Bangen im Inselnorden : List kämpft um seine Schwimmhalle

Generationen von Sylter Kindern haben in den letzten 50 Jahren in der Lister Halle das Schwimmen gelernt.
Generationen von Sylter Kindern haben in den letzten 50 Jahren in der Lister Halle das Schwimmen gelernt.

Nord-Gemeinde würde die Halle gerne vom NCS übernehmen und hofft jetzt auf die insulare Solidarität der Gemeinde Sylt.

Avatar_shz von
15. März 2014, 06:00 Uhr

Aus Sicht der Gemeinde List gibt es viele Gründe, die für einen Erhalt der ehemaligen Marine-Schwimmhalle für den Sylter Schwimmsport sprechen. Angefangen beim guten Zustand der 1938 erbauten Halle, über die vergleichsweise geringen Betriebskosten, bis hin zu den optimalen Bedingungen für Schwimmunterricht und Schwimmsport. Gründe, die bei der Entscheidung der Gemeinde Sylt für einen neuen Anbau an das Westerländer Freizeitbad Sylter Welle – und damit den Ausstieg aus der insularen Finanzierung der Lister Schwimmhalle – jedoch kaum eine Rolle gespielt haben. „In der Eile, in der die Entscheidung gefällt wurde, haben Sachargumente überhaupt keine Chance gehabt“, sagt Manfred Koch (SSW), 2. stellvertretender Bürgermeister in List und Initiator einer am Donnerstag verabschiedeten Resolution, von der sich die gesamte Gemeindevertretung zumindest die Chance erhofft, eine Lösung zum Erhalt der Halle zu finden.

Dafür appelliert List jetzt an die insulare Solidarität der Gemeinde Sylt, ohne deren finanzielle Beteiligung von rund 75 Prozent der jährlich knapp 200 000 Euro kostende Schwimmbetrieb nicht fortgeführt werden könnte. Verbunden mit dem Appell ist die Bitte, sich nach Ablauf des jetzigen Nutzungsvertrages weitere zwei Jahre an dem insularen Projekt zu beteiligen. Diese Zeit benötige man, um mit der NCS Besitzgesellschaft als Eigentümerin über eine Übertragung der gesamten Sportanlage (Schwimmhalle, Mehrzweckhalle, Sportplatz) zu verhandeln. Ungeachtet der nach wie vor völlig unklaren und zwischen NCS und Gemeinde strittigen Nutzung des übrigen Kasernengeländes können sich die Eigentümer offenbar vorstellen, das denkmalgeschützte Ensemble an die Gemeinde abzugeben. Eine Bestätigung dieser Einschätzung sowie Auskünfte über mögliche Konditionen war von den NCS-Verantwortlichen gestern nicht zu erhalten.

Enttäuscht ist man in List – wie auch bei den Vereinen, die die Halle zum Teil seit Jahrzehnten nutzen – vor allem darüber, dass es in der Diskussion über die Zukunft des Schwimmsportes ausschließlich um die zu große Entfernung von der Inselmitte sowie die wirtschaftlichen Interessen des Insel Sylt Tourismus-Services (ISTS) ging. „Dieses Bad hier ist ein echtes Juwel, in dem Generationen von Syltern schwimmen gelernt haben und Rettungsschwimmer ausgebildet wurden“, sagt Betriebsleiter Mathias Roßberg. Die Skepsis der Vereine angesichts des geplanten Salzwasserbeckens in Westerland ohne Nichtschwimmerbereich und mit touristischer Mitnutzung, verweist die Gemeinde in ihrer Resolution darauf, dass eine Rückkehr in ein einmal geschlossenes Lister Schwimmbad kaum möglich sei. „Wenn hier einmal das Wasser raus ist, ist das Bad Geschichte“, sind sich Roßberg und Koch sicher.

Wie sich die Gemeinde den Betrieb und die Finanzierung der Halle vorstellt, sollte es zu einer Übertragung kommen, ist allerdings noch völlig unklar. Koch: „Um dafür ein tragfähiges Konzept zu erarbeiten, brauchen wir genau die Zeit, die wir ohne die Hilfe der Gemeinde Sylt nicht haben.“ Für Bürgermeister Wolfgang Strenger geht es mit der Resolution auch noch um mehr als den Erhalt der Schwimmhalle, wie er am Donnerstag betonte: „Mit diesem Schreiben wollen wir auch testen, ob in Westerland überhaupt noch insulares Denken stattfindet oder ob es nur die enge Sicht auf die Inselmitte gibt.“

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen