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Breitners Pläne : Konkrete Schritte für bezahlbare Wohnungen auf Sylt

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Normalverdiener können sich Wohnraum auf Sylt bald nicht mehr leisten – das soll sich ändern. Sylter Gemeindevertreter beschließen die Eckpunkte einer Kooperationsvereinbarung mit dem Land.

Weiter voran geht es mit dem Masterplan für bezahlbaren Wohnraum, den Innenminister Andreas Breitner Mitte Juli bei seinem Inselbesuch vorgestellt hatte. Marcus Kopplin, der Betriebsleiter des zuständigen Kommunalen Liegenschafts-Management (KLM), präsentierte vergangenen Donnerstag auf der Gemeindevertretersitzung die Eckpunkte einer Kooperationsvereinbarung mit dem Land Schleswig-Holstein zur Verbesserung der geförderten Wohnraumversorgung in der Gemeinde Sylt. Diese Kooperation soll zeitnah schriftlich fixiert und dann durch die Führungsgremien der Gemeinde und der Landesregierung unterzeichnet werden.

Inhalt der Verhandlungen sind folgende drei Themenbereiche: 1. die Festlegung des Einsatzes finanzieller Mittel aus dem neuen Programm „Inselförderung“, 2. die Übernahme von drei Landesgrundstücken in Tinnum auf Erbpachtbasis zur Errichtung von zwölf Reihenhäusern mit Belegungsrechten für Landesbedienstete sowie 3. die Vereinbarung, in welchem Umfang und zu welchen Bedingungen dem Land Belegungsrechten zur Sicherung von Wohnraum für Personen der Daseinsvorsorge eingeräumt werden. Außen vor bleibt derzeit die mögliche Übertragung des Polizeihauses in Keitum an die Gemeinde Sylt. Laut Bürgermeisterin Petra Reiber besteht weiter Verhandlungsbedarf mit dem Kieler Finanzministerium über die Liegenschaft, deren Verkehrswert 1,6 Millionen Euro betragen soll.

Zur Ausgangslage heißt es in der Kooperationsvereinbarung zunächst lapidar, der Wohnungsmarkt auf Sylt sei hochgradig angespannt und das Wohnungsmarktkonzept habe bis 2025 einen Neubaubedarf von 2850 zusätzlichen Wohneinheiten ermittelt. Nach wie vor würden dabei Dauerwohnen, touristisches Wohnen sowie Zweitwohnen um zu bebauende Flächen konkurrieren. Neben den durch die Insellage bedingten höheren Baukosten verteuern insbesondere die Grundstücksknappheit und die daraus resultierenden hohen Preise den Wohnungsneubau.

Konkreter werden die künftig drohenden Probleme beschrieben: Laut einem aktuellen Gutachten des Landes liegen die Wohnungsmieten auf dem freien Markt der Insel durchschnittlich bei 18 Euro netto kalt je Quadratmeter, mit weiter steigender Tendenz. Von der Wohnraumproblematik besonders betroffen sind außer Menschen, die auf Transfereinkommen wie Sozialhilfe oder Arbeitslosengeld II angewiesen sind, auch Bezieher ganz normaler Einkommen, die häufig in der öffentlichen oder privaten Daseinsvorsorge beschäftigt sind. Durchschnittsverdiener seien, so die Analyse, nicht mehr in der Lage oder nicht länger bereit, die hohen Wohnkosten auf der Insel zu tragen. Diese Entwicklung gefährde einerseits die Funktion Sylts als wichtigsten Tourismusstandort des Landes, aber ebenso die Wahrnehmung von Landesaufgaben, weil zunehmend eine Abwanderung von Beschäftigten wie Lehrern oder Polizisten drohe. Land und Gemeinde wollen alles dafür tun, damit Landesbedienstete auf der Insel bezahlbaren Wohnraum finden und die von ihnen erbrachten öffentlichen Dienstleistungen gesichert sind. Deshalb ist die Umsetzung der Belegungsrechte des Landes ein zentrales Thema in den Verhandlungen.

Im Rahmen ihrer Offensive für bezahlbares Wohnen stellt die Landesregierung zunächst ein kommunales Förderbudget in Höhe von 20 Millionen Euro zur Verfügung. In dieser Höhe kann für Projekte auf Sylt eine Förderung des Neubaus von Miet- und Genossenschaftswohnungen in Anspruch genommen werden. Vorbehaltlich einer Kabinettsentscheidung kann das Förderkontingent bei Bedarf in den Folgejahren erhöht werden. Vorgesehen ist, dass im Programmzeitraum 2015 bis 2018 weitere 30 Millionen Euro bereitgestellt werden. Konkrete Planungen der Gemeinde Sylt sehen in den nächsten Jahren den Neubau von 211 Dauerwohnungen vor. Der Anteil geförderter Wohnungen beträgt etwa 60 Prozent. Das wären rechnerisch 126 Wohnungen, von denen gemäß den Vorgaben des Programms „Inselförderung“ 20 Prozent, also 25 Wohnungen, dem Belegungsrecht für Landesbedienstete unterliegen würden.

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erstellt am 23.Sep.2014 | 06:09 Uhr

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