Politik : Keitumer Thermen-Ruine: Streit um den „Zech-Deal“

Das Grundstück der Keitumer Thermenruine wurde erst diesen Herbst zur Wattseite hin mit einem neuen Metallzaun gesichert.
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Das Grundstück der Keitumer Thermenruine wurde erst diesen Herbst zur Wattseite hin mit einem neuen Metallzaun gesichert.

Die Sylter Piraten fordern einen Bürgerentscheid um den sogenannten Zech-Deal zur Keitumer Therme.

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29. Januar 2015, 05:29 Uhr

Was soll nun aus der Keitumer Therme werden? Um diese Frage geht es heute Abend im Keitumer Ortsbeirat. Bürgermeisterin Petra Reiber wird dort den sogenannten Zech-Deal vorstellen. Über die Frage, ob die Gemeinde Sylt dem Hotelinvestor Kurt Zech die Chance gibt, sein Keitumer Hotel Severin’s zu erweitern und er als einer der Hauptgläubiger dafür ermöglicht, dass die Thermenruine endlich verschwindet, ist in den vergangenen Wochen auf der Insel heftig diskutiert worden (wir berichteten). Die Kommunalpolitiker Christian Thiessen (Piraten) und Lars Schmidt (Inselliste Zukunft Sylt) fordern nun, dass per Bürgerentscheid geklärt werden soll, ob die Gemeinde den „Zech-Deal“ annehmen soll oder nicht.

Thiessen hatte zuvor scharf kritisiert, dass der Umgang mit den Unterlagen zur Therme intransparent und nicht nachvollziehbar sei.

Im Hauptausschuss der Gemeinde Sylt sollten gestern erst einmal die Gemeindevertreter informiert werden, welche Optionen in Sachen Therme denn überhaupt möglich sind: Der Anwalt der Gemeinde hatte auf einem fünfseitigen Papier zusammengefasst, welche Möglichkeiten aus seiner Sicht bestehen: Entweder könne die Gemeinde auf den „Zech-Deal“ eingehen, oder sie könne Zechs Forderungen und die des Insolvenzverwalters außergerichtlich begleichen oder es müsse schlicht das Ende des Gerichtsprozesses abgewartet werden. So wie das Schreiben formuliert ist, rät der Anwalt den Gemeindevertretern von den Alternativen zum Zech-Deal ab. Wofür sich die Gemeinde entscheidet, soll sich in den kommenden Wochen klären - die Parteien sollen die verschiedenen Möglichkeiten innerhalb der Fraktionen beraten.

Christian Thiessen hält die Informationsgrundlage, die den Gemeindevertretern für diese Entscheidung zur Verfügung steht, für nicht ausreichend: „Ohne Informationen zum Hintergrund, und diese Informationen habe ich bisher nicht erhalten, sehe ich mich nicht in der Lage, eine Entscheidung zu treffen“, sagt der Pirat. „Die anderen Fraktionen scheint das nicht zu stören - sie verlassen sich schlicht auf den Anwalt der Gemeinde.“ Das zeige, so Thiessen, dass man in Sachen blindes Vertrauen aus den Fehlern der damaligen Gemeinde Sylt-Ost nichts gelernt habe.

Bürgermeisterin Petra Reiber dagegen betont, dass die nötigen Informationen zur Verfügung gestellt werden. Allerdings: „Was vor der Insolvenz geschehen ist, ist für diese Entscheidung irrelevant.“ Heute Abend in Keitum werde sie neben der Zusammenfassung des Anwalts auch ein weiteres Gewicht in die Waagschale werfen: Investor Zech sei bereit, sich an einer Nachfolgelösung für das Thermengelände mit einer „ansehnliche Summe“ zu beteiligen, über deren genaue Höhe noch verhandelt werden müsse. Ob das die Keitumer vom „Zech-Deal“ überzeugt, bleibt abzuwarten.

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