E-Auto auf Sylt : Lautlos über die Insel brausen

SR-Redakteurin Melanie Steur-Fiener ist zwei Wochen lang mit einem Elektroauto über die Insel gefahren – ein Erfahrungsbericht.

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13. März 2014, 12:19 Uhr

Es hört sich an, als würde ich Aufzug fahren. Dieses feine Geräusch das ertönt, wenn die Motoren anfangen zu arbeiten und die Kabine an den Seilen hochgezogen wird. Dabei stehe ich gar nicht im Aufzug, sondern fahre Auto. Elektroauto, um genau zu sein.

Fast zwei Wochen bin ich nun mit einem strombetriebenen Auto unterwegs auf der Insel. Mein schlechtes Gewissen, dass ich ständig zum Auto- statt zum Fahrradschlüssel griff, hielt sich in Grenzen. Das emissionsfreie Fahren hatte was vom Radeln. Es ist nur schneller, trockener und wärmer, aber praktisch genauso umweltfreundlich. Die Idee des grünen Fahrens finde ich also absolut richtig – sie scheitert allerdings an meinem Alltag. Als Vollzeit arbeitende Mutter bleibt nicht auch noch Zeit, sich um den Ladestand des Autos zu kümmern. Und das Laden dauert eben seine Zeit und muss deshalb organisiert werden. Für Leute, die ständig in der Nähe einer der neun Ladestationen auf Sylt zu tun haben oder gar eine eigene Hausladestation haben, eignet sich ein Elektroauto auf der Insel absolut.

Positiv war, dass ich nie „anstehen“ musste an einer der von mir genutzten Ladesäulen in Westerland, Kampen und List. Mindestens einer der beiden Strom-Parkplätze war immer frei. Die Station am Bahnhof war für mich die Hauptanlaufstelle, da sie fußläufig von der Redaktion aus zu erreichen war. Während der Arbeit behielt ich die Uhr im Blick, um das Auto rechtzeitig abzuholen. Sechs Stunden durfte ich kostenlos an einer der Säulen parken und gleichzeitig laden. So hatte ich zwar am Nachmittag wieder eine Reichweite von zirka 150 Kilometer zur Verfügung, aber auch erst dann.

Die Reichweitenangabe änderte sich übrigens schlagartig, sobald Zusatzfunktionen genutzt wurden. Nach Feierabend Licht und Heizung anschalten – und zack schwanden die verbleibenden Kilometer dahin. Auch wenn ich mal ordentlich aufs Gaspedal drückte oder Mitfahrer dabei hatte wurde sofort die Reichweite nach unten korrigiert.

Bei der kurzen Einweisung hatte ich den Tipp bekommen, den Wagen, so oft es geht, aufzuladen. Erst habe ich mich nicht dran gehalten, da ich mir die Mühe nicht machen wollte. Macht aber doch Sinn, da dann die Ladezeit nicht so lang dauert. Da wäre ich manches Mal schon mit einer guten Stunde dabei gewesen und nicht wie neulich mit acht. Die Idee, den Wagen samt Verlängerungskabel an die Steckdose im Garten anzuschließen, wurde mir bei der Auto-Übergabe gleich ausgeredet: zu gefährlich. Es brauche dafür einen Spezialstecker – samt Kabel –sonst bestehe Brandgefahr.

Unser Privatwagen ist so alt, dass ich noch den Schlüssel ins Schloss stecken muss, um die Tür auf zu machen. Der Schlüssel für das E-Auto ist lediglich ein Funkschlüssel, der nur zum Auf- und zuschließen benutzt wird. Fürs Vorwärtskommen waren ein paar Knopfdrücke und das Gaspedal von Nöten.

Das lautlose Fahren, das zu Recht als ein absoluter Pluspunkt für E-Mobilität hervorgehoben wird, geht übrigens nur im Vorwärtsgang. Sobald ich rückwärts fahren wollte, tat das Auto so, als wäre es ein Lastwagen. Lautes Piepen warnte meine Mitmenschen. Die mitunter erstaunten Gesichter der Vorbeilaufenden, konnte ich bequem per Heck-Kamera auf dem Bildschirm am Armaturenbrett beobachten. Einen Unterschied im Fahrgefühl zu einem Benziner gibt es lediglich hinsichtlich der Geräuschkulisse. Es ist leiser im E-Auto, auch wenn mal schneller gefahren wird.

Mein Fazit: Ich finde die Idee des emmissionsfreien Fahrens gut. Aber ohne eigene Ladestation zu Hause, kommt für mich die Anschaffung eines E-Autos nicht in Frage.

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