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Abrissverfügung in Hörnum auf Sylt : Kreis Nordfriesland: Dieses Haus muss weg

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Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Das prominente Backsteinhaus direkt am Hörnumer Ortseingang wurde laut Kreisbauamt nie genehmigt – darum soll es abgerissen werden. Der Besitzer und Hörnums Bürgermeister sind wütend.

Rolf Speth ist verärgert: „Jetzt wird unser Ort nicht nur im Süden durch die verschwindende Odde kleiner, jetzt werden wir auch im Norden angegriffen.“ Angegriffen? Ja, findet der Hörnumer Bürgermeister, und zwar vom Kreis Nordfriesland. Der hat dem Besitzer des roten Backsteinhauses, Rantumer Straße 53, eine Abrissverfügung geschickt: Für das Gebäude habe es niemals eine Baugenehmigung gegeben.

Das in den 30er Jahren errichtete Haus direkt am Hörnumer Ortseingang fällt vor allem durch die kunstvoll errichteten Stein-Skulpturen und Wege auf, die der momentane Bewohner in seinem Vorgarten errichtet hat. Gebaut worden ist es laut Bauamt von der Wehrmacht, Anfang der 80er Jahre wurde es vom Bund an die Mutter des jetzigen Bewohners verkauft, im Jahr 2011 zwangsversteigert. Ersteigert hat es der Hamburger Rechtsanwalt Lothar Ende. Er habe dem Sohn der vorherigen Eigentümerin ein lebenslanges Wohnrecht eingeräumt und noch überlegt, was er mit dem restlichen Teil des Hauses anfangen wollte, sagt der 47-Jährige. Nachdem er wegen möglicher Umbauten mehrfach im Kontakt mit dem Husumer Bauamt war, bekam er im Dezember die Abrissverfügung zugeschickt. Der 47-Jährige schäumt: „Das ist der Hammer! Ich lese ständig, dass die Sylter ein Wohnraumproblem haben – und dann soll ein Haus abgerissen werden, in dem Dauerwohnraum existiert.“ Außerdem habe der Bund beim Verkauf des Hauses an die ehemalige Besitzerin vertraglich festgelegt, dass diese sich verpflichtet, das Gebäude mindestens zehn Jahre lang zu Wohnzwecken zu nutzen. „Für mich ist das ein klares Indiz dafür, dass das Haus dort weiterhin existieren soll“, befindet Ende. Er legt nun Widerspruch gegen die Abrissverfügung ein.

Dass sich die Frage um den Abriss vor dem Verwaltungsgericht klären wird, davon geht auch Hartmut Pohl, Pressesprecher des Kreises Nordfriesland aus. „Das Haus liegt im Außenbereich und ist nie genehmigt worden.“ Die Gemeinde hätte die Möglichkeit gehabt, einen Bebauungsplan für das Haus erstellen zu lassen, so Pohl: „Dann wäre das Gebäude legitimiert – doch das ist nicht geschehen.“ Nun sei es ein illegales Gebäude in den Dünen – „da müssen wir handeln.“

Eine Darstellung, die Bürgermeister Speth gewaltig ärgert: „Hätte uns der Kreis etwas gesagt, hätten wir sofort einen B-Plan aufgestellt. Stattdessen hat es uns der Kreis verwehrt, das Haus mit umliegenden Gebäuden in einem B-Plan zusammenzufassen.“ Ähnliches gelte auch für andere „illegale“ Gebäude im Ort. Speth: „Eigentlich müsste der Kreis für jedes aufgegebene Kasernengebäude dem Bund eine Abrissverfügung schicken.“

Dass man in Husum durchaus gewillt ist, Abrissverfügungen auch in die Tat umsetzt, zeigte sich am 21. Juni 2006 am anderen Ende der Insel: Nach einem langen Rechtsstreit ließ der Kreis Bagger anrücken, um ein aus den 30er Jahren stammendes kleines Dünenhäuschen oberhalb der Lister Blidselbucht abzureißen. Damals ein hoch emotionaler Vorgang: Die Eigentümer-Familie weigerte sich zunächst, das Gebäude zu verlassen, der Kreis rief die Polizei zur Hilfe. Bis zur letzten Minute versuchten die Eigentümer mit einer einstweiligen Verfügung und Anrufen beim Innenministerium, den Abriss zumindest aufzuschieben – letztendlich vergeblich.

Ob sich diese Geschichte sieben Jahre später im Inselsüden wiederholen wird, bleibt nicht zu hoffen – oder, wie Rolf Speth es formuliert: „Man muss an Lösungen arbeiten, nicht an Problemen.“

 

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erstellt am 09.Jan.2014 | 06:00 Uhr

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