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Sylter Rundschau

22. September 2017 | 13:40 Uhr

Kultur auf Sylt : Konvolut wertvoller Arbeiten

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Annette Ortlieb übergibt künstlerischen Nachlass ihres Großvaters Alfred Paulmann an Gemeinde und Heimatmuseum

von
erstellt am 30.Jun.2015 | 06:00 Uhr

„Es ist ein ganz wundervolles Konvolut wertvoller Arbeiten Ihres Großvaters, das Sie uns und auch der Gemeinde schenken“, sagte Dörte Ahrens, die Leiterin des Sylter Heimatmuseum bei der gestrigen Übergabe von Ölbildern, Aquarellen, Zeichnungen und Skizzenbüchern sowie Notizen und Zeitungsausschnitten aus dem Nachlass von Alfred Paulmann. Ebenso herzlich bedankte sich Peter Schnittgard bei Annette Ortlieb, der Enkelin des Sylter Künstlers: „Wir sind sehr stolz, dass an die Gemeinde gedacht wurde.“ Für das Ölgemälde „Bauernhof auf Sylt“ aus dem Jahr 1924 werde sich bestimmt ein würdiger Platz im Rathaus finden, sagte der Bürgervorsteher der Gemeinde. Er erinnerte auch daran, dass Paulmanns eindrucksvolles Werk der MS Europa von 1930 den Vorbereich des Standesamtes schmücke. Außerdem würden viele Sylter mit Wehmut an das sieben mal zweieinhalb Meter große Bild „Rettung aus Seenot“ des Malers denken, das früher in der Lesehalle des Westerländer Kurzentrums hing und leider bei dem verheerenden Brand im Jahr 1999 zerstört wurde, sagte Schnittgard.

Der Maler Alfred Paulmann stammte aus Wuppertal-Barmen, absolvierte an der dortigen Kunstgewerbeschule eine Ausbildung zum Bildhauer und Modellbauer und widmete sich von dieser Zeit an als Autodidakt der Malerei. Als Matrose der Kaiserlichen Marine befuhr er von 1902 bis 1906 die Weltmeere. Nachdem Vorgesetzte auf seine malerische Begabung aufmerksam wurden, erhielt er den Auftrag, für die Marinestation Wilhelmshaven 46 Wandbilder zu fertigen. Nach seiner Dienstzeit lebte Paulmann in den Elbmarschen und fuhr auch von dort aus einige Male zur See. Während des Ersten Weltkrieges wurde er bei der Marinedivision in Flandern und den Minenlegern eingesetzt. Aus dieser Zeit stammen bewegende Skizzen aus dem Alltagsleben der Frontsoldaten.

Nach dem Krieg lernte der Künstler die Sylterin Margarethe Lassen kennen. Das Paar heiratete 1921 und lebte zunächst in der Keitumer Süderstraße. Viele Gemälde und Kreidezeichnungen Paulmanns zeigen die charakteristischen Friesenhäuser . 1927 bezog das Paar ein eigenes Reetdachhaus in der Westerländer Feldstraße. Im selben Jahr war Paulmann auch bei der Ausschmückung des großen Festes zur Einweihung des Hindenburgdamms tätig. Waren die zwanziger Jahre für Künstler auf Sylt ohnehin wirtschaftlich schwer, wurden es die 1930er Jahre für Paulmann in politischer Hinsicht. Denn er gehörte zur Bekennenden Kirche und zum „Jungdeutschen Orden“, der wegen demokratisch-sozialromantischer Vorstellungen von den Nationalsozialisten 1933 verboten wurde.

„Mein Großvater hatte etwas Verwegenes, war ein großer Abenteurer“, erzählte Enkelin Annette Ortlieb, die viele Insulaner auch als Regisseurin des Films „Inseltöchter“ kennen. „Er hat zum Beispiel Alkohol von Helgoland für Sylter Restaurants geschmuggelt. Und hielt sich grundsätzlich nicht gerne an Konventionen.“ Für Dörte Ahrens und ihre Kollegen beginnt mit der Schenkung jedoch erst die Arbeit: „Wir haben jetzt Vieles aus verschiedenen Phasen. Das ergibt ein Gesamtbild von Paulmanns Schaffen.“ Für die Zukunft schwebe ihr eine Werkschau des Künstlers vor, sagte die Museumsleiterin.

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