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Sylter Rundschau

18. Dezember 2017 | 13:57 Uhr

Sylter Strandgut : Klare Worte für die Insel

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Kann ja keiner ahnen, dass mit "kostenpflichtigen Erotikleistungen" Prostituition gemeint ist... In der SR-Kolumne geht's diesmal um vermeintliche Sylter Verständnisschwierigkeiten.

von
erstellt am 01.Feb.2014 | 15:00 Uhr

Es gibt so viele Unklarheiten auf der Welt, die das Leben unübersichtlich und nervig machen. Gelegentlich wünscht man sich deshalb amerikanische Verhältnisse. In den USA werden Unklarheiten souverän abgeschafft. Deshalb explodieren dort auch keine Katzen mehr – amerikanische Mikrowellen werden mit der Aufschrift versehen „Nicht zum Trocknen von Tieren verwenden“. Soweit bekannt, explodieren auf Sylt auch keine Katzen. Unklarheiten gibt es trotzdem. Dabei wäre es doch hübsch, wenn zumindest das Leben auf der Insel geprägt wäre von einer Kultur der klaren Worte. Sonst passiert Murks.

Solange beispielsweise das Kommunale Liegenschafts-Management nicht in riesigen Lettern „Untervermieten verboten“ an die Wände aller gemeindeeigenen Wohnungen pinseln lässt, darf sich keiner wundern, wenn dort den größten Teil des Jahres Urlauber aus Wuppertal hausen. Und wer kann als Mitglied des Bauausschusses schon ahnen, dass es um einen Puff geht, wenn in einer Bauvoranfrage von einem„exklusiven Club mit bordellähnlichem Charakter“ die Rede ist, in dem „kostenpflichtige Erotikleistungen“ angeboten werden? Ein echter Gentleman ist völlig überrascht, wenn er Jahre später darauf hingewiesen wird, worüber er da abgestimmt hat.

Ist die verständliche Unklarheit beseitigt, kann der Kampf gegen die Verwahrlosung der Sylter Sitten aufgenommen werden. Sylt wird zum Sperrbezirk, als Prostituierte auf der Straße zu arbeiten ist damit verboten. Als Prostituierte „erotische Dienstleistungen“ in einem „exklusiven Club“ anzubieten, ist allerdings weiter legal. Aber egal: Sperrbezirk – das klingt nach klaren Verhältnissen und irgendwie gut, das wusste schon die Spider Murphy Gang. Dass man sich als glamouröses Sylt in Sachen Anti-Prostitutions-Aktivismus ein Beispiel am unglamourösesten Ort Deutschlands – Neumünster – nehmen muss, ist dagegen schon wieder fragwürdig. (Die trübe Stadt war die erste, die sich einen Sperrbezirk gönnte). Abgesehen davon muss auf das gute Stück natürlich öffentlich hingewiesen werden – sonst hat’s am Ende wieder keiner gewusst. Sinnvoll wären rot blinkende Schriftzüge an sämtlichen Ortseingängen der Gemeinde.

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