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Sylter Rundschau

21. November 2017 | 20:24 Uhr

Lebenshilfe von Anna und Anna

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Die beiden Österreicherinnen Anna Kammerhofer und Anna Zirngast absolvieren derzeit ein Praktikum in der Lebenshilfe Sylt – zur Freude der Bewohner

shz.de von
erstellt am 26.Okt.2017 | 05:41 Uhr

Anna und Anna lachen viel, während sie sprechen. Man merkt ihnen ihre Lebensfreude regelrecht an – und auch die Liebe zu ihrer Arbeit: Anna Kammerhofer und Anna Zirngast absolvieren derzeit ein fünfwöchiges Praktikum in der Lebenshilfe Sylt. Dafür haben die beiden 19-Jährigen einen weiten Weg auf sich genommen, denn Anna und Anna kommen aus Österreich, genauer: aus Kapfenberg und aus Großklein in der Steiermark. Und das hört man den beiden an: „Es war für mich am Anfang sehr schwer, schön zu sprechen und nicht in meinen Dialekt zu fallen“, sagt Anna Kammerhofer – und ihre Freundin ergänzt lachend: „Wir müssen uns immer darauf konzentrieren, korrektes Schul-Deutsch zu sprechen.“

Seit einem Monat sind die beiden auf der Insel. Damit sie ihr Appartement und alle anderen Kosten nicht komplett aus ihrer eigenen Tasche zahlen müssen – denn das Praktikum ist unbezahlt – erhalten sie aus dem Erasmus-Förderprogramm einen Mobilitätszuschuss, der die erhöhten Lebenshaltungskosten ausgleichen soll. An Arbeitstagen haben sie von 14 bis 21 Uhr Dienst – und sie genießen jede Minute davon, gehen mit den Bewohnern der Lebenshilfe spazieren, in die Stadt oder an den Strand, basteln gemeinsam mit ihnen und sind einfach Ansprechpartnerinnen.

Über den tollen Einsatz der zwei Frauen aus Österreich freut sich auch Oliver Marco Pohl, Geschäftsführer der Lebenshilfe Sylt. „Wir benötigen immer wieder Hilfe. Im Fall von Anna und Anna ist es aber natürlich besonders toll, dass sie aus einem anderen Land kommen. Wir lernen dadurch, wie das soziale System in Österreich funktioniert und können ihnen auch etwas von unserer Seite mitgeben.“ Von den beiden Annas schwärmt er in den höchsten Tönen. „Sie bringen so ein tolles Engagement mit und haben sich gleich ganz liebevoll um die Menschen in der Lebenshilfe gekümmert.“

Den Vorteil, den Anna und Anna mitbringen: Mit ihren 19 Jahren haben sie bereits viel Fachwissen. Sie gehen auf die Caritas-Schule in Graz, ein Ausbildungszentrum für Sozialberufe, und haben bereits jetzt schon die Abschlüsse „Pflegeassistentin“ und „Fachbetreuerin für Behindertenarbeit“. „Mit 19 orientieren sich in Deutschland die meisten erst einmal und gucken, was sie überhaupt werden wollen“, sagt Oliver Marco Pohl. „Das ist bei den beiden ganz anders.“

Für die 19 Bewohner der Lebenshilfe Sylt seien die Praktikantinnen ein großer Glücksfall: „So können auch einfach mal zwei Personen für einen Bewohner da sein – und das ist schon ganz großer Luxus“, sagt Pohl. Denn Zeit und Geduld seien so wichtige Faktoren in diesem Beruf: „Richtig Zuhören, auf die Bedürfnisse der einzelnen Menschen eingehen oder auch mal mit den Personen etwas individuelles unternehmen. Dass das mit Anna und Anna möglich ist, ist fantastisch.“

Aber auch das Feedback der Österreicherinnen sei ihm wichtig, betont er. Doch Kritik gibt es von den beiden nicht. Im Gegenteil: Sie sind begeistert von der Lebenshilfe sowie von der Insel, die sie bisher noch gar nicht kannten. „Ich wusste vorher noch nicht einmal, dass es Sylt überhaupt gibt“, sagt Anna Kammerhofer lachend. Doch schnell habe „der ganze idyllische und einladende Flair der Insel und in der Einrichtung“ die beiden überzeugt, schwärmen sie. Wenn Anna und Anna in der kommenden Woche die Insel wieder verlassen müssen, werden nicht nur sie traurig sein. „Ich weiß, dass der ein oder andere Bewohner hier ein Tränchen verdrücken wird“, sagt Oliver Marco Pohl.

Im kommenden Mai haben die beiden Annas ihre schriftliche Diplomprüfung und wollen sich dann in Österreich nach einem Job umschauen. Doch eins steht für beide fest: Nach Sylt wollen Anna und Anna unbedingt zurückkehren – dann allerdings als Urlauber.

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