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Sylter Rundschau

23. Oktober 2017 | 12:46 Uhr

Interview : „Lesen ist Kopf-Kino“

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

„Hier lerne ich gern“: Voss-Azubi Tjark Lorenzen (22) erzählt in der Interview-Serie, warum er Buchhändler werden will.

shz.de von
erstellt am 23.Okt.2013 | 18:34 Uhr

Wer gerne in die Welt der Bücher eintaucht, für den ist die Ausbildung zum Buchhändler das reinste Vergnügen. Leseratte Tjark Lorenzen (22) hat sich mit seiner Lehre im Buchhaus Voss einen Traum erfüllt.

Warum haben Sie sich für diese Ausbildung entschieden?
Lesen und Filme sind meine große Leidenschaft. Und als Buchhändler hat man ja auch mit DVDs zu tun – ich kann hier zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen.


Welchen Einfluss hatten Elternhaus, Schule oder Medien auf Ihre Berufswahl?
Meine Mutter ist Lehrerin und hat meinen Leseeifer immer gefördert und unterstützt. Aber auch der Rest meiner Familie liest sehr gerne und viel.


Wie entscheidend war für Sie die Lehrstelle in diesem Betrieb?
Ich komme eigentlich aus Hamburg, habe mir aber bewusst eine Lehrstelle auf Sylt gesucht, denn hier sind die Buchhandlungen sehr viel übersichtlicher und die Ausbildung ist individueller und persönlicher. Voss hat zwar auf der Insel die größte Buchhandlung, aber im Vergleich zu Hamburg ist die Größe immer noch überschaubar. Außerdem kenne ich den Laden ziemlich gut, denn ich habe hier immer den Großteil meiner Ferien verbracht.

Hätten Sie den Beruf auch ergriffen, wenn Sie nicht hier hätten lernen können?
Ich denke schon. Ich hatte mich auch in Hamburg beworben, war aber sehr froh darüber, dass Voss am schnellsten geantwortet hat und mich nach dem Probearbeiten auch gleich angenommen hat.


Wie wichtig ist es für Sie, dass Ihre Lehrstelle auf Sylt ist?
Mein Vater ist gebürtiger Sylter, meine Großeltern leben hier und so ist die Insel meine zweite Heimat. Da hatte ich natürlich gehofft, meine Ausbildung auf Sylt machen zu können. Außerdem habe ich hier auch Freunde und fühle mich geborgener als in der Großstadt. Wir leben hier in unserem eigenen Mikrokosmos – das gefällt mir.


Wie würden Sie Ihr Verhältnis zu den Ausbildern beschreiben?
Das ist prima. Wir sind ein junges Team mit mehreren Azubis und meine Ausbilderin Frau Schröder, die auch unsere Teamleiterin ist, hat ebenfalls schon bei Voss gelernt.


Wie unterstützt Ihr Lehrbetrieb Ihre Ausbildung?
Für die Azubis gibt es so einige Angebote, zum Beispiel Schulungen für Computersystem und Kasse oder für den Umgang mit Kunden und Vorgesetzten. Dann fahren wir zu den Buchbesprechungs-Tagen nach Hamburg, wo innerhalb weniger Stunden zahlreiche Neuerscheinungen vorgestellt werden oder wir bekommen Besuch von Verlags-Vertretern, die neue Bücher präsentieren. Und im dritten Lehrjahr dürfen wir dann mit zur Buchmesse nach Frankfurt fahren.


Wie würden Sie das Betriebsklima beschreiben?
Wir haben ein sehr angenehmes, lockeres Arbeitsklima. Alle sind nett und entspannt und man unternimmt auch mal privat etwas zusammen. Ich fühle mich als Teil des Teams und nicht als „kleiner Lehrling“.


Wie empfinden Sie Ihre Arbeitszeiten?
Die sind ok. In der Saison hat man mal mehr zu tun, kann die Überstunden im Winter dann aber auch wieder abfeiern. Im Moment haben wir von 9.30 bis 18.30 Uhr geöffnet und samstags bis 16 Uhr. In der Hochsaison kommen ein paar Stunden mehr und der Sonntag dazu. Aber das ist alles fair geregelt.


Was macht Ihnen am meisten Spaß?
Am schönsten finde ich es, wenn ich im Lager neue Bücher auspacken und entdecken kann. Bei mir steht wirklich die Begeisterung für die Literatur im Vordergrund und ich freue mich immer, wenn ich einen „Geheimtipp“ gefunden habe. Ich schreibe auch gerne mal eine Rezension und gebe dann meine Neuentdeckungen an andere weiter.


Welche Fortbildungs- und Aufstiegschancen haben Sie?
So viel ich weiß, kann man nach den drei Jahren Lehre noch ein Fernstudium zum Buchhandels-Fachwirt machen. Aber im Moment reicht es mir, erst einmal Buchhändler zu werden.


Was ist das Besondere an Ihrem Ausbildungsbetrieb?
Das Besondere am Unternehmen Voss ist die Tatsache, dass es mit mehreren, verschiedenen Filialen auf der Insel und auf dem Festland vertreten ist und trotzdem eine überschaubare Größe hat, in der man nicht in der Masse untergeht.


Was wünschen Sie sich für die Zukunft?
Ich würde mir wünschen, dass mehr Menschen die Angst vor dem Buch ablegen und wieder mehr lesen – vor allem die jungen Leute. Es gibt wirklich für jeden das richtige Buch, es muss ja nicht immer gleich hochgeistige Literatur sein. Man muss uns einfach nur fragen und erzählen, was einen interessiert, dann bekommt man garantiert etwas in die Hand, was einen fesselt. Ich mag am liebsten Science Fiction, Horror-Romane und Thriller – das ist Kopf-Kino für zuhause.

 

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