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Nach Jogger-Unfall : Kopfhörer – eine Gefahr im Verkehr

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Nach dem tragischen Unfall am Bahnübergang in Tinnum: Die Polizei rät von lauter Musik auf der Straße ab. In Schleswig-Holstein gab es bereits mehrere ähnliche Unfälle.

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erstellt am 23.Apr.2014 | 06:00 Uhr

Für viele gehört Musik im Alltag einfach dazu, auch unterwegs. Ob zu Fuß, auf dem Fahrrad,  im Auto oder auch beim Joggen – das Lieblingslied macht gute Laune und treibt einen beim Sport an. Doch wie gefährlich Kopfhörer  im Straßenverkehr sein können, zeigte jüngst das tragische Unglück am Bahnübergang in Tinnum. Ein Jogger überquerte die geschlossenen Bahnschranken, wurde von einem Zug erfasst und kam dabei ums Leben. Er hatte Kopfhörer auf, den herankommenden Zug vermutlich nicht  gehört.  Der Polizei sind ähnliche Fälle aus den vergangenen Jahren in Schleswig-Holstein bekannt. Sie warnt eindringlich davor, sich  im Straßenverkehr durch laute Musik ablenken zu lassen. 

Laut Straßenverkehrsordnung ist es  erlaubt, mit Stöpsel im Ohr unterwegs zu sein – allerdings nur auf einer Seite.  Auf dem anderen Ohr könne man so immer noch Warnsignale hören.   Allerdings rät Matthias Glamann, Pressesprecher der Polizei für Flensburg und für den Kreis Nordfriesland, komplett auf Ohrstöpsel und Kopfhörer  zu verzichten. „Als Verkehrsteilnehmer jeglicher Art – egal ob Jogger oder Autofahrer – muss man einfach immer wachsam sein.  Laute Musik lenkt davon zu sehr ab.“

In ganz Schleswig-Holstein sind im vergangenen Jahr  27 Menschen  an Bahnübergängen ums Leben gekommen. Dabei könne man allerdings nicht zwischen Suiziden und tatsächlichen Unfällen unterscheiden, betont Bernd Schindler, Pressesprecher der Bundespolizei Flensburg. Bis Ende März wurden in diesem Jahr bereits acht Fälle gezählt. Ob es auf Sylt in der Vergangenheit einen ähnlichen Vorfall wie in Tinnum gegeben hat, ist den Beamten nicht bekannt. Statistisch werde nicht erfasst, wie viele Menschen aufgrund von lauter  Musik im Verkehr ums Leben gekommen sind. Allerdings erinnert sich Schindler noch an ein tragisches Unglück am Bahnübergang in Dauenhof (zwischen Neumünster und Rendsburg), das dem Vorfall auf Sylt ganz ähnlich war: Ein 15-jähriger Junge umfuhr mit seinem Fahrrad die geschlossene Schranke. Auch diese Aktion endete tödlich. Der Junge hatte den Zug wegen seiner Kopfhörer einfach nicht gehört. Und erst im Februar kam eine 16-jährigen Schülerin beim Überqueren einer Bundesstraße in Rabel bei Kappeln ums Leben. Sie wurde von einem Auto erfasst. Auch in diesem Fall könnte die laute Musik die Ursache gewesen sein, heißt es von der Polizei.

Um solche Unglücke zu vermeiden, geht die Polizei in ganz Schleswig-Holstein  regelmäßig in Schulen, die  in der Nähe von Bahnübergängen liegen. „Wir möchten die Kinder über die Gefahren aufklären und ihnen das richtige Verhalten am Bahnübergang lehren“, erzählt Schindler. Grundsätzlich gilt: „Die Eisenbahn hat immer Vorfahrt.“ Der Bremsweg eines Zuges sei einfach viel zu lang. Selbst wenn der Lokführer eine Schnellbremsung einleitet, so wie es auch in Tinnum der Fall war, brauche der Zug einen Kilometer, bis er zum Stillstand kommt.

 Endet der Vorfall dann tragisch, brauchen nicht nur die Angehörigen eine psychologische Betreuung. Auch die Bahnmitarbeiter können traumatisiert sein. Deshalb schickt die Nord-Ostsee-Bahn (NOB) auch immer einen psychologischen Erstbetreuer mit an den Unfallort, der sich um die Lok- und Zugführer kümmert. „Wir lassen da niemanden alleine. Auch danach werden sie natürlich umfangreich betreut“, so Kay Goetze von der NOB.

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