Koreaner erforschte Watt und Dünen

 Dae Geon Hyun und Kirsten Thiemann mit der Übersichtskarte des Wattenmeers. Foto: Deppe
Dae Geon Hyun und Kirsten Thiemann mit der Übersichtskarte des Wattenmeers. Foto: Deppe

Dae Geon Hyun lernte bei seinem Praktikum das Sylter Watt kennen und entdeckte dabei nicht nur Unterschiede zu seiner Heimat

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25. Juni 2011, 09:06 Uhr

Hörnum | Da staunten die drei koreanischen Studenten, die gemeinsam mit anderen Kommilitonen im Rahmen eines Austauschprogramms kürzlich die Schutzstation Wattenmeer besuchten, nicht schlecht: Ihr Wattführer war nicht etwa ein blonder Friese, sondern ein Landsmann. Zwei Monate lang absolvierte Dae Geon Hyun aus Seoul in Hörnum ein Praktikum - mit vielen Erinnerungen, Muscheln und Tee im Gepäck ging es nun wieder zurück in die Heimat.

Wie man von der südkoreanischen Hauptstadt ins gut 8 000 Kilometer entfernte Hörnum gelangt? "Ich hatte schon immer Interesse an anderen Sprachen, habe Englisch und Chinesisch gelernt", berichtet der 22-Jährige, der zuletzt vier Semester Germanistik an der Universität von Seoul studierte. Seine Professorin riet ihm zu einem Praktikum in Deutschland, um die Sprachkenntnisse zu intensivieren - und vermittelte auch gleich einen Kontakt zur "International Wadden Sea School", die Dae Geon Hyun wiederum zur Schutzstation Wattenmeer delegierte.

In Hörnum wurde der Gast herzlich aufgenommen: "Es war für uns alle eine schöne Zeit, in der wir viel über das Leben in Korea erfuhren", zieht Stationsleiterin Kirsten Thiemann am Ende der Zeit Bilanz. Tatkräftig packte Dae Geon Hyun bei der Renovierung des Zentrums mit an, zählte beim Seetierfang auf dem Schiff die unterschiedlichen Arten, leitete Kinder in der "Watt-Werkstatt" an - und berichtete drei Landsleuten vom deutschen Wattenmeer.

Das Watt an sich war für den Koreaner kein fremdes Terrain: Entlang der Westküste seines Heimatlandes erstreckt sich ebenfalls ein breites Wattenmeer, das von vielen kleinen Inseln geprägt und von felsigen Küsten umrahmt ist. Im koreanischen Watt steht im Unterschied zu Sylt allerdings Naturnutz noch vor Naturschutz: "Wattwanderungen wie auf Sylt sind bei uns nicht üblich. Die Leute graben lieber Muscheln und Tintenfische zum Verzehr aus." Einige Tierarten wie Austernfischer oder Enten fühlen sich hier wie dort wohl - andere, wie der äußerst seltene Löffel-Strandläufer oder Wattwürmer, die einen Meter lang werden können, sind in Deutschland hingegen unbekannt.

Auch an Land erinnerte Dae Geon Hyun auf Sylt manches an heimatliche Gefilde: "Dünen haben wir auch, aber die sind viel kleiner." Und sogar die auf Sylt weit verbreiteten Heckenrosen blühen in Südkorea.

Ansonsten jedoch war für den jungen Koreaner "alles spannend": Die Zugfahrt über den Damm etwa ("In Korea würden wir da sofort eine Brücke bauen") oder die neue Erfahrung, gemeinsam mit der Schutzstation-Crew zu kochen und zu putzen ("In unserem Studentenwohnheim haben wir Hausmädchen").

Jetzt ist Dae Geon Hyun fort - doch eine Spur hinterlässt er: Während seiner Zeit auf Sylt gestaltete er Poster mit anschaulichen Vergleichen zwischen dem deutschen und südkoreanischen Wattenmeer, die in Kürze im Naturzentrum aufgehängt werden. Dae Geon Hyun war hier der erste ausländische Praktikant, doch er wird nicht der letzte sein. Thiemann: "Wir wollen diese Option verstärkt anbieten. Schließlich kennt das Wattenmeer auch keine Ländergrenzen."

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