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Luxusautos auf Sylt : Lamborghini in Kampen: „Wir wollen niemandem auf die Nerven gehen“

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Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

In Kampen präsentiert unter anderen Lamborghini seine exklusiven Sportwagen und löst damit erneut Kritik an solchen Events aus.

Kampen (Sylt) | „Das braucht kein Mensch und Kampen schon mal gar nicht“, ist Stefanie Böhm, Kampens Bürgermeisterin, mit Blick auf die Präsentation von Luxus-Fahrzeugen in ihrem Dorf überzeugt. Bereits im vergangenen Jahr, als viele Sylter sich über die massenhafte Selbstdarstellung berühmter Automarken auf der Insel empörten, ließ die Bürgermeisterin wissen, „dass wir leider nichts dagegen tun können, aber es weder fördern noch genehmigen, wenn es in unsere Zuständigkeit fällt“. Doch diese Zuständigkeit liegt nur dann bei der Gemeinde, wenn die Präsentationsflächen auf Gemeinde-eigenem Grund liegen. Die Marketingabteilungen der Autohäuser suchen deshalb nach anderen Flächen.

So auch Lamborghini. Der Sportwagenproduzent ist bereits zum dritten Mal auf der Insel, wollte aber dieses Mal möglichst alles richtig machen und mietete ein Ladengeschäft an Kampens Hauptstraße, zu dem auch noch einige Parkplätze gehören. Dennoch findet Stefanie Böhm, dass mit einer Präsentation der Luxus-Karossen dem Ort eher geschadet als genutzt wird. „Kampen hat gar nichts davon. Die blockieren unsere knappen Parkflächen, grasen hier die guten Zeiten ab und sind dann wieder weg“. Sie räumt jedoch ein, „dass Lamborghini in diesem Jahr mit der Anmietung eines Shops mehr Stil bewiesen hat“.

Für den Kampener Unternehmer-Verein ist zwar eine geballte Präsentation von Automarken auch nicht wünschenswert, „aber je mehr Luxus wir nach Kampen bekommen, um so besser für den Ort. Luxus passt zu Kampen“, sagt die Pressesprecherin des Vereins, Birgit Gräfin Tyszkiewicz. Sie sieht auch gerade in einigen Modellen von Lamborghini eher Kunstwerke als Verkaufsgüter, die das Interesse der Gäste für den Ort sehr wohl steigern. „Grundsätzlich sehen wir deshalb solche Präsentationen positiv – wenn sie nicht zu geballt kommen.“

Ähnlich sieht man das auch bei der Sylt Marketing GmbH (SMG). Jutta Vielberg, Pressesprecherin der SMG, sagt: „An schönen Autos ist ja grundsätzlich erstmal nichts auszusetzen. Auch nicht daran, wenn sich Vertreter einer starken Marke Synergieeffekte von einer anderen starken Marke versprechen. Schwierig wird es dann, wenn es nur noch um PS-Protzerei geht und ein ganzes Dorf Gefahr läuft, als Autohaus wahrgenommen zu werden und die eigentlichen Werte der Insel verpuffen.“

Interview mit Felix Rongen, dem Europa-Manager von Lamborghini

Felix Rongen klärt im Interview darüber auf, wie er und sein Haus diese Botschaft verstanden und welche Konsequenzen sie daraus gezogen haben.

Herr Rongen, Lamborghini ist bereits zum dritten Mal in Kampen, um einige Modelle des Hauses vorzustellen, doch Luxus-Mobile und Sylt ist ein Thema, das nicht ganz spannungsfrei ist. Haben Sie bei diesen Vorzeichen überlegt, überhaupt dieses Jahr zu kommen?

Ja, sicher haben wir das überlegt, denn wir nehmen diese Diskussion sehr ernst. Wir wollen nicht aufdringlich, aggressiv oder protzig erscheinen, wir möchten den Menschen hier eine gute Zeit bereiten und niemandem auf die Nerven gehen. Da war es uns ganz wichtig, einen Weg zu finden, der für alle akzeptabel ist und Freude bereitet. Wenn wir den Weg nicht gefunden hätten, dann wären wir auch nicht gekommen.

Konnten Sie denn verstehen, dass es diese Kritik an den Autoschauen hier gibt?

Was wir hier im letzten Jahr gesehen haben, hat uns selber überrascht und auch ohne die später geäußerte Kritik war uns klar, dass wir an dem Präsentationskonzept etwas ändern müssen.

Mit welcher Arbeitsüberschrift sind Sie denn an das neue Konzept gegangen? Dezent, leise, kleiner ...?

… verträglich würde ich sagen. Man wird nie jeden erreichen oder von Kritik abhalten, aber wir wollen möglichst viele mit unserem Angebot hier ansprechen.

Felix Rongen, Europa-Manager Lamborghini
Felix Rongen (Mitte) ist Europa-Manager von Lamborghini. Foto: Magulski
 

Am vergangenen Wochenende haben Sie ihren Shop in Kampen an der Hauptstraße eröffnet. Wie haben Sie die erste Reaktionen erlebt?

Ich hab’ das Gefühl, es ist gut angelaufen. Viele sind in den Shop gekommen, haben sich umgeschaut, Fragen gestellt, aber uns auch schon bescheinigt, dass sie sich in dem Shop wohlfühlen, ihn ansprechend finden und wie eine kleine Lounge erleben. Das ist genau das, was wir uns gewünscht haben.

Die Lounge ist das eine, das andere sind die Testfahrten, die nicht selten dazu führten, dass mächtiges Gedröhne auf den Straßen herrscht und das Straßenbild von auffälligen Sportwagen beherrscht wird. Wie gehen Sie damit um?

In dem wir nur maximal zwei Autos für Testfahrten anbieten und auch schauen, dass die Fahrten nicht in den Ruhezeiten am Mittag und abends stattfinden.

Warum überhaupt Sylt? Weil die Marke so stark ist?

Sylt ist ein wunderschöner Ort. Was für die Italiener Sardinien ist, ist für die Deutschen Sylt. Ein Ort mit hohem Entspannungswert, einer an dem man sich trifft. Das merken wir jetzt schon daran, dass wir wieder vielen bekannten Gesichter begegnen.

Sylt ist im Selbstverständnis eine Premium-Marke, Lamborghini auch. Ist das auch ein Grund für Ihre Präsenz hier?

Ja ganz klar, das ist auch eine Verknüpfung. Wir sprechen hier die Leute an, die vielleicht auch am ehesten zu unserer Marke eine Verbindung haben – als Fans oder sogar als Käufer.

Dann steht also einer Wiederkehr im kommenden Jahr nichts mehr im Weg?

Von unserer Seite nicht. Wenn wir dürfen, kommen wir sehr gern wieder.

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erstellt am 08.Aug.2017 | 04:03 Uhr

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