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„Schandmal von Sylt“ : Keitumer Thermenruine: Abriss beginnt in zwei Wochen

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Bevor die Bagger anrücken, steht noch einiges auf dem Programm. Schwingungssensoren sollen die umliegenden Gebäude schützen.

Das lange Zeit Unglaubliche wird immer wahrscheinlicher: Bereits in zwei Wochen könnte es losgehen mit dem Abriss der Keitumer Thermenruine. Nach Prüfung aller Angebote der öffentlichen Ausschreibung für die Abbrucharbeiten habe das Fachunternehmen Ehlert & Söhne mit Sitz in Hamburg den Zuschlag erhalten, teilte Marcus Kopplin im Gespräch mit der Sylter Rundschau mit.

Bevor Bagger, Betonbrecher und Transport-Lkw sowie Abriss-Experten aber tatsächlich anrücken und mit der sehnlichst erwarteten Beseitigung des „Schandmals der Insel“ beginnen können, müssten zwei weitere Voraussetzungen erfüllt sein: Erstens muss in allen umliegenden Wohn- und Gewerbegebäuden von Friesensaal und Kindergarten bis zur Kreuzung Am Tipkenhoog/Melnwai/Am Kliff eine so genannte Beweissicherung des baulichen Ist-Zustandes vorgenommen werden, um später gegebenenfalls klären zu können, ob dort Schäden durch Erschütterungen des Abbruchs entstanden sind, erläuterte der Betriebsleiter des für den Abriss zuständigen Kommunalen Liegenschafts-Managements.

Die Termine dafür laufen bereits, sind allerdings besonders im Objekt „Alte Mühle“ recht zeitaufwändig, weil es dort viele unterschiedliche Eigentümer von Zweitwohnungen gibt. Vor Beginn der eigentlichen Arbeiten werden außerdem an verschiedenen Stellen rings um das Thermenareal Schwingungssensoren aufgestellt. Diese „Seismographen“ seien während des gesamten Abbruchvorgangs aktiv und würden bei übermäßigen Erschütterungen sofort Signale an die Bauarbeiter aussenden, um so mögliche Beschädigungen zu unterbinden.

Zweitens steht noch die Genehmigung der Unteren Naturschutzbehörde (UNB) des Kreises Nordfriesland aus, überwiegende Mengen des Abbruchmaterials der Thermenruine dort belassen und zur anschließenden Modellierung des Geländes verwenden zu dürfen. Allerdings hätten Untersuchungen bereits ergeben, dass der Bauschutt „super sauber“ sei, wie KLM-Projektleiter Rüdiger Krtschek es bezeichnete. Die Belastung läge beim geringstmöglichen Wert Z0 für absolut unbelastet. „Wir gehen also davon aus, dass nur das Notwendigste abtransportiert werden muss“, ergänzte Kopplin. „Es ist ja auch ein wichtiger Aspekt pro Umweltschutz, dass keine 400 Lkw durchs Dorf fahren müssen.“ Insgesamt rechnen die Fachleute mit 9500 Tonnen Schutt durch den Abriss, darunter zirka 900 Tonnen Stahl und ähnliches Material, welches mit etwa 80 Lkw aufs Festland gebracht und dort entsorgt werden muss.

Route der Baufahrzeuge führt durch den Alten Kirchenweg

Fest steht mittlerweile auch die Route der schweren Spezialgerätschaften sowie der Transporter durch Keitum: Als nicht geeignet wurden nach Prüfung durch das Tiefbauamt die beiden vom Ortsbeirat favorisierten Varianten eingeschätzt. Der Weg über Tipkenhoog, Ingiwai und Süderstraße in Richtung Archsum kommt wegen vieler enger Kurven und des Bahnübergangs nicht in Frage. Variante zwei mit intensiven Fahrten durch den Gurtstig soll vermieden werden, weil die zentrale Dorfstraße erst vor kurzer Zeit saniert worden sei, so Kopplin. Also bleibt nur die alte „Zech-Route“ vom Kreisel über die Munkmarscher Chaussee bis zur Kehre nördlich von St. Severin und dann Richtung Süden durch Alten Kirchenweg, C.-P.-Hansen-Allee und Melnwai bis zum Tipkenhoog.

Mit Abschluss des Abrisses ist vor Pfingsten zu rechnen

Je nach Gegebenheiten rechnet Marcus Kopplin mit einer Dauer von acht bis zwölf Wochen für den Abbruch. Mit dem Abschluss sei spätestens Ende Mai und somit noch vor Pfingsten zu rechnen. „Man muss sich ja auf alles Mögliche einstellen“, warnt der KLM-Chef. „Wir haben zum Beispiel leider nur sehr schlechte Unterlagen über den gesamten Bauvorgang der Keitum-Therme. Außerdem kann es bei solchen Abrissen immer wieder vorkommen, dass durch Armierungsstahl oder Ähnliches die Hydraulikleitungen der Abrissbagger beschädigt werden.“

Der Ablauf werde sich wie folgt gestalten: Zunächst sind zwei bis drei Spezialbagger im Einsatz, die alles in größere Stücke zerkleinern. Dann kommt der Betonbrecher, der zeitlich zirka zwei bis drei Wochen hintereinander weg arbeiten soll. Parallel werden alle nichtverbleibenden Baumaterialien entsorgt. Anschließend erfolgt die grobe Modellierung des Geländes – dabei sei es insbesondere wichtig, zu verhindern, dass der Tipkenhoog abrutscht, so Projektleiter Krtschek. „Es entsteht ja zunächst eine große Baugrube mit einem Höhenunterschied von bis zu 4,50 Meter zur Straße.“

Als Zufahrt für alle Baufahrzeuge soll der bestehende Eingang zur Arena genutzt werden. Weil die Bagger und Lkw dann jedoch erst auf dem Parkplatz gegenüber des Friesensaals wenden müssten, könnte auch die Einrichtung einer Zufahrt etwas weiter westlich erforderlich sein. Dies und weitere Details wie temporäre Sperrungen oder Umleitungen würden allerdings erst entschieden, wenn es tatsächlich losgehe, so der KLM-Chef. Ähnliches gelte für die Länge der täglichen Arbeitszeiträume sowie die Frage, ob nur werktags oder zum Beispiel auch am Sonnabend gearbeitet würde. „Dass es staubig und vor allem laut werden wird, ist sicher allen bewusst“, erklärte Marcus Kopplin. „Aber alle sind sich ja auch einig: Lieber ein schnelles Ende mit Schrecken – also mit Krach, als ein weiterer Schrecken ohne Krach und ohne Ende.“

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erstellt am 22.Feb.2017 | 04:05 Uhr

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