das Zuhören zu einem rasanten Fahrt durch die Gefühlswelt. Die Liebe, das Alter, das Scheitern und die Freude, aber auch Narzissmus und Eitelkeit, die Herausforderung, als Schriftsteller zu überleben - alles war in dieser knappen Stunde des gestrigen Morgens ein Thema. Nur angerissen und doch berührend - aber ein eigentlich zu kurz. - Wie dieser Text, in dem all die Gedanken und Bemerkungen der Podiumsteilnehmer keinen Platz finden können, die es verdient hätten, weil sie mal tief, mal komisch und häufig sehr menschlich waren.

Ein Trost, dass es genau in einem Jahr wieder ein Literaturwochenende der Privathotels Sylt geben wird. Auf jedenfall wieder mit der großartigen Elke Heidenreich, die sich nach diesem Wochenende schon sicher war, „das wird noch richtig Kult“ – und hoffentlich auch mit dem ebenfalls brillanten Rainer Moritz als Moderator, den nicht nur Rolf Brönnimann „sehr schätzen gelernt“ hat. Dass diese Kulturveranstaltung auch neue Bilder von Sylt entstehen ließ, machte Hubertus Meyer-Burckhardt klar, als er sich zu seinen Vorurteilen gegenüber der „etwas gelackten“ Insel bekannte: „Ich habe in diesen Tagen Sylt neu entdeckt“.


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