Leben im nördlichsten Haus

Sabine Kraemer zeigt heute Abend im Kursaal³ ihren Film über das Leuchtturmwärterhaus von List

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15. November 2018, 16:11 Uhr

„Ankasmatsa“ – ein Film von Sabine Kraemer wird am heutigen Freitag um 20 Uhr im Wenningstedter Kursaal gezeigt. Der Titel ist ein Kunstwort, das sich aus den Anfangsbuchstaben der Namen der Bewohner des Leuchtturmwärterhauses von List ableitet: Annette, Kasper, Matthias, Sabine.

Von 1951 bis 2015 bewohnte die Familie von Sabine Kraemer das nördlichste Haus Deutschlands, gelegen neben dem Leuchtturm Ostfeuer am Lister Ellenbogen. Kurz bevor das Haus verkauft wurde, kehrte die Künstlerin und jüngste der Geschwister nach Ankasmatsa zurück.

Der Film entstand bei der letzten Wiederbegegnung mit dem Haus ohne Strom, dem Ort, den Wolken und Schafen, dem Nordseewind und den Erinnerungen an die schöne Einfachheit des Lebens am Meer.

Über den Rand tiefer Eigenreflexionen hinaus, wird über die Wirren und Widersprüche der Nachkriegszeit nachgedacht. Erzählt wird vom Dorfleben in Sehlde am Harz, wo die warmherzige Mutter ihre Kindheit verbrachte. Vom erfindungsreichen und eher schweigsamen Vater, der das Traumhaus in den Dünen entdeckt hatte. Zu einer Zeit, als nur eine notdürftige einspurige Militärstraße dorthin führte und ein Eilpostbrief sieben Kilometer bei Wind und Wetter mit dem Fahrrad ausgetragen wurde – vom 80-jährigen Postboten.

Mit Originalaufnahmen der Urgroßmutter Käthe Buchler, einer Pionierin der Farbfotografie, sowie Videomaterial aus dem Privatbesitz dokumentiert der Film sehr eindrücklich die Familiengeschichte zurück bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts, etwa zu der Zeit, als auch der Leuchtturm 1850 errichtet wurde, und lässt den Ellenbogen und das „Ostfeuer List“ in neuem Licht erscheinen.

Sabine Kraemer wurde 1955 in Braunschweig geboren. Sie verbrachte viele Sommer- und Wintermonate auf Sylt. Sie lebt als freischaffende Künstlerin und Performerin in München, malt, zeichnet, schreibt. „Ankasmatsa“ ist ihr zweiter Langfilm. Im letzten Herbst wurde er bereits auf den Husumer Filmtagen gezeigt und ist heute erstmals auf Sylt zu sehen.

Der Filmabend im Kursaal³ beginnt heute um 20 Uhr, Einlass ab 19.30 Uhr. Der Eintritt beträgt neun Euro.

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