Dehoga-Jahrestreffen auf Sylt : Klare Worte an die Politik

Dehoga-Landesverbandstag im Wenningstedter Kursaal – im Vordergrund die Sylter Delegierten mit Stephan Beck (li.)
Dehoga-Landesverbandstag im Wenningstedter Kursaal – im Vordergrund die Sylter Delegierten mit Stephan Beck (li.)

Zum Abschluss des dreitägigen Dehoga-Treffens auf Sylt hielt Präsident Axel Strehl eine Rede.

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26. März 2015, 05:38 Uhr

In einer engagierten Rede zum Abschluss des Verbandstages 2015 des Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga Schleswig-Holstein forderte Präsident Axel Strehl von der Politik Korrekturen des neuen Mindestlohngesetzes und auch des Arbeitszeitengesetzes. „Fleissig sein in Deutschland ist nicht mehr erlaubt. Doch was machen Frau oder Mann, wenn sie sich etwas mehr leisten wollen, aber offiziell nicht mehr arbeiten dürfen?“, fragte Strehl die gut 100 Gäste des Galaabends „Sylt trifft Festland“ im Wenningstedter Kursaal – und lieferte auch gleich seine ironisch-bittere Antwort: „Dann geht man eben schwarz arbeiten. Herzlichen Glückwunsch, ein tolles Gesetz. Das ist Planwirtschaft.“

Mit Blick auf eine mögliche Olympiade, die im Jahr 2024 in Hamburg und an der Ostseeküste stattfinden könnte, erklärte Strehl, dass die Vorfreude darauf natürlich auch in der Hotel- und Gastrobranche groß sei. Er stellte jedoch in Frage, ob „Deutschland denn überhaupt Olympia kann im Zeichen der Planwirtschaft“. Ein solcher Mammut-Event wäre nur möglich, wenn Tausende Freiwillige – in London seien 2012 zum Beispiel 70  000 so genannte Volunteers im Einsatz gewesen – viele Stunden am Tag und mehr als 48 Stunden in der Woche unentgeltlich arbeiten dürften. „Das alles aber geht nicht laut Mindestlohngesetz“, sagte der Dehoga-Präsident. „Wenn wir Olympia bei uns wirklich wollen, dann muss das MiLoG abgeschafft oder zumindest geändert werden.“

An die Adresse der Landesregierung richtete er die Frage, warum Schleswig-Holstein die Nummer Eins in Deutschland bei Betriebsprüfungen im Gastgewerbe sei. „Wer viel mit Bargeld zu tun hat, steht hier wohl unter Generalverdacht“, vermutet Strehl. Bereits formelle Mängel würden ausreichen, um Betriebe zu schätzen und somit hohe Nachzahlungen zu erreichen. Er warf Finanzministerin Monika Heinold vor, damit gewachsene Strukturen zu zerstören und Gastronomen den Weg in die Selbständigkeit zu erschweren.

Die Kritik des Dehoga-Präsidenten ging aber auch in Richtung Brüssel. Die EU würde vieles Zweifelhafte entscheiden, das den Verbandsmitgliedern Kopfschmerzen bereite: „Nach dem Glühlampenverbot und der Verordnung der Staubsaugerleistungsdrosselung kam die Kennzeichnungspflicht allergener Stoffe“, klagte Strehl. „Ausgerechnet zum Super-Termin 13. Dezember, mitten im Weihnachtsgeschäft, musste das umgesetzt werden.“ Viele Stunden Arbeit seien in Restaurants und Hotels investiert worden, um die Listen pünktlich auslegen zu können. „Und heute nach drei Monaten stellen wir ernüchtert fest: Es interessiert keinen Gast. Also wieder ein Gesetz, das keiner braucht – weg damit“, forderte der schleswig-holsteinische Verbandschef unter dem zustimmenden Beifall der Delegierten.

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