Letzte Ruhe am Fuß der Friedhofsdüne

Es fehlt noch die Heide- und Rosenbepflanzung, dann können Bestattungen auf der Rasenfläche vor der 'Syltdüne' vorgenommen werden.  Foto: Fotos: Reußner (2)
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Es fehlt noch die Heide- und Rosenbepflanzung, dann können Bestattungen auf der Rasenfläche vor der "Syltdüne" vorgenommen werden. Foto: Fotos: Reußner (2)

Seit einem viertel Jahr wird auf dem Neuen Westerländer Friedhof eine "Syltdüne" für Urnenbestattungen errichtet / Das gefällt nicht allen

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06. Juli 2013, 04:59 Uhr

Westerland | Dünengras statt Buchsbaumhecken: Als eine Sylter Seniorin vor einigen Wochen auf den Neuen Friedhof in Westerland kam, traute sie ihren Augen nicht. In der Nähe der Gräber ihrer Lieben lag auf einmal ein Sandhügel. Der Kirchengemeinderat ließ dort eine künstliche Düne anlegen, erfuhr die Dame, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, an dessen Fuß Urnen bestattet werden können. Die Sylter Seniorin hat dafür kein Verständnis: "Das ist ein Fremdkörper auf dem Friedhof", findet sie, "wir alteingesessenen Sylter wollten den Strand nie sehen, der Sand hat uns doch immer bedroht - wir waren doch froh, dass gute Erde und Kunstdünger vom Festland kommen." Sand, Strand, Sonne - das schätzen nur die Fremden, Touristen und Zugezogene, ist sich die Seniorin sicher.

Aber warum ist die Düne, eine Grabstätte. die es bisher in Deutschland wohl noch nicht gibt, denn nun da? Pastor Christoph Bornemann von der Kirchengemeinde Westerland räumt zunächst ein Versäumnis ein: "Wir haben die Grabnachbarn nicht informiert. Das müssen wir dringend nachholen." Als Erklärung für die Sandaufhäufung weist er auf die veränderte Bestattungskultur hin: Die gehe heutzutage immer stärker hin zur Urnenbeisetzung, nur noch 25 Prozent in Westerland seien Erdbestattungen. Dazu komme, "dass die Individualität auch in diesem Bereich weiter zunimmt." Heißt: Die Nachfrage nach unterschiedlichen, auch originellen, Begräbnisformen steigt - "und die Friedhöfe stehen im Wettbewerb. Da wir uns finanziell selbst tragen müssen, wollen wir in Westerland auch unter dem Gesichtspunkt attraktiv sein." Neben Plänen, auf den Freiflächen des Friedhofes verschiedene Grabhaine zu erstellen, sei die "Syltdüne" für die Insel passend und könnte auch Gäste mit engem Sylt-Bezug dazu verleiten, sich ihr Urnengrab an deren Fuße zu suchen.

Bestattungen sind dort allerdings in den kommenden Monaten noch nicht möglich. Die Düne soll zunächst punktuell mit Naturheide und nicht-wuchernden Sylter Rosen bepflanzt werden, sagt Friedhofsverwalter Andreas Olesen. Wer Fragen zur "Syltdüne" hat, möge sich gern mit ihm in Verbindung setzen (Tel. 24911).

Pastor Bornemann übrigens findet die "Syltdüne" selbst völlig in Ordnung, "wenn so ein Ort den Menschen hilft, ihre Trauer zu verarbeiten".

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