Platz für Inselkinder : Krippenausbau kostet mehr als erwartet

Der Tinnumer Kindergarten soll bis November einen Anbau erhalten, in dem zwei Krippengruppen betreut werden können.
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Der Tinnumer Kindergarten soll bis November einen Anbau erhalten, in dem zwei Krippengruppen betreut werden können.

Für den Anbau am Tinnumer Kindergarten muss die Gemeinde Sylt 923 000 Euro zahlen.

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24. März 2017, 04:30 Uhr

Es ist zwar durchaus eine positive Entwicklung, aber auch eine, die die Sylter Infrastruktur derzeit vor erhebliche Probleme stellt: Mittlerweile gibt es auf der Insel mehr Kinder unter drei Jahren als Krippenplätze. Bereits 2016 wurde aufgrund des Bedarfs an zusätzlichen Plätzen in der Gemeindevertretung unter anderem der Anbau einer Krippe an der Kita in Tinnum beschlossen (wir berichteten). Zwei zusätzliche Gruppen mit insgesamt 20 Kindern sollten dort ursprünglich schon ab August 2017 betreut werden können. Doch dieser Termin muss nun verschoben werden, und auch der Bau wird wesentlich teurer als zunächst veranschlagt.

Im Rahmen der ersten Schätzung des Architekturbüros Janiak und Lippert aus dem schleswig-holsteinischen Fockbek beliefen sich die Kosten zunächst auf 715  900 Euro, die schließlich auf 780  900 Euro hochgesetzt wurden. Das akzeptierten die Sylter Gemeindevertreter und das Geld wurde im Haushalt bereitgestellt. Auch der Kreis sagte einen Zuschuss für den Anbau von rund 300  000 Euro zu. „Solche ersten Schätzungen macht man meist aus Erfahrungswerten“, weiß Sonja Beckmann, Architektin beim Kommunalen Liegenschafts-Management (KLM). „Zu diesem Zeitpunkt hatte aber noch keine keine Firma tatsächlich ein Angebot angegeben.“

Als die Angebote schließlich eintrafen, zeigte sich, dass die Fockbeker Architekten mit ihrer ersten Prognose deutlich zu niedrig lagen: Die Kosten sind mit über 923  000 Euro rund 142  200 Euro teurer als zunächst veranschlagt – viel Geld für eine Gemeinde, die grundsätzlich ihre Ausgaben kürzen will. „Diese Mehrkosten können viele Gründe haben, hier liegt es unter anderem auch an dem berüchtigten Insel-Zuschlag“, erklärt die Architektin. Es seien vor allem Zulieferer-Stoffe wie Holz und Beton, die in sehr großen Mengen auf die Insel geliefert werden müssten. „Die Architekten haben diesen Insel-Zzuschlag wahrscheinlich zu niedrig angesetzt“.

Um den Bau dennoch realisieren zu können und die zusätzlichen Kosten aufzutreiben, konnte in Gesprächen mit dem Kreis Nordfriesland erreicht werden, dass das neue Gebäude nicht als Erweiterungsbau mit einer Förderung von 15  000 Euro pro Platz, sondern als Neubau mit einer Förderung von 22  000 Euro pro Platz eingestuft werden kann. Bei den 20 geplanten Krippenplätzen macht das einen Zuschuss von 440  000 Euro. „Eine definitive Zusage zur tatsächlichen Förderhöhe erwarten wir Ende März“, sagt Sonja Beckmann. Aufgrund der bestehenden zeitlichen Verzögerung sei allerdings mit einer Fertigstellung des Krippenanbaus an der Kita frühestens im November 2017 zu rechnen und nicht – wie bisher geplant – Anfang August.

Um die Kosten weiter zu minimieren, soll nun aber auch am Gebäude gespart werden: „Wir sind in alle Gewerke reingegangen und haben geschaut, was wir machen können“, sagt die KLM-Mitarbeiterin. So konnten die Baukosten um knapp 60  000 Euro reduziert werden. „Jeder Lichtschalter, den man überprüft, kann Geld einsparen“, erklärt Sonja Beckmann. An der Qualität werde allerdings nicht gespart, betont sie. „Beim Bodenbelag haben wir nicht die günstigere Variante PVC gewählt, sondern ein natürliches Vinyl, das keine chemikalischen Ausdünstungen hat.“ Auch auf eine große Verglasung in den Gruppenräumen soll nicht verzichtet werden, „damit viel Licht reinkommt.“

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