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Sylter Rundschau

18. August 2017 | 11:32 Uhr

Kulturmacher mit Leidenschaft

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Joachim Wussow ist einer der vier Sylter Kandidat für die Aktion Mensch des Jahres

Joachim Wussow hat einen der ungewöhnlichsten Jobs der Insel: Als Geschäftsführer zweier Unternehmen produziert er zum einen Mineralwasser und zum anderen Kultur – an ein und demselben Ort. Seit 2007 verwandelt sich das Gelände der Sylt-Quelle jeden Sommer in das Meerkabarett und gibt für fast zwei Monate den kulturellen Pulsschlag der Insel vor.

Seit 2004 trägt Wussow die Verantwortung für die vor 20 Jahren als Zelttheater gegründete Veranstaltung, die auch in diesem Jahr mit 59 Konzerten, Comedy-Shows und anderer Unterhaltung ein Kulturprogramm bot, das rund 20 000 Besucher in die Rantumer Dünen lockte. Wirft man in diesen Tagen einen Blick in das Büro von Joachim Wussow, drängt sich bei der dortigen Geschäftigkeit der Spruch auf: „Nach dem Meerkabarett ist vor dem Meerkabarett“. Seit Wochen wird bereits das Programm für das nächste Jahr geplant. „Es ist ein kontinuierlicher Prozess“, sagt der 50-Jährige diplomatisch, um dann doch noch etwas deutlicher zu bekennen: „Ohne Leidenschaft würde man das nicht machen“. Und Leidenschaft ist es, was Wussow und sein kleines Team antreibt.

Der Profit ist es ganz offensichtlich nicht: Für das Jubiläumsjahr des Kulturvents beantragte der Meerkabarett-Macher erstmals finanzielle Schützenhilfe bei der Gemeinde Sylt. Zuvor hatte eine Besucherebbe im Jahr rund 30 000 Euro Verlust in die Bilanz der Betreiber gerissen. Vor dem Jugend-, Kultur- und Sportausschuss warb Joachim Wussow damals: „Wir suchen nicht die Vollpension. Wir sind mit dem Gedanken angetreten, dass wir nichts gewinnen, aber auch nichts verlieren wollen.“ Das Meerkabarett sei ein Schatz, den es zu bewahren gelte und kein „extravagantes Hobby“.

Dass die Gemeinde der Veranstaltung schließlich eine Verlustabsicherung gewährte, empfindet der Geschäftsführer bis heute als „große Verantwortung und als Vertrauensbeweis.“ Das Interesse von Seiten der Kommunalpolitik dokumentiert aber vor allen Dingen den Wert, den die Öffentlichkeit dem Meerkabarett nach 20 Jahren auf Sylt beimisst.

Auf die Frage, wie lange er das Kulturereignis noch managen wolle, antwortet Joachim Wussow in der für ihn typischen, unaufgeregten Art. Die nächsten zwei Jahre sei er noch sicher mit im Boot, weiter habe er bisher nicht geplant, sagt der 50-Jährige. Dabei kann man sich kaum vorstellen, dass der Meerkabarett-Chef, der auch in diesem Jahr jeden Abend in der Eventhalle anzutreffen war, die Zügel ganz aus der Hand geben wird.

Jetzt freut sich Joachim Wussow erst einmal auf eine kleine Auszeit mit etwas weniger Arbeit in Südafrika, wo er während der kalten Jahreszeit in Johannesburg lebt. Und auch wenn der gebürtige Wilhelmshavener die grauen Tage auf Sylt gerne gegen Sonne tauscht, bleibt die Insel auf der inneren Landkarte des Kulturmanagers eine feste Größe: „Sylt ist für mich und meine Frau eine echte Heimat geworden.“

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erstellt am 22.Okt.2013 | 00:39 Uhr

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