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Interview : Krimi von Dora Heldt: „Ganz viel Insel und Eierlikör“

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Dora Heldt hat ihren ersten Krimi verfasst: Worum es in „Böse Leute“ geht und wie oft es sie nach Sylt verschlägt, erzählt sie im Interview .

Sie ist eine der erfolgreichsten deutschen Buchautorinnen der Gegenwart, ihre Romane verkaufen sich millionenfach und wurden fürs ZDF verfilmt. Die gelernte Buchhändlerin Dora Heldt lebt in Hamburg – doch geboren wurde sie 1961 auf Sylt, und die Insel spielt in ihren Romanen häufig eine Hauptrolle. So auch in Ihrer neusten Publikation „Böse Leute“. Unser Mitarbeiter Frank Deppe führte mit der Bestseller-Autorin das folgende Interview.

Nach einer ganzen Reihe von Romanen nun eine Premiere: Sie haben Ihren ersten Krimi verfasst. Warum die Verlagerung auf dieses Genre?
Ich wollte es einfach mal ausprobieren. Bei einem Krimi muss man ganz anders arbeiten, man kann die Figuren nicht einfach das machen lassen, was sie wollen, weil sie sich ja an den Ablauf halten müssen. Es gibt lose Fäden, die verknüpft werden sollen, es gibt Hinweise, die auch aufgelöst werden müssen, ich muss beim Schreiben das Konzept im Auge behalten und immer wieder überprüfen, ob meine Figur Karl noch bei der Sache ist und nicht den Fall aus den Augen verliert. Ich habe viel über Timing, Disziplin und Überarbeitungen gelernt, das fand ich sehr schön.

Verraten Sie unseren Lesern doch etwas über den Inhalt des neuen Buches.

Auf Sylt finden Einbrüche statt. Nicht etwas in den großen Ferienhäusern, sondern in den Häusern von alleinstehenden, älteren Insulanerinnen. Karl, der Protagonist, ist der pensionierte Revierleiter der Polizei in Westerland, der mit seinem Nachfolger, dem cholerischen Peter Runge, der zu allem Überfluss auch noch von der Ostsee kommt, nicht einverstanden ist und sich überhaupt schwer mit dem Aufhören tut. Da zwei der Einbruchsopfer auch noch Chorschwestern von ihm sind, beschließt er, zusammen mit seinem besten Freund Onno und seinen Chorschwestern Inge und Charlotte, selbst auf die Jagd nach den Tätern zu gehen. Als dann noch eine Tote ins Spiel kommt, sind sie nicht mehr zu bremsen. Daneben gibt es zwei kleine Liebesgeschichten, ein paar böse Leute und ganz viel Insel und Eierlikör...

Lesen Sie privat auch bevorzugt Krimis – zugleich die Inspiration zu Ihrem neuen Buch?

Ich lese tatsächlich gern Krimis. Aber die Inspiration kam wirklich mehr aus der Lust, selbst etwas Kriminalistisches zu schreiben.

Der Sylter Buchmarkt ist mit Lokalkrimis inzwischen ziemlich überfrachtet. Braucht es da noch einen weiteren Krimi – respektive: Was macht „Böse Leute“ anders?

Ich weiß, man hat bei der Fülle der ganzen Regionalkrimis mittlerweile den Eindruck, dass es in den Provinzen nur noch Leichen gibt. Und fragt sich, wo die alle herkommen. Bei mir gibt es nur eine, falls das hilft. Und außerdem geht es mir mehr um die vom Eierlikör beschwingte Ermittlerrunde mit all ihren Macken und Lebensweisheiten, als um die exakte Mordermittlung einer Staatsanwaltschaft. Die „Bösen Leute“ sind also nicht schlafraubend, sondern mehr gemütlich.

Wie darf man sich das vorstellen: Schreiben Sie frei nach Inspiration oder verordnen Sie sich quasi einen festen Stundenplan?

Ja, ich habe beim Schreiben einen relativ festen Stundenplan, weil ich ja nicht nur schreibe, sondern auch noch einen anderen Beruf habe und mich deshalb sehr disziplinieren muss, um alles zu schaffen.

Sie gehen jetzt erstmal auf eine Lesereise. Leipzig, München, Hannover, Hamburg – und am 29. März sind Sie im Keitumer Kulturhaus Friesensaal zu Gast. Ist diese Lesung für Sie als gebürtige Sylterin eine besondere?

Eine Lesung auf Sylt ist immer besonders. Wie ein Heimspiel, bei dem auf der Tribüne auch noch die Familie sitzt.

In der Vita auf Ihrer Homepage ist unter anderem zu lesen, dass Sie „Tage ohne Termine, den Frühling und Inseln“ besonders schätzen. Der Plural letzt genannter Vorliebe macht mich stutzig. Sie werden Sylt doch wohl den alleinigen Vorzug geben – oder handelt es sich lediglich um einen Schreibfehler? Ernsthafter gefragt: Was verbindet Sie mit Ihrer Heimatinsel, wie oft reisen Sie von Hamburg gen Norden?

(lacht) Natürlich ist Sylt DIE Insel für mich, Lieblingsplatz und Sehnsuchtsort, das ist gar keine Frage. Außerdem lebt die Familie hier. Ich versuche, so oft es geht zu kommen. Nach spätestens zwei Monaten inselfrei bekomme ich latentes Heimweh. Und schlechte Laune.

Sie sind Bestseller-Autorin, Ihre Bücher werden inzwischen sogar fürs Fernsehen verfilmt. Was war bislang der schönste Moment in Ihrer Karriere?

Es gab ganz viele schöne Momente. Vielleicht die erste Lesung – der Moment, an dem ich begriffen habe, dass diese Leute tatsächlich Geld bezahlt haben, um mich zu sehen. Das hat mich schon sehr beeindruckt und gerührt.

Ich ahne, dass Sie bereits an einem neuen Buch arbeiten. Wird ein weiterer Krimi folgen oder haben Sie etwas ganz anderes im Sinn?

Ich bin da so abergläubisch. Bevor ich hundert Seiten geschrieben habe, rede ich nicht darüber. Und bislang sind es erst vierzig...

Am Dienstag, 29. März, liest Dora Heldt um 20 Uhr aus ihren Krimi „Böse Leute“ im Friesensaal in Keitum .

Moderiert wird diese Buchpremiere von der NDR Talkmasterin Anouk Schollähn. Der Eintritt beträgt 18 Euro VVK und 21 Euro an der Abendkasse.

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