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Libellen - ein Erfolgsmodell der Evolution

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Die oftmals prachtvollen Fluginsekten sind perfekte Räuber und mit bis zu 19 Zentimeter Spannweite wahre Riesen unter den Insekten

shz.de von
erstellt am 06.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Sylt | Manche Baupläne im Tierreich sind so gut, dass sie seit Millionen von Jahren kaum verändert werden mussten. Der Bauplan der Libellen gehört dazu. Sie haben schillernde Namen wie "Mosaikjungfer", "Smaragdlibelle", "Prachtlibelle", "Quelljungfer" und sind wahre Schmuckstücke der Natur. Sie sind aber auch perfekte Jäger und das sowohl als Larve im Wasser als auch als fertiges Fluginsekt.

Unter den Insekten sind sie die Riesen, mit bis zu 19 Zentimeter Flügelspannweite und dabei erstaunlichen Flugfähigkeiten. Die Libellenvorfahren des Karbon vor rund 300 Millionen Jahren waren mit bis zu 72 Zentimeter Flügelspannweite allerdings erheblich größer. Zu erklären ist dies mit dem damals deutlich höheren Sauerstoff-Gehalt der Luft, der die Atmung dieser großen Insekten erst ermöglichte. Mit Angst vor Krabbeltieren wäre man damals schlecht beraten gewesen, denn es war das Zeitalter der Riesen unter den Spinnentieren und Insekten.

Typisch für Libellen sind ihre zwei Flügelpaare, die sie nicht wie andere Insekten übereinander lagern können, da ihnen das notwendige Flügelgelenk fehlt. Der extrem bewegliche Kopf ist mit großen Facettenaugen und kräftig entwickelten Mundwerkzeugen ausgestattet. In Kombination mit den klauenbesetzten Fangbeinen und ihrem besonderen Flugvermögen sind Libellen perfekt für die Jagd in der Luft ausgestattet. Auch die im Wasser lebenden Larven sind gefährliche Räuber. Libellen verbringen - wie einige andere Insekten auch - den größten Teil ihres Lebens als Larve. Je nach Libellenart können bis zu fünf Jahre vergehen, bis das fertige Fluginsekt (Imago) nach mehreren Larvenstadien schlüpft. Diese Imagines leben nur noch etwa sechs bis acht Wochen, manche nur zwei Wochen und die Winterlibelle (eine Besonderheit) bringt es auf bis zu elf Monate - allerdings die Hälfte der Zeit in Winterstarre.

Mit dem Schlupf des Fluginsekts beginnt die letzte Lebensphase, die der Fortpflanzung. Jeder hat sicher schon einmal ein "Paarungsrad" beobachten können. Die Eiablage erfolgt meist in das Gewässer, wobei manche Arten sogar komplett eintauchen und für die Eiablage bis zu 90 Minuten unter Wasser bleiben. Die Nahrung besteht aus allen Insekten, die überwältigt werden können, auch anderen Libellen kleinerer Arten. Aber Libellen haben ihrerseits ebenfalls Fressfeinde wie Frösche, Fledermäuse und Vögel, Wespen und Spinnen - vor allem wenn sie sich zum Schlupf ein letztes Mal häuten und hierzu an Gräsern emporkriechen.

Ihr Lebensraum sind die Gewässer und die angrenzende Umgebung (für die Larven), aber für ihre Jagd nutzen sie auch Gebiete weit abseits der Gewässer. Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h legen Libellen bemerkenswert weite Strecken zurück. Unter diesen sind auch ganz besondere Wanderlibellen-Arten, die alljährlich von Süden wie Zugvögel einwandern, um sich bei uns zu vermehren. Die Frühe Heidelibelle und die Feuerlibelle sind zwei solcher Arten, die dann auch regelmäßig auf Sylt auftauchen können. Offensichtlich orientieren sich diese Arten an der Westküstenlinie und wagen von dort Vorstöße auf die Sonneninsel.

Das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume ist an den Beobachtungen der Einflüge dieser Arten in einem besonderen Maße interessiert, zeigt es doch die ersten Anpassungsstrategien von Arten im Rahmen des Klimawandels. Auf der anderen Seite zeigt es sich, dass andere besonders angepasste Arten deutlich größere Probleme mit derartigen Änderungen ihres Umfeldes haben. Insgesamt kann gesagt werden, dass eine Art häufig umso gefährdeter ist, je spezifischer ihre Lebensraumansprüche sind. Denn heute verschwinden vor allem die natürlichen Kleingewässer in Mooren und Heiden. Arten wie die Torf-Mosaikjungfer oder die Hauben-Azurjungfer sind somit zunehmend gefährdet.

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