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Serie Sylter Köpfe : Lena Baute: „Ich probiere so viel aus, wie ich kann“

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Schule allein genügt Lena Baute nicht, um ausgelastet zu sein. Auch musikalisch und politisch engagiert sich die Tinnumerin.

shz.de von
erstellt am 30.Jun.2015 | 06:00 Uhr

„Wenn man wirklich will, kann man jede Sprache lernen“, sagt Lena Baute. Im Fall der 19-Jährigen aus Tinnum trifft das auch zu. Deutsch, Dänisch, Chinesisch und Englisch sind die Sprachen, die sie in ihrem Leben bisher bereits gelernt hat. Angefangen hat die junge Frau damit schon früh. Die gebürtige Berlinerin kam als Kind mit ihren Eltern nach Sylt , wo sie aufgewachsen ist.

Seit dem Kindergarten-Alter lernt sie Dänisch „so ganz nebenbei“. Weder ihr Vater noch die Mutter sind Skandinavier, die Sprache hat Lena auf der dänischen Schule gelernt, zunächst in Keitum, inzwischen in Flensburg an der Duborg-Skolen. Unterrichtet wird hier – bis auf Deutsch und Englisch – ausschließlich auf Dänisch.

Nicht nur in Europa, auch 9 000 Kilometer von ihrem Zuhause auf Sylt entfernt, hat Lena schon gelebt und Erfahrungen gesammelt. Für zehn Monate ging sie als 16-Jährige über den Rotary Club nach Taiwan, während dieses Auslandsjahres hat sie Chinesisch gelernt. „All das Alltägliche kann ich auf Chinesisch sagen“, erzählt sie. Sobald es aber spezieller werde, müsse sie ins Englische umsteigen, erklärt sie die komplexe Sprache. „Ich fand es aber wichtig, mich im Ausland unterhalten zu können“, sagt Baute. Dieses Ziel hat sie erreicht, die chinesischen Schriftzeichen beherrscht sie allerdings noch nicht. Doch was nicht ist, kann ja noch werden, denn die besonderes Buchstaben, die eher gemalt als geschrieben werden, faszinieren Lena sehr.

Bevor sie sich neuen Projekten zuwendet, muss sie zunächst noch ein Jahr zur Schule gehen. Im kommenden Jahr wird sie ihr Abitur machen, einen konkreten Plan für die Zeit danach hat sie noch nicht: „Es gibt viele Dinge, die interessant sind“, sagt sie. Menschen, Sprache und Kultur interessieren sie – wichtig sei nur, dass man viel herumkommt. „Ich probiere einfach so vieles aus wie möglich, um dann das Richtige zu finden“, sagt sie lachend. Das Passende würde sich schon von ganz alleine ergeben. Eines weiß sie schon jetzt sehr genau: „Ich möchte nichts machen, von dem ich weiß, dass ich es nicht mag“, sagt die 19-Jährige. So richtig festlegen auf eine bestimmte Richtung will und kann sie sich nicht. Das spiegelt sich auch in ihrem Umfeld: „Ich habe zwei ganz verschiedene Freundeskreise und fühle mich in beiden wohl“, sagt Baute. Ihre Lust daran, Neues auszuprobieren, wird auch in ihrem Outfit und den Haaren sichtbar. Erst kürzlich hat sie sich diese von braun auf hellblond gefärbt.

Bei ihren Eltern wohnt sie inzwischen nicht mehr: Nachdem sie zuletzt im Flensburger Schülerwohnheim gewohnt hatte, teilt sie sich jetzt eine eigene Wohnung mit Meret Krasa (18) in Flensburg. Gemeinsam machen die beiden Musik: Mit der Band „åntatumånta“ haben sie im März den Henner Krogh-Förderpreis gewonnen. Einige Auftritte auf der Insel haben sie schon hinter sich. Zeit zum Proben bleibt im Moment nicht so oft, denn die beiden jungen Frauen haben viel zu tun, sind unterwegs, beim Gesangsunterricht, bei der Chorprobe oder auf politischen Treffen.

Auch beim Kulturträger der dänischen Minderheit, der Sydslesvigsk Forening, ist Lena aktiv. Hier macht sie sich unter anderem für Nachwuchs im Traditionsverein stark. Die dänische Minderheit brauche junge Leute wie sie, selbst wenn sie keine gebürtige Dänin ist. „Viele Traditionalisten wollen uns loswerden, das ist altmodisch, denn ohne uns würde die Gruppe aussterben“, sagt Baute. Es sei wichtig, als Minderheit nicht immer nur um das „Dänisch-Sein und die Sprache“ zu kreisen, sondern auch zu schauen, was andere Gruppen tun und wie es ihnen geht.

Seit kurzem engagiert sich die umtriebige Frau außerdem im Jugendverband des Südschleswigschen Wählerverbandes (SSW) und bei den Jungen Europäischen Föderalisten (JEF). Die überparteiliche Organisation tritt unter anderem für eine politische Integration Europas ein.

In dieser Woche ist sie erst einmal unterwegs: Beim Roskilde-Festival im dänischen Seeland hilft sie vier Tage ehrenamtlich beim Pfandsortieren. „Das ist eine schöne Gemeinschaft mit vielen unterschiedlichen Nationalitäten“, freut sich Lena auf die große Musikveranstaltung. Schon zum zweiten Mal ist sie mit dabei: „Auf dem Festival passieren immer viele lustige und spannende Dinge.“

 

 

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