Lessingbad in Kiel : Kultur in der Schwimmhalle

Kunst statt Wasser: Das Becken des  Kieler Lessingbads wird zur Ausstellungsfläche. Foto: Rönnau
Kunst statt Wasser: Das Becken des Kieler Lessingbads wird zur Ausstellungsfläche. Foto: Rönnau

Schwimmbäder erfrischen, halten Kreislauf, Geist und Beweglichkeit in Schwung. Dass dies auch ohne Wasser geht, zeigt das Projekt "Articulum" im Kieler Lessingbad.

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18. Juni 2011, 09:08 Uhr

kiel | Rund 3000 Quadratmeter Fläche hat das alte Lessingbad am Kieler Schrevenpark. Jetzt will die Muthesius-Kunsthochschule die technisch marode Schwimmhalle aus den 1930er Jahren zu einem Kulturzentrum machen. Das Konzept wird seit zwei Jahren durch Ausstellungen und Veranstaltungen erprobt.
Schwimmbäder erfrischen, halten Kreislauf, Geist und Beweglichkeit in Schwung. Dass dies auch ohne Wasser geht, zeigt das Projekt "Articulum" im Kieler Lessingbad. Das Künstlerpaar Friederike Rückert und Simon Kühl hat in kleinen Schritten die Kultur ins Haus geholt, dessen leeres Schwimmbecken nebst den ehemaligen Umkleide- und Duschräumen sowie gruftigen Kellern für sich schon Steinbrüche der Fantasie darstellen. Theater- und Disco-Veranstaltungen hat es hier gegeben, Studenten der Muthesius-Kunsthochschule präsentierten Werke, Schulklassen haben in Workshops spannende Ausstellungen erarbeitet.
Kaum ein Besucher, der den Gebäudekomplex unberührt verlässt
Derzeit stellen Studenten der Kunsthochschule dort zum Thema "Körpersichten" aus - Kunstprojekte rund um den menschlichen Körper, die von Raumerfahrungen über Erotik und Selbstverletzungen reichen, während das große Becken einem Darmtrakt gleich mit riesigen Kunststoffschläuchen vollgestopft ist. Kaum ein Besucher, der den Gebäudekomplex unberührt verlässt.
Da verwundert es nicht, dass die Muthesius-Kunsthochschule, die demnächst in unmittelbarer Nachbarschaft residiert, das Potenzial erkannt hat. Ihr Präsident Rainer W. Ernst, selbst Architekt und Stadtplaner, hat jetzt zusammen mit der Ingenieurin Andrea Boysen, Architekten und Kulturschaffenden ein Nutzungskonzept vorgelegt. Es ist vorläufig, weil Erfahrungen aus den laufenden Projekten beständig einfließen sollen.
Umbau würde bis zu acht Millionen Euro kosten
"Articulum" soll es heißen, frei nach dem in Kiel schon existierenden "Musiculum", wo Kindern und Schülern Grundlagen der Musik vermittelt werden. Neben dem Veranstaltungsforum für Ausstellungen, Filme, Vorträge und Konzerte sowie dem Kunstpädagogischen Labor sind Ateliers und Arbeitsräume geplant, ein Gründerzentrum für die Kreativ-Wirtschaft samt Kindertagesstätte, Büros und Verkaufsgalerien. Das einstige Kinder-Schwimmbecken ist für einen Gastronomiebereich vorgesehen, mit Anbindung an den beliebten Schrevenpark.
Bis zu acht Millionen Euro würde der Umbau kosten, schätzt Ernst. Da aber so viel Geld derzeit kaum von der öffentlichen Hand zu erhoffen ist, denkt man an einen sukzessiven Umbau. Geld könnte es aus Raummieten, von Sponsoren und aus einer neu zu gründenden Stiftung geben. Und auch die Stadt muss noch überzeugt werden - denn die stellt das Lessingbad als Eigentümerin derzeit nur zur "Zwischennutzung" zur Verfügung. (shz)

Ausstellung
Lessingbad Kiel, Lessingplatz 1.
Aktuelle Ausstellung: "Körpersichten", bis 24. Juni. täglich 10 bis 18 Uhr

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