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Flüchtlinge auf Sylt : Klares Signal für ein offenes Sylt

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Mit einem Gottesdienst in St. Severin und einem Konzert des Chors Asyl–T feierte die Gemeinde Keitum den Höhepunkt der interkulturellen Woche.

„Ich freue mich über die Offenheit und über die Freundlichkeit der Sylter“, sagte Abdimalik Yusuf am Freitagabend. „Ich bin hier familiär aufgenommen worden und schaue meiner Zukunft auf der Insel sehr positiv entgegen.“ Der 22-jährige Somalier, der seit Juli 2014 auf Sylt lebt und inzwischen in einer festen Anstellung im Teehaus Janssen arbeitet, war einer der Sänger beim umjubelten Auftritt des „Asyl–T Chors“ im Pastorat der Kirchengemeinde St. Severin.

„Refugees welcome“ lautete das Motto des bundesweiten Tags des Flüchtlings, der jährlich während der interkulturellen Woche begangen wird. Die Keitumer Kirchengemeinde feierte diesen Tag mit einer Veranstaltung, die ein klares Signal für ein offenes Sylt mit einer herzlichen Willkommenskultur setzt. Ein Gottesdienst in St. Severin eröffnete den Abend. Pastorin Susanne Zingel führte durch das Programm, gemeinsam wurde gesungen, gelesen und dem Schicksal der Menschen gedacht, die zur Zeit auf Sylt und anderswo um Asyl bitten. Im Altarraum präsentierte sich ein Wegweiser aus Treibholz, den die Firma „Meerweg“ zu diesem Anlass gestaltet hatte. Das 2,50 Meter hohe, imposante Gebilde zeigt die Entfernungen zu Destinationen, aus denen Flüchtlinge auf die Insel gekommen sind. „Extrem viele Asylsuchende kamen über das Meer zu uns nach Deutschland, sind umher getrieben wie Treibholz“ sagt Christoph Tamblé von „Meerweg“. „Da lag es nahe, aus hier angeschwemmten Dingen dieses Denkmal herzustellen.“

Nach einer Stunde in der Kirche wurde die Veranstaltung im Keitumer Pastorat fortgesetzt, wo bereits jeder Sitzplatz belegt war. Hier warteten Abdimalik Yusuf und die anderen Mitglieder des „Asyl–T Chors“ darauf, ihr Repertoire vorzutragen. Die Liedermacherin Sabine Krüger hatte den Chor im Januar ins Leben gerufen, damals war sie mit ihrer Tochter, einer Gitarre und Herzklopfen in die Flüchtlingsunterkunft im Westerländer Sjipwai gegangen, um mit den Asylsuchenden zu musizieren. „Wir wurden dort sehr dankbar und herzlich empfangen. Daraus hat sich ein Singkreis ergeben, der inzwischen jeden Freitag im Teehaus stattfindet und zu dem jeder herzlich eingeladen ist.“ Am vergangenen Freitag jedoch wurde die wöchentliche Probe im Pastorat kurzerhand zum Konzert umgewandelt. Bei der Mixtur aus deutschen Liedern, Evergreens und Kompositionen aus den Herkunftsländern der Chormitglieder sprang der Funke zum Publikum schnell über: Dank verteilter Noten und Texte wurde aus dem Konzert ein Mitmach-Event, am Ende sogar eine Jam-Session aller Beteiligter.

„Wie kommen wir zusammen?“ hatte Pastorin Zingel zum Beginn der Andacht in der Kirche St. Severin am Freitagabend gefragt? Ihre eigene Veranstaltung und die Resonanz der Sylter hat diese Frage bestens beantwortet.

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erstellt am 05.Okt.2015 | 05:30 Uhr

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