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Nutzung verboten : Kreis sperrt Halle 28: „Gefahr für Leib und Leben“

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Brandschutz und Bauaufsicht stellen gravierende Mängel fest. Politiker und DRK warnen vor Folgen für den Katastrophenschutz

von
erstellt am 18.Mai.2016 | 19:42 Uhr

Paukenschlag im Ringen um die Halle 28: Der Kreis Nordfriesland hat heute überraschend die Nutzung der Halle ab sofort untersagt. Bei einer Überprüfung am 3. Mai seien gravierende Mängel festgestellt worden. Die Bauaufsicht führt einen ganzen Katalog von Missständen auf und hat „massive Bedenken“ angesichts der Standsicherheit der Halle, ihrer Tore und der Dachkonstruktion. Damit schafft der Kreis Fakten, dreieinhalb Wochen bevor ein Bürgerbegehren über den Fortbestand der Halle entscheiden soll.

Der Mängelkatalog:

> Bei den Rolltoren hat der Kreis massive Bedenken hinsichtlich der Standsicherheit und Funktionstüchtigkeit, insbesondere im Hinblick auf eine schnelle Öffnung im Brandfall.

> Die Kranbahn im südlichen Hallenbereich, die aufgrund des vorhandenen Hebezeugs noch genutzt werden kann, wurde laut Prüfstempel zuletzt 2005 gewartet. Die in diesem Gebäudeteil außerdem vorhandene Elektroverteilung entspricht, insbesondere hinsichtlich des Berührungsschutzes, nicht mehr den heutigen Vorschriften.
> Für die Obergeschosse der westlich und ostwärts angebauten Flügel führt der zweite Rettungsweg aus dem jeweiligen Flur über eine Leiter durch eine Luke auf die Dachfläche des südlichen (eingeschossigen) Anbaues und von dort über eine Leiter auf den Boden. Diese Ausführung widerspricht den bauordnungsrechtlichen Vorschriften zur Ausführung eines funktionsfähigen zweiten Rettungsweges, insbesondere im Hinblick auf die Nutzung der Räume im Obergeschoss zu Schlafzwecken.

>Die Pultdachkonstruktion des südlich angebauten Flügels, über den auch die zweiten Rettungswege führen, ist infolge fehlender Bauunterhaltung stark durchfeuchtet. Als ein Mitarbeiter sie betrat, bog sie sich weit durch. Für diesen Gebäudeteil bestehen daher massive Bedenken in Bezug auf die Standsicherheit der Dachkonstruktion.

„Wir haben nie einen Hehl daraus gemacht, dass an der Halle Mängel zu beseitigen sind“, erklärte gestern Abend Gemeindevertreter Lars Schmidt („Zukunft Sylt“), der das Bürgerbegehren initiiert hat. „Aber von dieser Entscheidung bin ich echt geschockt.“ So kurz vor dem Bürgerbegehren vermittle der Bescheid aus Husum den Eindruck, dass die Halle 28 „sowieso nur Schrott“ sei und am Abriss kein Weg vorbei führe.

Lars Schmidt wies auf die gravierenden Folgen der Sperrung für den Katastrophenschutz auf der Insel hin. Das Rote Kreuz, die Feuerwehr und andere Organisationen mit Sicherheitsaufgaben würden dort Fahrzeuge und Material lagern, unter anderem auch 2000 Feldbetten und Bettzeug. „Wenn heute Nacht etwas passiert, was dann?“

DRK-Vorsitzender Karl-Heinz Kroll kündigte an, sich der Anordnung zu fügen und Fahrzeuge und Ausrüstung nun aufs Festland zu verfrachten oder auch zu verkaufen. Die Halle 28 sei für „Großschadenslagen“ eine ideale Unterkunft gewesen. „Wir wären auch mit Alternativen einverstanden, doch die sind sehr viel teurer als eine Herrichtung der Halle.“

Für Bürgermeister Nikolas Häckel kam der Bescheid aus Husum gestern nicht überraschend – der Zustand der Halle stelle „eine Gefahr für Leib und Leben“ dar. Ein ähnliches Gutachten aus dem April habe die Gemeinde bereits auf ihrer Homepage veröffentlicht, um das Bürgerbegehren vorzubereiten. „Wir müssen jetzt klug überlegen, wie es weiter geht.“ Das Bürgerbegehren am 12. Juni werde auf jeden Fall durchgeführt.

Häckel wies darauf hin, dass aber auch ein Abriss der Halle 28 derzeit nicht infrage kommt – das lässt der Denkmalschutz nicht zu. Doch dagegen klagt die Gemeinde. „Die Frage ist, wer gewinnt – Baurecht oder Denkmalrecht.“

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