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Ausgestorben : Läden am Kliff: Laufkundschaft fehlt

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Wer als Gast in Richtung Tipkenhoog läuft, dreht beim Anblick des halbfertigen Thermen-Baus meist wieder um. Das bekommen auch die umliegenden Geschäfte zu spüren: Die Laufkundschaft fehlt. Und wer trotzdem noch den Weg findet, für den wird die Apotheke zur Information.

shz.de von
erstellt am 03.Dez.2008 | 07:36 Uhr

Keitum | Eigentlich könnte René Dörr neben das große "A" für Apotheke gleich noch ein "I" für Information hängen. "Seitdem der Bau der Keitum Therme ruht", erklärt der Inhaber der Uwe-Jens-Lornsen-Apotheke am Keitumer Kliff, "kommen in der Saison pro Tag 20 bis 30 Touristen zu uns und fragen, was denn nun los sei mit der Therme. Wir sind hier praktisch die Informationsquelle."
Stetig weniger Leute

Doch dies ist für ihn und einige andere Geschäftsinhaber am Tipkenhoog nicht das Problem. "Seit dem Abriss der Schwimmhalle 2004 und dem Wegzug der Kurverwaltung fehlt die Laufkundschaft, es kommen stetig weniger Leute in die Apotheke", sagt Dörr.

Zwar gäbe es noch die Stammkunden, die regelmäßig bei ihm kaufen. Auf Dauer sieht der Apotheker jedoch keine Zukunft für sein Geschäft gegenüber der Thermen-Baustelle: "Momentan besteht nur die Aussicht auf keine Aussicht. Was aus der Baustelle wird, ist nicht klar. Unter diesen Bedingungen werden wir langfristig hier nicht bleiben können, ich denke ernsthaft über eine Standortverlegung nach." Dörr wünscht sich "konstruktive Lösungen" zum weiteren Vorgehen im gesamten Tipkenhoog. "Ansonsten sehe ich die Infrastruktur des Ortes gefährdet."
"Künstlich lahmgelegt"

Dass es Lösungen geben wird, da ist sich Helmut Schwarz, Inhaber der Buchhandlung "Büchertruhe", sicher. "Aufgrund der veränderten politischen Situation lässt sich momentan keine Änderung herbeiführen. Ich bin aber fest überzeugt, dass etwas getan wird, schließlich wird man die Baustelle nicht brach liegen lassen."

Durch den Stillstand der Bauarbeiten, meint Ingrid Homberg, die das gleichnamige Geschäft am Tipkenhoog betreibt, werde jede Bewegung in der Straße "künstlich lahmgelegt". "Ich würde mir wünschen, dass die Fertigstellung der Therme zeitnah umgesetzt wird", sagt sie.

Wie es überhaupt mit der Therme weitergehen soll, fragt sich Birgit Damer, deren Goldschmiede an der Ecke zum Mühlenweg liegt. "Als die Kurverwaltung noch hier war, kamen viele langgelaufen, da war die Welt noch in Ordnung. Heute bekomme ich oft im Vorbeigehen mit, wie Leute direkt wieder umkehren."
Existenz nur durch Stammkunden

Mittlerweile hat Damer 50 bis 80 Prozent weniger Laufkundschaft. "Ich lebe nur noch von den Stammkunden". Um das Weiterbestehen ihres Geschäfts nicht zu gefährden, bietet sie zusätzlich Goldschmiede-Seminare an. So habe sie sich die Selbstständigkeit zwar nicht vorgestellt, aber wenigstens käme sie über die Runden. "Ich würde gern jemanden anstellen, aber bei den Umsatzrückgängen ist das derzeit nicht möglich", sagt Damer.

Ein Geschäftsumzug ist für Carola Rohrborn, die zwei gleichnamige Geschäfte nahe der Baustelle hat, keine Option. "Trotz Einbußen wäre das überzogen und nicht sonderlich klug, zumal ich dort seit vier beziehungsweise zehn Jahren bin", sagt sie. "Selbst wer trotzdem den Weg ins Geschäft findet, kommt unter diesen Umständen vielleicht kein zweites Mal", befürchtet Rohrborn. Ihr "allergrößter Wunsch" und sicher auch der der anderen Geschäftsinhaber: "Dass das alles endlich ein Ende hat!"

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