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Sylter Rundschau

23. September 2017 | 20:22 Uhr

Werkstatt 36 : Kleines Team mit großer Wirkung

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Die gemeinnützige Werkstatt 36 im Tinnumer Gewerbegebiet feiert zehnjähriges Jubiläum

shz.de von
erstellt am 11.Sep.2017 | 04:16 Uhr

Für viele ist sie noch immer ein echter Geheimtipp, obwohl sie bereits seit zehn Jahren ihre Türen geöffnet hat: die Werkstatt 36 in der Keitumer Landstraße. Das vierköpfige Team aus Sozialpädagogen, Verwaltungskräften und Handwerkern hat es sich hier zur Aufgabe gemacht, langzeitarbeitslosen Syltern bei der Rückkehr ins Berufsleben zu helfen.

2007 vom damaligen Leiter des Diakonischen Werks Südtondern, Heiner Jensen, ins Leben gerufen, gehört die Einrichtung zur Abteilung für berufliche und soziale Integration (BSI) des Diakonischen Werks Südtondern gGmbH. Durch fachliche und soziale Qualifizierung soll den Teilnehmern dieser Maßnahme die selbstständige Lebensgestaltung und berufliche Eingliederung erleichtert werden. „Unsere Teilnehmer sind Hartz-IV-Empfänger, die vom Sozialzentrum an uns vermittelt werden und für zwölf Monate bei uns bleiben“, erklärt Sozialpädagogin Mareike Böhm, die die Werkstatt 36 seit zehn Jahren leitet. „Die Idee dahinter war, eine Begegnungsstätte zu schaffen, die den Menschen eine neue Perspektive eröffnet. Sie erlernen hier nicht nur handwerkliche Tätigkeiten, die sie später gut gebrauchen können, sie lernen vor allem, ihren Alltag zu strukturieren und sich einer Gruppe anzuschließen.“ Das ist nicht immer leicht, denn die Langzeitarbeitslosen tragen meist ein großes Paket an Sorgen, Nöten und Problemen mit sich herum, das einen geregelten Alltag kaum noch möglich macht. „Unsere Aufgabe ist vor allem die Motivation der Teilnehmer, denn nur wer bereit ist, sich auf uns einzulassen, dem können wir auch helfen“, so Mareike Böhm.

In enger Zusammenarbeit mit dem Sozialzentrum Sylt und dem Beratungs- und Behandlungs-Zentrum Sylt (BBZ) kann jedem Teilnehmer eine individuelle Unterstützung geboten werden. Maximal zehn Arbeitsplätze hat die Werkstatt 36 jedes Jahr zu vergeben – und damit zehn Mal die Chance, sein Leben wieder in den Griff zu bekommen. „Gearbeitet wird hier von 8 bis 16.30 Uhr. Jeder Teilnehmer hat sein eigenes Projekt, das er mit Hilfe unseres Tischlers Jan Lindemann-Rathjen fertig bekommen sollte“, erklärt Mareike Böhm die Abläufe. „Bei uns können alte Möbel und Hausrat aller Art abgeben werden, die dann von uns restauriert und repariert werden, um die aufgearbeiteten Stücke dann in unserem Laden für kleines Geld zu verkaufen. Wir machen damit zwar keinen Gewinn, doch ohne den Laden könnten wir das alles hier gar nicht tragen.“

Und dieser Laden kann sich sehen lassen, denn Uromas Anrichte in Eiche rustikal erstrahlt hier in ganz neuem Glanz und auch aus einem dreibeinigen Deko-Schaf wird mit frischer Farbe und neuem (Stuhl-)Bein ein echter Hingucker für den Garten. Vom Schlafsofa bis zum Geschirr kann man hier alles finden, was man für einen funktionierenden Haushalt so braucht und auch für Bücher, Bilder und Dekoration ist gesorgt. „Unsere Leute werden fachlich in der Holz- und Oberflächenbearbeitung so geschult, dass sie sich später als Handwerksgehilfe in den Betrieben bewerben können”, erklärt die Abteilungsleiterin „und ungefähr 30 Prozent unserer Teilnehmer schaffen tatsächlich die Rückkehr auf den ersten Arbeitsmarkt und damit in ein normales Leben.“

In den zehn Jahren, die hinter ihnen liegen, ist das Team eng zusammen gerückt und freut sich auf weitere zehn erfolgreiche Jahre. „Wir würden uns wünschen, dass wir noch einen Anbau realisieren können, denn sowohl die Werkstatt als auch der Laden hätten dringend mehr Fläche nötig“, berichtet Beatrix Kordas, die für die Logistik des Werkstattladens zuständig ist. „Da seit dem 1. September nicht mehr nur acht sondern zehn Teilnehmer handwerklich geschult werden, ist es bei uns ziemlich eng geworden”. Da es auch finanziell immer eng ist, wird ein 60 Quadratmeter großer, schöner Raum im Dachgeschoss vermietet. „Er eignet sich perfekt für Yoga- oder Tanz-Kurse, Lesungen oder Seminare, denn nach 17 Uhr ist es hier schön still“, sagt Mareike Böhm, die sich auch noch einige ehrenamtliche Helfer wünschen würde, um die Arbeit zu unterstützen. „Wir können zwar kein Geld dafür zahlen, aber Kaffee und Kuchen und einen netten Schnack haben wir hier immer übrig!“


Weiter Infos in der Werkstatt 36, Keitumer Landstraße 36, Tinnum, Tel. 04651/ 8357381. Geöffnet Mo-Fr 9-17 Uhr. www.dw-suedtondern.de

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