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Serie Zurückgeblättert : Kleinkrieg um jeden Quadratmeter

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Heute geht es um Profitgier, tragische Unfälle, fleissige Sylter Postboten und einen Wachwechsel auf dem Fliegerhorst

Wie Sylt wurde, was es ist: In unserer Serie „Zurückgeblättert!“ lässt Autor Frank Deppe anhand von gesichteten Zeitungsbänden des Sylter Archivs die jüngere Vergangenheit der Insel wieder lebendig werden.

Sylt im Oktober 1980. Begehrliches Bauland – das war schon vor 34 Jahren ein heikles Thema. „In einigen Sylter Ortschaften gibt es einen regelrechten Kleinkrieg um jeden Quadratmeter, bei dem die Aussicht besteht, dass er noch bebaut werden kann“, schrieb die Sylter Rundschau und verwies auf einen Fernsehbericht des Sylter TV-Journalisten Erwin Kruse. Dieser widmete sich explizit der Entwicklung Keitums, „das sich nachteilig verändert“.

In dem Film, so die Rundschau, „kommen Einwohner zu Wort, die es sich zum Ziel setzen, der Profitgier nicht tatenlos das Feld zu lassen.“ Zu Wort kamen dabei Uwe Petersen als Vorsitzender der Söl'ring Foriining, die Keitumer Traute und Eckhard Meyer, Margot und Boy Lornsen sowie Maike Ossenbrüggen. Das Credo: „Was einmal bebaut ist wurde, ist der Natur unwiderruflich genommen. Aufgabe ist es daher, den Nachfolgenden alle Zukunftschancen zu erhalten.“

Düster sah die Zukunft für den Sylter Automobil-Club aus: Der Ableger des ADAC hatte 100 000 Mark Schulden angehäuft. Unter anderem hatte ein Rennen auf dem Flugplatz ein kräftiges Defizit eingefahren.

Eine tragische Entdeckung machte ein Autofahrer frühmorgens am Ortseingang von Hörnum: Ein „Mercedes“ lag überschlagen in den Dünen, der 19-jährige Fahrer war tot. Das Fahrzeug, das wegen überhöhter Geschwindigkeit von der Straße abgekommen war, hatte ein Sylter am Tag zuvor als gestohlen gemeldet.

In Kampen hatte derweil die Feuerwehr alle Hände voll zu tun: Ein schweres Gewitter setzte ein Reetdachhaus am Ortsrand in Flammen, das bis auf die Grundmauern nieder brannte. Geschätzter Schaden: 2,5 Millionen Mark. Ein Stück weiter nördlich gab es hingegen Grund zu feiern: Anlässlich des 300-jährigen Jubiläums der Lister Zollstelle wurde im „Haus des Kurgastes“ eine Ausstellung eröffnet, die mittels Dokumenten und Exponaten einen historischen Abriss gab.

In der Inselmetropole trug der Tennisclub Westerland seine erste Vereinsmeisterschaft aus. Von den 520 Mitglieder traten 127 Spieler an. „Herausragend war das Abschneiden der spielstarken Jugendlichen, die sieben der insgesamt zwölf Finalisten stellten“, vermeldete die Zeitung. Altes Kopfsteinpflaster der Westerländer Wilhelmstraße fand einige hundert Meter weiter neue Verwendung: Es bildete nun den Untergrund der umfassend sanierten Gartenstraße. Zusammen mit dem neuen Bürgersteig und filigranen Laternen wurde die Straße zu einem Schmuckstück.

Die Sylter Postämter blickten auf eine arbeitsreiche Saison zurück: Die 114 Mitarbeiter wurden durch 50 Saisonkräfte verstärkt. 3,1 Millionen Briefe galt es zwischen Mai und September auf der Insel zuzustellen, 34 Fahrzeuge waren im Dauereinsatz. Auch für viele andere Sylter war die Saison anstrengend und sie gönnten sich einen Urlaub in den Herbstferien. Während sich der Tinnumer Gastronom Hans-Dietrich Stricker auf den Schwarzwald freute, reisten Westerlands Bürgermeister Volker Hoppe in den Harz.

Wachwechsel: Auf dem Marinefliegerhorst wurde der Kommandeur Eduard Wismeth feierlich verabschiedet und sein Nachfolger Siegfried Formanski ins neue Amt eingeführt, bei dem es jährlich rund 2 000 Lehrgangsteilnehmer zu betreuen galt. Und auch in Westerland wurde Abschied gefeiert: Revierleiter Johannes Schröder entließ den Polizeibeamten Heinz Golombek in den Ruhestand. 40 Jahre lang hatte dieser vorwiegend auf Sylt seinen Dienst versehen.

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erstellt am 07.Okt.2014 | 06:38 Uhr

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