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Serie „Syltschützer“ : Küstenschutz vs. Naturschutz

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Oft heißt es, die beiden Schutzbemühungen stünden in Konkurrenz zueinander. Aber sind sie wirklich Gegensätze?

Küstenschutz und Naturschutz – sind diese Schutzbemühungen Gegensätze? In beiden Bereichen will man schützen. Man will das, was da ist, erhalten. Man streitet sich darüber, was wichtiger ist: Küste oder Natur. Der Gesetzgeber hat die Frage nicht eindeutig beantwortet. Nur soviel: Wenn das Leben von Menschen bedroht ist, dann hat der Erhalt des menschlichen Lebens Vorrang. Das ist zwar schön so, aber es beantwortet nicht die Frage. Ist daher die Fragestellung eigentlich korrekt?

Der Küstenschutz und der Naturschutz sind Begriffe, die von den Menschen gebildet worden sind. Dabei sind bei der Betrachtung des gleichen Lebensraumes zwei unterschiedliche Ansätze gebildet und verfeinert worden. Im Bereich Küstenschutz soll die bestehende Küste, der Rand des Lebensraumes der Menschen, festgehalten werden. Im Bereich Naturschutz soll die vorhandene Natur, Flora und Fauna, in ihrem Bestand gesichert werden.

Der Küstenschützer will den Lebensraum des Menschen absichern, Flora und Fauna haben sich dabei unterzuordnen. Der Naturschützer will die freie Entwicklung von Flora und Fauna absichern, der Mensch soll bei seinen Aktivitäten die freie Entwicklung der Natur nicht beeinträchtigen. Beide Ansätze können kollidieren. In den aktuellen Antragserfahren für Bauleitplanungen ist geregelt worden, dass der Küstenschützer den Naturschützer zu fragen hat, ob gegen eine Maßnahme Bedenken bestehen. Liegen Bedenken vor, dann muss sorgfältig abgewogen werden welche Betrachtungen stimmiger sind.

Damit ist ein einfaches Verfahren zur Entscheidung gefunden worden. Doch die Zahl der Bedenkenträger ist sehr hoch. Fehler durch subjektive Wahrnehmungen sind durchaus möglich. Man wird sich streiten müssen.

 


In beiden Bereichen will man schützen


 

Doch zurück zum Anfang. In beiden Bereichen will man schützen. Man hat offenbar etwas wesentliches übersehen: Die Natur. Das, was man in unserem Lebensraum mit Natur (Flora und Fauna) bezeichnet, ist nur einer kleiner Bereich der Natur. Dieses Wunderwerk, das wir Natur nennen, ist aber viel mehr. Es ist das Leben, die Entwicklung über die Jahrhunderte, über Zeiträume hinaus, die wir kaum überblicken können. Wir können den gewünschten Küstenschutz so stark gestalten, wie wir es können, wir können den Schutz der Natur so intensiv gestalten, wie wir es können, die natürliche Entwicklung auf unserer Erde, beeinflusst durch die Einflüsse aus dem Universum, nehmen auf unser Wollen keine Rücksicht.

Uns Menschen kennen dieses Einflüsse nicht. Wir, die wir heute leben, sind zu winzig und zu kurz auf dieser Welt. Es bleibt nur ein Weg: Beide Schutzinitiativen müssen die natürliche Entwicklung als Leitlinie nehmen. Man muss erkennen, dass man der Macht der Natur, und damit auch des Meeres, langfristig nichts entgegensetzten kann. Man wird rechtzeitig weichen müssen. Man muss erkennen, dass man die natürliche Entwicklung des Lebens nicht konservieren kann. Die natürliche Entwicklung und deren Zusammenhänge müssen erkannt werden.

Mit diesem Wissen kann man mit der natürlichen Entwicklung zusammen den Weg in die Zukunft gehen. Dabei soll sehr deutlich unterstrichen werden, dass ein Bewahren oder Absichern der Natur oder der Küste dem Wesen der beiden Faktoren zuwider läuft. Beide, die Natur und die Küste, sind dem vielleicht nicht immer erkannten Evolutionsprozess des Lebens unterworfen. Das Leben entsteht und es stirbt ab, die Küste wird gebildet und wird vom Meer wieder abgetragen. Tiere und Pflanzen entstehen und vergehen. Ein ewiger Kreislauf.

 


Die Motivation zu Helfen ist ein hohes Gut


Wir Menschen sollten bei unseren Aktivitäten sorgfältig beachten, ob wir mit unserem Schutzbemühen nicht zu sehr in den Lebenszyklus der Faktoren eingreifen. Das Kind, das ein verletztes Tier aufnimmt und mit nach Hause bringt, meint es sicher gut. Oftmals fehlt dabei das Verständnis für das Tier, dem man helfen will. Die Motivation zu helfen ist ein hohes Gut. Dazu muss aber auch das Verständnis entwickelt werden, dass auch diese Hilfe eine Eingriff in den Lebensraum des Tieres darstellt.

Der Kern des Landeswassergesetz beschreibt genau diesen Weg sicher nicht deutlich genug. Gegensätze werden erzeugt, wenn der ein oder andere Bereich vermeintliche Vorteile sucht. Das gilt für alle Bereiche, denen das Wort „Schutz“ angehängt wurde. Schutzbemühungen sind sicher sinnvoll, sie werden in der Regel von einem großen Engagement getragen. Wenn dieses Bemühen aus dem Ehrenamt in die Professionalität gewandelt wird, liegt die Gefahr nahe, dass ein Engagement um einen Schutzgedanken seinen Ursprung aus den Augen verliert. Die Absicherung der Professionalität könnte in den Vordergrund rücken.

Küstenschutz und Naturschutz sind aus der Sicht des Schutzbemühens keine Gegensätze. Vor einigen Jahrzehnten mag das wohl so gewesen sein. Damals fanden die unterschiedlichen Gruppen oft keine Gesprächsebene. Heute könnte das anders sein. Man redet miteinander. Die gesetzliche Grundlage bietet den Rahmen dazu. Man streitet sich trotzdem. Mit Zeit zum Austausch könnte man das Ausgleichen. Wenn man will! Schutzbemühung werden oft von von Überzeugungen gesteuert. Die sachliche Betrachtung des Bemühens bleibt dann oft im Hintergrund.

Helge Jansen initiierte im Jahre 2007 die Gründung der Stiftung Küstenschutz Sylt. Bis heute ist er der Vorsitzende dieser Stiftung.

 

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erstellt am 14.Jul.2017 | 05:18 Uhr

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