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Im Fokus : Kirche soll Unrecht beim Namen nennen

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Als einer von zwei Kandidaten könnte er die Nachfolge von Bischof Dr. Hans-Christian Knuth aus Schleswig antreten. Der Altonaer Propst Dr. Horst Gorski referierte in St. Nicolai zur "Kirche im 21. Jahrhundert".

Westerland | Die Kühle im Kircheninneren von St. Nicolai nach einem hochsommerlichen Tag am Mittwochabend war erfrischend. Geradezu herzerfrischend war der Vortrag des Hamburg-Altonaer Propstes Dr. Horst Gorski zum Thema "Quo vadis? - Kirche im 21. Jahrhundert", den er vor etwa 50 Besuchern im Rahmen des Kirchenjubiläums hielt.
Fraglich, ob einzig die Thematik das Besucherinteresse weckte, denn Gorski ist einer der beiden Kandidaten für die Nachfolge von Bischof Dr. Hans-Christian Knuth aus Schleswig. Wie auch immer: Kräftiger Applaus setzte am Schluss ein, als der Referent mit den Worten des ermordeten mittelamerikanischen Bischofs Roméro seine persönliche Vision von Kirche als "Lösungsansatz" vorstellte: Störfaktor in der Gesellschaft zu sein, Unrecht beim Namen nennen und Heil sein für die krisengeschüttelten Menschen.
Die Rede war auch von den Reflexionen des Glaubens

Klar und eindeutig, dabei durchaus humorvoll und anschaulich, hatte Gorski zuvor die Zuhörer angesprochen: Von den Aufgaben der Gemeinde war ebenso die Rede wie von Reflexionen über den Glauben. Diese vermeintlich "schwere Kost" brachte der Altonaer Propst als geübter Prediger auf recht elementare Art zur Sprache. So beschrieb er die Probleme der heutigen Kirche, etwa die Konkurrenz vieler Freizeitangebote und die Gefahr, mittels Billardspiel oder Kaffeerunden selber nur noch Freizeitgestalterin zu werden. Diesem versorgungs- und beschäftigungstherapeutischen Verständnis von Kirche setzte er die Forderung entgegen, das menschliche Sinnverlangen ernster zu nehmen und diakonisches Handeln in der Gemeinde viel stärker zu initiieren.
"Religion muss im Dialog stehen"

Bemerkenswert, dass der evangelische Theologe den Katholiken Karl Rahner und dessen Gedanken vom Glauben als Erfahrung recht nachvollziehbar das Wort redete. Davon ausgehend nahm er manchen protestantischen Hauptgottesdienst mit seiner oftmals extrem hohen Wort- und Redelastigkeit kritisch ins Visier, der keinen Raum böte für die meditative Stille.

Anspruchsvoll die Ausführungen zur gesellschaftlichen Rolle von Kirche: Über Max Weber,Habermas, Kardinal Ratzinger, Paulus und Luther reichte der gedankliche Bogen, der das Verhältnis Staat/Kirche ebenso berührte wie das interkulturelle Wesen von Kirche. Er mündete ein in die Forderung: "Religion muss im Dialog mit der kritischen Vernunft stehen, sonst wird sie zum Fundamentalismus!"
"Institutionen gehen an ihren Erfolgen zu Grunde"

Der französische Schriftsteller Montesquieu schriebt, dass Institutionen an ihren Erfolgen zu Grunde gingen - ein bedenkenswerter Aphorismus. Nach Gorskis Verständnis dürfte das für die Institution Kirche dann der Fall sein, wenn sie die Zeichen der veränderten Zeit ebenso verschläft, wie sie ihren eigentlichen Auftrag vergisst.

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erstellt am 04.Jul.2008 | 09:16 Uhr

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