zur Navigation springen
Sylter Rundschau

26. September 2017 | 02:26 Uhr

„Klänge, die ihrer Zeit voraus waren“

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Justus Frantz gibt morgen Abend ein Konzert im Friesensaal / Im Interview spricht der Star-Pianist und Dirigent über sich und seine Projekte

shz.de von
erstellt am 18.Apr.2014 | 16:19 Uhr

Justus Frantz ist Dirigent, Pianist und einer der bekanntesten Klassik-Interpreten unserer Zeit. Am Ostermontag, 21. April, ab 19 Uhr ist er im Keitumer Friesensaal mit einem Klavierabend zu Gast. Im Interview mit der Sylter Rundschau erzählt er von seiner Liebe zur Klassik, seinen neuen Projekten und seinem Engagement für die Jugendarbeit.

Bei Ihrem Klavierabend werden Sie diesmal Mozart spielen. Was erwartet die Besucher im Kulturhaus Sylt?
Auf meinem Programm stehen die Sonaten F-Dur, a-moll und A-Dur. Diese Auswahl verbindet die wohl schönsten Solo-Stücke Mozarts für Klavier. Ich liebe seine Werke. Mozart ist für mich das Genie unter allen Komponisten und gleichzeitig sehr avantgardistisch. Seine Musik ist so voller Kontraste und Überraschungen, dass sie unglaublich modern ist. Er hat Klänge erschaffen, mit denen er seiner Zeit gut 200 Jahre voraus war.

Am Mittwoch waren Sie in Rom bei Papst Franziskus. Welchen Anlass hatte diese Audienz?
Ich war wegen der Vorbereitungen des Internationalen Festivals geistlicher Musik und Kunst im Vatikan. Die Philharmonie der Nationen, deren Chefdirigent ich bin, und ein großer interreligiöser Chor sind eingeladen, am 25. Oktober 2014 das Abschlusskonzert im Petersdom mit Mahlers wunderbarer „Auferstehungssinfonie“ zu gestalten. Eine große Ehre und ganz besondere Auszeichnung!

Seit einem halben Jahr sind Sie auch Chefdirigent der Israel Sinfonietta – noch immer nicht selbstverständlich für einen Deutschen …
Ich bin der erste christliche Deutsche, der im Heiligen Land eine solche wichtige Position bekommen hat. Das Orchester wird noch vergrößert, hat aber schon einen guten Namen. Es ist mein Ziel, es zu einem bedeutenden Klangkörper zu machen. Ich möchte damit ein Symbol setzen. Wir hatten im März ein Brahms-Festival, bei dem Christen, Juden und Muslime gemeinsam gespielt haben. Das war für mich ein ganz wichtiges intensives Erlebnis. Die Gegend um Israel ist so sehr mit Hass verkettet, könnte zu einer Lunte für die ganze Welt werden. Das wäre unvorstellbar und muss unbedingt verhindert werden. Ich weiß, Musik ist nur ein Tropfen im Ozean, aber ein solches Friedenssymbol hat eine große Wirkung!

Auch in China soll es künftig ein multinationales Orchester geben. Was zieht Sie nach Fernost?
In der Nähe von Beijing, am Drachensee, entsteht derzeit ein neues Festivalgebäude. Ich werde dafür ein Friedensorchester aufbauen, quasi als Asiatische Schwester der Philharmonie der Nationen. Denn auch in Asien gibt es ja immer wieder kriegerische Konflikte, deshalb wollen wir dort ein leuchtendes Zeichen für den Frieden setzen – ganz im Sinne Leonard Bernsteins: „Let’s make music as friends“!

Sie engagieren sich sehr in der Jugendarbeit, geben unentgeltliche Schülerkonzerte. Warum ist Ihnen dies so wichtig?
Ich stelle fest, dass junge Menschen heutzutage viel zu wenige Chancen haben, die Musik kennen zu lernen, an die ich aus tiefstem Herzen glaube: eine differenzierte und menschliche Musik und nicht die kommerzielle Musik, die einen flüchtigen Mainstream bedient. Nur derjenige, der beide Musikarten kennt, hat die Freiheit, sich zu entscheiden. Und ich sehe meine Aufgabe, ja meine Verpflichtung darin, jungen Leuten wahrhaft künstlerische klassische Musik nahe zu bringen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen