Fassadenmalerei : Leuchtturm im neuen Glanz

Realistische Details: Im Strandkorb sitzt nun eine junge Dame mit Coffee to go und Tablet-PC.
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Realistische Details: Im Strandkorb sitzt nun eine junge Dame mit Coffee to go und Tablet-PC.

Ein deutsch-französisches Künstlertrio sorgte für die Fassadengestaltung des Hochhauses im Kirchenweg

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05. Juni 2018, 04:54 Uhr

Nun ist das Baugerüst weg, die neue Fassadenmalerei am Haus Kirchenweg 17 in Westerland erstrahlt seit dem Wochenende wieder in voller Schönheit. Das Hochhaus links neben der Polizeistation wurde für drei Millionen Euro renoviert, die Fassade erneuert. Darum musste auch das riesige Leuchtturm-Motiv erneuert werden. Künstler aus Berlin und dem französischen Lyon übernahmen den Auftrag.

Ein 17 Meter hoher Leuchtturm mit Dünenhintergrund und dem Meer unter blauem Himmel ziert das Hochhaus schon seit fünf Jahren. Das Werk schuf die Künstlerin Uschi Schmiedeberg, die 30 Jahre auf Sylt gelebt hat und nun seit fünf Jahren in Niebüll wohnt. Als Vorbild nahm sich Uschi Schmiedeberg, die für ihre kräftige Farbe „Uschiblau“ bekannt ist, den Lister Leuchtturm am Ellenbogen.

Der Berliner Künstler Steve Rolle schuf das neue Leuchtturm-Motiv gemeinsam mit zwei französischen Kolleginnen.
Henningsen
Der Berliner Künstler Steve Rolle schuf das neue Leuchtturm-Motiv gemeinsam mit zwei französischen Kolleginnen.

Ein rot-weißer Leuchtturm ist das zentrale Bildmotiv geblieben, doch auf der neuen 185 Quadratmeter Fassadenmalerei sind einige zeitgemäße Details hinzugekommen. Die Drachen der Kitesurfer, Strandkörbe, Katamarane und vor allem eine sehr realistisch gezeichnete brünette Dame mit blauem Hut in einem Strandkorb. Mit einem Coffee-to-go-Becher in der Hand liest sie auf einem Tablet. Hat sich da vielleicht eine Künstlerin selbst abgebildet?

„Nein“, sagt Steve Rolle, „das ist eine fiktive Person.“ Der 40jährige Berliner hatte die technische Leitung des Sylter Projekts und arbeitet für die deutsche Niederlassung der Firma Cité Création aus Lyon. Drei Wochen dauerte die Vorbereitung gemeinsam mit seinen Kolleginnen Elodie Ivanski (35) und Floriane Madrine (30), weitere drei Wochen die Realisierung durch das Trio vor Ort. Der Auftrag für die Gewoba Nord ist das erste Projekt der französischen Firma in Norddeutschland, die seit 40 Jahren im Geschäft ist und schon Fassaden auf allen Kontinenten gestaltet hat.

Auf Sylt verewigte sich das deutsch-französische Künstlertrio aber nicht wie üblich mit Illusionsmalerei und „Trompe-l’oeil“-Effekten (Augentäuschung), sondern mit einem klassischen Aquarell, das die Sylter Landschaft widerspiegeln soll. Für die Lichtverhältnisse vor Ort, an der Südseite des Hauses, wurde der Kontrast etwas verstärkt.

Drei Millionen Euro hat die Baugenossenschaft Gewoba Nord mit Sitz in Schleswig in ihr Hochhaus am Westerländer Kirchenweg investiert. Der 1960 errichtete Bau benötigte neue Haustechnik und eine neue wärmedämmende Fassade, musste aber nach Angaben von Bauleiter Benjamin Ludewig auch wegen asbesthaltiger Baustoffe in Treppenhaus und Fassade renoviert werden. Die 42 Wohnungen verfügen nun allesamt über einen Balkon. Zwölf Wohnungen wurden komplett renoviert – mit neuen Küchen, Badezimmern und Fußböden. Die Miete steigt von durchschnittlich 5 Euro auf 6,50 Euro, die komplett sanierten Wohnungen werden 8,50 Euro pro Quadratmeter kosten, ergänzte Dirk Schmidt, der von seinem Niebüller Büro aus das Bestandsmanagement in der nördlichen Gewoba-Region leitet.

Die Gewoba Nord verfügt auf Sylt über rund 1000 Wohnungen, zwischen Rantum und List, und ist neben dem kommunalen Liegenschaftsmanagement der Gemeinde Sylt (KLM) der erste Anlaufpunkt, wenn es um günstige Mietangebote geht. Wer ein Wohnungsangebot von der Baugenossenschaft möchte, muss zunächst fünf Genossenschaftsanteile im Gesamtwert von 260 Euro zeichnen, hat dann aber auch Anspruch auf eine Dividende. Wohnungssuchende können sich in die Warteliste eintragen lassen. Sofern der Mietvertrag zustande kommt, müssen je nach Wohnungsgröße weitere Anteile übernommen werden.

Den Bau zusätzlicher Wohnungen auf Sylt plant die Gewoba Nord nicht. Die Grundstücke seien durchweg zu teuer, als dass sie durch Mieten zwischen sieben und acht Euro finanziert werden könnten, erläutert Dirk Schmidt.

In der Planung ist aber der Neubau der einstmals als Seniorenwohnhäuser errichteten Hochhäuser in der Alten Bahnhofstraße 18, 19 und 20 in List. Die alten Gebäude sollen schrittweise abgerissen und durch Neubauten mit 24 bzw. 20 Wohnungen ersetzt werden. Das Projekt sei noch in der Vorbereitung, die Mieter würden behutsam in die Planung eingebunden. Das Dach über dem Kopf verliert keiner – als Mitglied der Gewoba genießt jeder ein lebenslanges Wohnrecht in den eigenen vier Wänden. Eine künstlerische Fassadengestaltung wie im Westerländer Kirchenweg ist in List aber nicht geplant.

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