Toilettenhäuschen : Klo ohne Abfluss: Posse am Kliff

85.000 Euro hat der Bau des rustikalen Toilettenhäuschens am Nösse-Parkplatz gekostet – Eröffnungstermin ungewiss. Foto: Deppe
85.000 Euro hat der Bau des rustikalen Toilettenhäuschens am Nösse-Parkplatz gekostet – Eröffnungstermin ungewiss. Foto: Deppe

Neues WC-Haus am Morsum Kliff bleibt geschlossen: Bei der Planung wurde übersehen, dass es an einer öffentlichen Abwasserleitung fehlt.

shz.de von
31. März 2010, 07:05 Uhr

Morsum | Das schönste Toilettenhäuschen nützt wenig, wenn es keinen Anschluss an das Abwassernetz hat. Diese Erfahrung macht seit Monaten der Insel Sylt Tourismus-Service am östlichsten Zipfel der Insel. Bereits seit Beginn des Winters steht am Rande des Nösse-Parkplatzes bereits ein rustikaler neuer Holzpavillon als Service für Spaziergänger im bislang toilettenlosen Naturschutzgebiet am Morsum Kliff. Wer es allerdings nutzen möchte, steht bislang vor verschlossenen Türen.
Beim Abwasseranschluss gibt es "Eigentumsprobleme"
"Wir haben auftragsgemäß ein Klohaus hingestellt, das jedoch nicht angeschlossen werden konnte", bringt Tourismusdirektor Peter Douven die Notlage auf den Punkt. Auftragsgemäß heißt in diesem Falle, dass der ISTS mit der Errichtung des Toilettenhäuschens eine noch zu Sylt-Oster Zeiten beschlossene Maßnahme geplant und umgesetzt hat. Offensichtlich sei bei der Planung jedoch niemandem aufgefallen, dass es beim Abwasseranschluss "Eigentumsprobleme" gebe, so Douven. Mit anderen Worten: Bei ISTS, Gemeinde und EVS war man davon ausgegangen, dass die zum Hotel-Restaurant Morsum Kliff führende Leitung öffentlich sei.

Eine Sichtweise, die Betriebsinhaber Rudolf Schwenn allerdings nicht teilte. "Als das Haus hier 1983 gebaut wurde, gab es nur eine Klärgrube. Der damalige Eigentümer hat dann eine Druck-Abwasserleitung bis zur Bahnbrücke legen lassen, für die wir bis heute voll unterhaltspflichtig sind." Darauf habe er bereits vor eineinhalb Jahren hingewiesen, als er von den Plänen für ein Toilettenhaus erfuhr. Dennoch sei im vergangenen Jahr ohne öffentliches Leitungsrecht mit dem Bau begonnen worden.
Ein Lösungsangebot liegt vor
Obwohl Schwenn keinen Hehl daraus macht, dass ihm ein von außen zugängliches öffentliches WC in seinem Restaurant lieber gewesen wäre, als die Vandalismus-anfällige Holzhütte, betont er: "Wir stehen der Sache nicht im Wege und haben Gemeinde und EVS ein Lösungsangebot gemacht." Damit steht die Gemeinde jetzt vermutlich vor der Wahl, für ein einzelnes Klo-Häuschen eine kilometerlange Abwasserleitung zu übernehmen oder für 85 000 Euro ein Plumpsklo in die Landschaft gesetzt zu haben.

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