Syltlauf-Reportage : Lange Strecke, schöne Landschaft – und sehr viel Wind

Kurz vor der Halbzeit: Christoph Käfer (Nummer 722) mit Hermann Machner (Nummer 337) an der Promenade in Westerland.
Kurz vor der Halbzeit: Christoph Käfer (Nummer 722) mit Hermann Machner (Nummer 337) an der Promenade in Westerland.

sh:z Volontär Christoph Käfer startete zum ersten Mal beim Syltlauf und berichtet von seinen Erfahrungen auf den 33,33 Kilometern.

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17. März 2014, 06:00 Uhr

Sylt | Das Kampener Quermarkenfeuer? Dafür habe ich keinen Blick. Die bilderbuchhafte Dünenlandschaft links und rechts der Strecke? Interessiert mich nach über 25 gelaufenen Kilometern ebensowenig. Die Augen sind nur nach vorn gerichtet. Durchhalten, heißt das Ziel.

Mir schießen die Worte von Lauf-Organisator Frank Beilmann in den Kopf. „Haltet euch auf der ersten Hälfte zurück, hinter Wenningstedt wird es erst richtig anstrengend“, ruft er uns Läufern kurz vor dem Start zu. Ich bin zwar ein geübter Langstreckenläufer, doch als Neuling beim Syltlauf halte ich mich an Beilmanns Tipp – zumindest bis kurz vor Westerland.

Dort harren trotz Nieselregens dutzende Zuschauer aus. Sie klatschen, wedeln mit Rasseln und pfeifen mit Tröten. Fast automatisch werde ich schneller. Wenige Augenblicke später erreiche ich die Kurpromenade. Hunderte Menschen haben sich dort versammelt, feuern uns Läufer an. So laut, dass vom Rauschen des Meeres nichts zu hören ist. Im Publikum erkenne ich zwar niemanden, eine kleine Gänsehaut bekomme ich von der Stimmung dennoch.

Ob es Hermann Machner genauso geht, der mich rund zehn Kilometer begleitet hat? Ich weiß es nicht, er hat sich kurz vorher leicht zurückfallen lassen. Davor haben wir ein harmonisches Gespann auf der Strecke gebildet, auch wenn wir uns eben erst kennengelernt haben. Nebeneinander bis leicht versetzt laufend, haben wir uns im Wechsel Windschatten gespendet.

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Und das ist bitter nötig: Auf den ersten 30 Kilometern weht der Wind nur von vorn oder der Seite. Meine Körperhaltung erinnert eher an die eines Quasimodo als an einen Sportler. Es fühlt sich zeitweise wie Laufen mit Fußfesseln an. „Wären wir die Strecke spontan doch mal umgekehrt gelaufen“, denke ich.

Jammern hilft aber nicht weiter, das weiß offenbar auch mein Laufbegleiter. „Ich bin zum ersten Mal dabei, vor allem der schönen Landschaft halber.“ Diese beobachten wir aus den Blickwinkeln. Es reicht, um bis Westerland die Strapazen zu vergessen.

Doch das Ziel ist von dort aus noch über 15 Kilometer entfernt. Halten meine Energiereserven so lange? Darum muss ich mir keine Sorgen machen – dank Hermann Machner. „Wenn du einen Power-Riegel brauchst, dann sag’ Bescheid, ich habe noch einen über.“ Läufer halten eben zusammen, auch auf Sylt.

Und die Zuschauer lassen uns ebenfalls nicht im Stich. Kurz hinter der Promenade ruft ein etwa achtjähriger Junge meinen Namen, als ich an ihm vorbeilaufe. Selbst an den Wegen in der hügeligen Kampener Dünenlandschaft feuern uns Zuschauergruppen an. Das wirkt wie Doping. Die Beine sind schwer, als hätte sie jemand mit Backsteinen gefüllt. Jetzt heißt es, Zähne zusammenbeißen. Als Zwölfter erreiche ich das Ziel. Alles andere habe ich auf dem Weg dahin ausgeblendet – auch Quermarkenfeuer und Natur. Die schaue ich mir garantiert beim nächsten Besuch genauer an.

sh:z-Volontär Christoph Käfer, 25, startete zum ersten Mal bei einem Syltlauf.
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