Brunsbüttel : Kernkraftwerk wird ab 2015 abgerissen

In spätestens 30 Jahren will Betreiber Vattenfall an der  Elbe wieder eine grüne Wiese schaffen. Foto: Ruff
In spätestens 30 Jahren will Betreiber Vattenfall an der Elbe wieder eine grüne Wiese schaffen. Foto: Ruff

Die letzten Brennstäbe aus dem Abklingbecken des Atomkraftwerks Brunsbüttel sind ins Zwischenlager gebracht worden. Bis 2015 soll auch der Reaktor brennstofffrei sein.

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23. November 2012, 08:03 Uhr

Brunsbüttel | Unten brennt es nicht mehr. Ein paar Meter unter Knut Frisch liegt das, wofür Deutschland noch keine Lösung gefunden hat. Der Leiter des Kernkraftwerks Brunsbüttel schaut ein wenig wehmütig auf die abgebrannten Brennstäbe aus dem Reaktor, die seit Jahren im Abklingbecken liegen. Seit Mittwoch ist dieses Abklingbecken leer, die Brennstäbe im Castorbehälter ins Zwischenlager gebracht, das rund 400 Meter neben dem Kraftwerk steht. Bis 2015 will der Konzern noch zwölf weitere Castoren erhalten, um auch die 517 Brennelemente aus dem Reaktor ins Zwischenlager bringen zu können. Danach soll schrittweise der Rückbau des Kraftwerks zur grünen Wiese erfolgen. 20 bis 30 Jahre könnte das noch dauern, meint Frisch.
Der Energiebetreiber Vattenfall will aber schon jetzt zeigen, dass er es ernst meint mit dem Rückbau des Kraftwerks, den das Unternehmen Anfang des Monats bei der Kieler Atomaufsicht beantragt hat. Und doch weiß niemand, wo der strahlende Müll endgelagert werden soll. Wenn die Altlasten in den Zwischenlagern für schwach- und mittelradioaktive Abfälle in Brunsbüttel nicht woanders entsorgt werden, reichen die Kapazitäten niemals für den beim Rückbau anfallenden Atommüll.

Vattenfall will Entschädigungen von der Bundesregierung

"Das ist eine Frage, die wir alle mit der Politik gemeinsam beantworten müssen", sagt Pieter Wasmuth, Generalbevollmächtigter von Vattenfall für Hamburg und Schleswig-Holstein. Der Konzern habe kein Problem, den Rückbau und die Suche nach einem Endlager zu bezahlen, finden müssten es aber andere. Geld ist in der Tat kein Problem für Vattenfall, der Konzern hat in diesem Jahr eine Renditeerwartung von neun Prozent. Das Geld für den bis zu einer Milliarde Euro teuren Rückbau des Kraftwerks hat Vattenfall bereits zurückgelegt. Und die Anlage ist längst abgeschrieben, bis zu seiner Abschaltung im Jahr 2007 soll es bis zu einer Million Euro pro Tag in die Kassen der Betreiber gespült haben.
Um Geld geht es auch beim zweiten abgeschalteten Kernkraftwerk in Schleswig-Holstein. Für Krümmel hat Vattenfall noch keinen Antrag auf Rückbau gestellt und will es so bald auch nicht tun, wenn man den verklausulierten Sätzen Wasmuths glaubt. Denn Vattenfall will Entschädigungen von der Bundesregierung für den vorzeitigen Entzug der Betriebsgenehmigung und die Untersagung des Verbrauchs der Reststrommengen - wieviel sagt der Konzern nicht. Partner Eon will jedenfalls acht Milliarden Euro haben. Und bis in diesen Verfahren eine Entscheidung fällt, wird es wohl keinen Antrag auf Rückbau von Krümmel geben, auch wenn bei Vattenfall niemand glaubt, dass der alte Meiler an der Elbe nochmal ans Netz geht.
In Brunsbüttel wird mit dem Abbau der Brennelemente auch Knut Frisch das Kraftwerk verlassen. Der 60-Jährige geht in Pension, wie viele seiner Kollegen, die fast vom Beginn des Betriebs Ende der 70er Jahre dort gearbeitet haben. Frisch tut es leid, dass ein "funktionierendes Werk" nun demontiert wird, die Brennstäbe im Wert von rund 500 Millionen Euro abgebaut werden. Und der atomare Müll? Darauf hat der Kraftwerksleiter seine eigene Sicht. Der sei zwar hochgiftig, aber aus physikalischer Sicht werde ja nur Energie frei. So kann man das wohl nur sehen, wenn man ein Leben lang im Kernkraftwerk gearbeitet hat.

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