Wohnraum auf Sylt : Kritik an neuer Dauerwohn-Quote

Auf Sylt gilt künftig bei Neu- oder Umbauten die 40-60-Regelung.
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Auf Sylt gilt künftig bei Neu- oder Umbauten die 40-60-Regelung.

Manfred Uekermann (CDU) zeigt sich besorgt über 40-60-Regelung. Auf der Nachbarinsel dagegen hält man diese Maßnahme für sinnvoll.

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11. Juli 2015, 05:31 Uhr

Die sogenannte 40-60-Regelung soll dafür sorgen, dass nicht noch mehr Insulaner die Insel verlassen: In den Sylter Bebauungsplänen soll künftig festgeschrieben werden, dass in vielen Gebieten beim Neubau oder Umbau eines Hauses 40 Prozent der Fläche für Wohnungen für Dauermieter verwendet werden muss (wir berichteten). Doch die Sylter CDU sieht das kritisch. Manfred Uekermann, Ortsbeiratsvorsitzender von Tinnum, befürchtet, dass gerade durch diese Regelung eher Einwohner von der Insel vertrieben werden.

Sieben Bebauungspläne sind für den Ortsteil Tinnum, in dem besonders viele Insulaner wohnen, momentan im Bauamt in der Überarbeitung. Während Tinnumer bisher vor allem dagegen protestiert hatten, künftig eventuell weniger von ihrem Grundstück bebauen zu können als bisher genehmigt, machte Manfred Uekermann auf der jüngsten Ortsbeiratssitzung die künftig für alle Inselgemeinden geltende 40-60-Regelung zum Thema. „Ist diese Idee zu Ende gedacht? Wir wissen doch alle nicht, was für Folgen diese Regelung für uns hat“, betonte der CDU-Gemeindevertreter.

Generell, erklärte er, wäre es natürlich gut, Dauerwohnraum auf Sylt zu sichern – doch er befürchte, dass der Schuss nach hinten los gehen könne: Er gehe davon aus, dass der künftige Zwang, Platz für Dauerwohner bereit zu stellen, die Kreditwürdigkeit derjenigen Sylter Hausbesitzer mindern würde, die ihr Eigenheim als Sicherheit bei der Bank angegeben haben oder angeben wollen. „Ich habe Angst, dass deswegen Insulaner ihr Haus nicht halten können.“ Gerade die Tinnumer wollten doch „ihre Scholle“ gar nicht an Investoren verkaufen, verfolgte Uekermann dieses Angst-Szenario weiter – er als Gemeindevertreter wolle nicht derjenige sein, der sie dazu zwinge, indem er dazu beitrage, den Wert ihres Grundstücks zu senken. Diese Sorge treibt auch Holger Carstens um. Der Immobilienmakler sagte auf der Sitzung: „Banken gehen heutzutage dazu über, zu fragen, was auf dem Grundstück genehmigt ist und bewerten es dann dementsprechend.“

Uekermann verwies zudem auf die Nachbarinsel: Auf Föhr würde eine derartige Regelung schon lange gelten, habe dort aber keinerlei Auswirkungen auf den Erhalt von Dauerwohnraum. Das sieht Ulrich Schmidt, Bauamtsleiter für Föhr und Amrum, allerdings anders: In Wyk auf Föhr gelte seit langem sogar eine 60-40-Regelung - heißt: 60 Prozent eines Hauses müssen für Dauerwohnraum genutzt, lediglich 40 Prozent dürfen als Ferienwohnung vermietet werden. „Das geht auf das klassische Wyker Haus zurück, in dem die Föhrer Familie im Erdgeschoss lebt und das Dachgeschoss vermietet“, erklärt er. Wenn sich an diese Vorgabe nicht gehalten würde, werde das Bauamt des Kreises eingeschaltet und dagegen vorgegangen. „Außerdem hat es eine abschreckende Wirkung, die Regelung macht also schon Sinn “, so Schmidt weiter. „Gerade heute morgen rief mich eine Dame an, die so ein Wyker Haus kaufen und es komplett als Ferienwohnung nutzen wollte. Nachdem ich ihr deutlich gemacht habe, dass das nicht geht, sagte sie, dass sie über den Kauf dann noch mal nachdenken müsste.“

Auch Sylts Bauamtsleiter Martin Seemann verteidigt die Sylter 40-60-Regelung. Vor allem stellt er klar, dass sie als Teil des Wohnraumentwicklungskonzeptes schon von fast allen Inselgemeinden beschlossen worden sei – und deshalb auch in künftigen B-Pläne von Hörnum bis nach List angewandt werden muss. Nachdem Seemann wiederholt betonte, dass hierbei natürlich der Bestandsschutz gewahrt bleibe – die Regelung also nur bei Neu- oder extremen Umbauten greife – wies er auch auf die positiven Aspekte der Neuregelung hin: Viele Insulaner vermieten in den betroffenen Gebieten momentan in ihrem Wohnhaus auch an Feriengäste. Bisher sei das baurechtlich nicht abgesichert – mit den neuen B-Plänen wäre diese Nutzung legalisiert. Aus Seemanns Sicht könnte diese Legalisierung auch für die Banken ein Grund sein, ein Sylter Grundstück tendenziell höher zu bewerten.

Ob die 40-60-Regelung wirklich rechtssicher ist, kann auch Seemann nicht mit hundertprozentiger Sicherheit sagen. Nach dem Kenntnisstand der Gemeinde sei sie es – allerdings stünde in Deutschland jedem der Klageweg offen. Wie andere Maßnahmen zur Sicherung von Dauerwohnraum könnte also auch diese theoretisch von einem Gericht gekippt werden.

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