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Entscheidung im Inselnorden : Lister Wehrführer wirft hin

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Andreas Fließ verlässt Gemeindewehr wegen dauerhaftem Disput mit Bürgermeister Ronald Benck.

Wenn auf Sylt ein Wehrführer sein Amt niederlegt, geschieht dies üblicherweise aus gesundheitlichen oder altersbedingten Gründen. Anders ist der Fall gelagert, wenn Lists Wehrführer Andreas Fließ seinen Posten zum 31. März abgibt und dann zugleich die Wehr verlässt: Ein dauerhafter Disput mit Lists Bürgermeister Ronald Benck hat Fließ zu dieser Entscheidung bewogen.

„In der Vergangenheit ist zu viel Unerfreuliches passiert“, erklärte Fließ im Gespräch mit unserer Zeitung. Einer der Konfliktpunkte ist das neue Feuerwehr-Gerätehaus, das 2017 bezogen werden soll. „Natürlich freut sich die Wehr über das neue Domizil, doch einiges ist im Argen“, so der Wehrführer.

Moniert werde unter anderem die Zahl der benötigten Stellplätze, die Aufteilung der Räumlichkeiten sei der Wehr nur begrenzt möglich gewesen. Dass man bei der Feuerwehr intensiv geplant habe und dennoch nicht zu den Baubesprechungen eingeladen wurde, kann der Wehrführer nicht nachvollziehen.

Die Differenzen um das Gerätehaus sind indes nur ein Teil der Konflikte, die seit Monaten zwischen Wehrführer und Bürgermeister schwelen. „Es gibt dazu leider eine Reihe von Beispielen“, erklärt Fließ. So habe es mit Benck etwa einen Disput um eine zweckgebundene Spende für ein neues Feuerwehr-Fahrzeug gegeben.

Der Entwurf des Feuerwehr-Bedarfsplans, der durch den Kreiswehrführer geprüft wurde, liege der Gemeinde seit Mai 2016 vor und sei bis heute nicht verabschiedet worden. Ein Bohrbrunnen sei auf Anordnung von Ronald Benck versetzt worden, ohne den Wehrführer zu informieren. Und auch mit dem Vorschlag des Bürgermeisters, künftig nur noch zwei Einsatzfahrzeuge vorzuhalten, sei der Wehrvorstand nicht einverstanden: „Und das, obwohl der Ort immer weiter wächst.“

Mit dem Disput um die Sachthemen entfernten sich Wehrführer und Bürgermeister offenkundig immer weiter voneinander. Fließ: „Er entscheidet in Feuerwehr-Angelegenheiten, ohne meinen fachlichen Rat einzuholen.“ Auch ein Schreiben des Feuerwehr-Vorstands an die Gemeinde habe keine Veränderung erbracht.

In dem Schreiben konstatierten die Absender unter anderem: „Wir sind erschüttert darüber, wie das gute Verhältnis zwischen Gemeinde und Feuerwehr innerhalb nur eines Jahres auf einen solchen Tiefpunkt sinken konnte.“ Man erwarte von der Gemeindevertretung vielmehr ein klares Bekenntnis zur Feuerwehr.

Andreas Fließ, der die Lister Pflichtwehr seit 2008 leitet, zieht nun die Konsequenzen und tritt ab. „Ich bin ein geradliniger und engagierter Mensch. Aber ich halte meinen Kopf nicht für andere hin, wenn wichtige Entscheidungen von anderer Seite getroffen werden, die ich dann auch rechtlich vertreten muss.“

Harsche Kritikpunkte, die Ronald Benck sehr verwundern. Lists Bürgermeister zu den Vorwürfen: „In diversen Sitzungen und Gesprächen mit dem Kreisfeuerwehrverband und Vertretern des Vorstands der Lister Wehr – auch Herrn Fließ – haben wir uns auf ein Gerätehaus mit vier Toren analog der Hörnumer Feuerwache geeinigt. Die Aufteilung der Räumlichkeiten war in gewisser Weise begrenzt, da durch zu viele Verschiebungen von Wänden ansonsten eine ganz neue Statik erarbeitet hätte werden müssen. Es gab zudem zwei Baubesprechungen, an denen sehr wohl auch Vertreter der Wehr teilnahmen.“

Zu dem Spendendisput erläutert Benck: „Tatsache ist, dass die Anschaffung eines neuen Busses von Seiten des Kreisfeuerwehrverbandes als nicht zwingend erkannt wurde. Trotzdem konnte sich die Gemeindevertretung zu einem Kauf durchringen – unter der Prämisse, dass dieser gelegentlich auch für Ausflüge des Kindergartens und des Sportvereins zur Verfügung steht. In einem Gespräch erklärte mir der Spender, dass eben diese Regelung ganz in seinem Sinne sei.“

Dass der Feuerwehr-Bedarfsplan bis heute tatsächlich nicht verabschiedet worden sei, habe einen anderen Grund: „Der Kreisfeuerwehrverband konnte den Ausführungen von Herrn Fließ nicht in allen Punkten folgen und man kam überein, dass Herr Fließ den Plan noch einmal überarbeitet und dann erneut vorlegt. Dies ist bis zum heutigen Tag nicht geschehen.“

Mit Blick auf den Bohrbrunnen betont der Bürgermeister: „Proben ergaben, dass der Standort der praktikabelste war, da genügend Wasser in erreichbarer Bohrtiefe vorhanden ist. Zudem bietet der ausgewählte Standort den Einsatzkräften ausreichend Rangier- und Parkmöglichkeiten.“ Allen Querelen zum Trotz resümiert Ronald Benck: „Herr Fließ hat seinen Posten als Wehrführer geliebt und gelebt. Das rechnen wir ihm hoch an.“

Dem Ende einer Ära folgt der Beginn der nächsten: Am 1. April wird der stellvertretende Wehrführer Matthias Stahl den Posten von Andreas Fließ übernehmen. „Andreas hat eine schlagkräftige Wehr aufgebaut und das soll so bleiben, denn viele Aufgaben wie der Bezug des neuen Gerätehauses warten auf uns“, erläutert Stahl.

Erklärtes Ziel sei ebenso eine gute Zusammenarbeit zwischen Feuerwehr und Gemeinde. Um sich ganz auf das neue Amt konzentrieren zu können, will der designierte Wehrführer zudem sein Amt als CDU-Gemeindevertreter niederlegen.

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